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SV Straelen gewinnt Niederrheinpokal und träumt von Bayern München

Die Pokalhelden von der Römerstraße : Der SV Straelen ist Niederrhein-Pokalsieger

Verdientes 1:0 im Finale gegen den Wuppertaler SV: Die Grün-Gelben sind zum zweiten Mal im DFB-Pokal dabei und hoffen auf ein Traumlos.

Einige Minuten nach dem Abpfiff haute der Pokalheld den Spruch des Jahres raus. „Meine Mathelehrerin hat mir früher oft den Arsch gerettet. Ich hab ihr versprochen, dass ich sie grüße, wenn ich mal im Fernsehen bin. Frau van de Locht: Sie sind die Beste.“ Egal, was Julius Paris in der Schule gelernt hat. Für den jungen Mann aus Winnekendonk, der am Samstag als Torhüter des Fußball-Regionalligisten SV Straelen beim „Tag der Amateure“ des DFB ins Rampenlicht rückte, zählten am Ende nur zwei Zahlen: 1:0. Mit diesem Ergebnis bezwang die Elf von der Römerstraße völlig verdient den Ligarivalen Wuppertaler SV und ist Niederrhein-Pokalsieger 2022.

Vor rund 6.500 Zuschauern in der Duisburger Schauinsland-Reisen-Arena machte die Mannschaft um Trainer Steffen Weiß den vielleicht sogar größten Erfolg in der mittlerweile 103-jährigen Vereinsgeschichte der Grün-Gelben perfekt. Erstmals nach 1998 hat sich der SV Straelen wieder für die erste Runde um den DFB-Pokal qualifiziert – damals gab es vor vollem Haus an der Römerstraße eine 4:7-Niederlage gegen Fortuna Düsseldorf. Jetzt hofft der „Mini-Verein von der holländischen Grenze“ – so Kommentator Jan Wochner während der ersten Minuten der Live-Übertragung der ARD – auf ein Traumlos. Hier einige Kostproben: „Schalke, Frankfurt, Bremen, Hamburg, irgendein Traditionsverein.“ (Julius Paris). „Dortmund oder Bayern, ein Super-Auswärtsspiel.“ (Kapitän Kevin Wolze). „Egal wer, wir hauen sie alle weg.“ (Siegtorschütze Kelvin Lunga). Als wahrer Sympathieträger entpuppte sich indes Trainer Steffen Weiß: „Ich bin erst viereinhalb Wochen hier. Klassenerhalt, Pokalsieg – ich bin megaglücklich. Als Fan von Borussia Mönchengladbach hätte ich in der ersten Runde nichts gegen ein Nachbarschaftsduell.“

 Der Schuss ins Glück: Kelvin Lunga befördert dem Wuppertaler Torwart Sebastian Patzler den Ball durch die Beine.
Der Schuss ins Glück: Kelvin Lunga befördert dem Wuppertaler Torwart Sebastian Patzler den Ball durch die Beine. Foto: Heinz Spütz
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Der letzte Höhepunkt einer ereignisreichen Saison, die an der Römerstraße garantiert nie in Vergessenheit geraten wird, steht am kommenden Sonntag, 29. Mai, auf dem Programm. Dann werden ab 19.15 Uhr im Deutschen Fußballmuseum in Dortmund DFB-Präsident Bernd Neuendorf und Weltmeister Kevin Großkreutz die Paarungen der ersten Runde auslosen. Die Mannschaft des SV Straelen sorgte am Samstag mit einer erstklassigen Leistung dafür, dass sich bei dieser Gelegenheit in einer der 64 Kugeln das grün-gelbe Wappen mit der Jahreszahl 1919 befindet.

Von wegen Außenseiter: Die Grün-Gelben waren von Anfang an besser als der favorisierte Viertliga-Tabellendritte aus Wuppertal, der den Großteil der Zuschauer auf seiner Seite hatte, aber aus der Heimspiel-Atmosphäre kein Kapital schlagen konnte. Schon in der ereignisarmen ersten Hälfte verzeichnete der SV Straelen die beiden besten Möglichkeiten. Erst schoss Torjäger Cagatay Kader den Ball knapp am linken Pfosten vorbei (17.), dann bekam er nach einer maßgerechten Flanke von Rechtsverteidiger Kino Delorge nicht genügend Druck hinter seinen Kopfball (35.).

Auch die Geschichte des zweiten Durchgangs, in dem die Jungs in den grün-gelb gestreiften Trikots zu Pokalhelden avancieren sollten, ist schnell erzählt. Der Wuppertaler SV agierte ideenlos. Die Flankenbälle waren allesamt sichere Beute des 20-jährigen Julius Paris, der in aller Seelenruhe das größte Spiel seiner noch jungen Laufbahn absolvierte. Dann das Tor des Tages in der 52. Minute: Kevin Wolze steckte den Ball durch auf Kelvin Lunga. Dieser schüttelte einen Verteidiger ab wie eine lästige Fliege und verpasste WSV-Torhüter Sebastian Patzler einen Tunnel – allein schon wegen dieser Szene wird der pfeilschnelle Außenstürmer, der zu RW Oberhausen wechselt, an der Römerstraße auf ewig in guter Erinnerung bleiben. Anschließend hätten Arlind Shoshi und Dacain-Dacruz Baraza, die jeweils nur ganz knapp scheiterten, auf 2:0 stellen können (72. und 75.).

Der Straelener Pokalsieg geriet nur noch einmal in Gefahr, dafür aber so richtig. Toshiaki Miyamoto brachte in der 78. Minute mit einem leichten Schubser den Wuppertaler Routinier Valdet Rama im Strafraum zu Fall. Schiedsrichter Robin Delfs pfiff und streckte seinen rechten Arm aus: Elfmeter. Doch schon beim seltsamen Trippel-Anlauf stand dem Wuppertaler Kevin Rodrigues Pires die Angst vorm Fehlschuss ins Gesicht geschrieben. Elf Meter entfernt sah Julius Paris so aus, als hätte er gerade erst eine Mathe-Arbeit bei Frau van de Locht abgegeben. Der Winnekendonker tauchte ab ins linke Eck, wehrte ab und durfte sich von seinen Mitspielern feiern lassen.

Danach ließen sich die Pokalhelden ihren Triumph nicht mehr nehmen. Als fairer Verlierer zeigte sich der Wuppertaler Trainer Björn Mehnert: „Der SV Straelen hat verdient gewonnen. Wir hatten im letzten Drittel einfach nicht den Zug zum Tor.“ Er musste allerdings noch etwas die Wogen glätten, weil einer seiner Schützlinge in der Nachspielzeit die Nerven verloren und für den negativen Höhepunkt des Endspiels gesorgt hatte. Kevin Pytlik fuhr zunächst Fabio Ribeiro von hinten in die Beine und sah die Rote Karte. Noch bevor er den Platz verlassen hatte, nutzte Pytlik die Gelegenheit, um Kevin Wolze eine Kopfnuss zu verpassen.

Auf einen weiteren Kevin kommt es am nächsten Sonntag an: Herr Großkreutz, bescheren Sie dem SV Straelen bitte ein Traumlos.