Fußball : Die Erinnerung an eine Sternstunde

Fußball-Regionalliga: Im Hinspiel hätte der SV Straelen beim 2:2 um ein Haar das Stadion an der Hafenstraße erobert. Am Samstag gibt’s ein Wiedersehen mit Rot-Weiss Essen – alles ist angerichtet für ein Fußballfest an der Römerstraße.

Der 21. September 2018 gehört zu jenen Tagen, die einen festen Platz in der inzwischen 100-jährigen Vereinschronik des SV Straelen einnehmen. An jenem Freitagabend lieferte der Aufsteiger vor etwas mehr als 8000 Zuschauern eine begeisternde Vorstellung und hätte um ein Haar das Stadion an der Essener Hafenstraße erobert. Torjäger Shun Terada hatte die Grün-Gelben beim haushohen Favoriten Rot-Weiss Essen nach der Pause mit einem Doppelschlag mit 2:0 in Führung gebracht. „Und dann hat unser Klufti leider die große Chance zum 3:0 ausgelassen. Das wär’s gewesen“, erinnert sich Präsident Hermann Tecklenburg gerne an den gelungenen Auftritt der Straelener Mannschaft zurück. Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass RW Essen in der Schlussphase noch einmal zurückschlug und den Ausgleich zum 2:2-Endstand schaffte.

Am Samstag gibt’s ein Wiedersehen mit dem Deutschen Meister von 1955, der seine glorreichen Zeiten längst hinter sich gelassen hat. Und es ist alles angerichtet für ein großes Fußballfest an der Römerstraße. „Die Bundesliga macht Pause. Und wir dürfen mit recht gutem Wetter rechnen. Diese Konstellation hatten wir zuletzt im Oktober. Damals sind zum Heimspiel gegen Borussia Mönchengladbach II 1700 Besucher gekommen“, sagt Fußball-Abteilungsleiter Stephan Dix.

Doch es ist nicht nur das beliebte Motiv „David gegen Goliath“, das viele Zuschauer ins Stadion an der Römerstraße locken dürfte. Ganz nebenbei steht für den SV Straelen im Duell mit dem Traditionsverein auch sportlich einiges auf dem Spiel. Zwar haben die Grün-Gelben noch ein beträchtliches Polster auf die Abstiegsränge. Dieses könnte allerdings ganz schnell aufgebracht sein, falls die peinliche Darbietung beim 0:4 gegen den 1. FC Köln II keine Eintagsfliege bleiben sollte. Tecklenburg: „Schlechter kann man schon fast gar nicht mehr spielen.“ Der Straelener Präsident hat ein ganz feines Gespür dafür, wann der sportliche Erfolg gefährdet sein könnte und er deshalb den Kickern etwas genauer auf die Finger beziehungsweise auf die Füße schauen muss. Trotz vieler beruflicher Verpflichtungen verfolgte der Bauunternehmer am Dienstag mit Argusaugen die Trainingseinheit an der Römerstraße. Am Donnerstagabend machte sich auch seine Frau, Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg, ein Bild davon, ob der SV Straelen für das Spiel gegen Rot-Weiss Essen gerüstet ist.

Auf die Frage nach einer Prognose kann sich Tecklenburg einen sanften Seitenhieb auf seinen Trainer Marcus John nicht verkneifen: „Ob wir erfolgreich sind, hängt auch davon ab, ob sich der Trainer für die beste Aufstellung entscheidet, die der SV Straelen zu bieten hat. Wenn er das macht, können wir mindestens ein Unentschieden erreichen.“

Die „beste Aufstellung“ sieht nach Überzeugung des Präsidenten Kai Schwertfeger, Neuzugang vom Drittligisten KFC Uerdingen, im zentralen, defensiven Mittelfeld an der Seite von Fabio Ribeiro vor. „Die beiden haben das in den Testspielen gegen Venlo und Kleve ganz ausgezeichnet gemacht und harmonieren sehr gut miteinander.“ Mit dieser Lösung wäre gleichzeitig der Weg frei für Kapitän Kevin Weggen auf die Spielmacher-Position, wo er als Drahtzieher mit Übersicht seine Stärken ausspielen kann, zumal er mit einer glänzenden Schusstechnik ausgestattet ist.

So könnte es in der Tat gegen Rot-Weiss Essen funktionieren. Zumal der SV Straelen am Samstag keineswegs auf einen übermächtigen Gegner trifft – der „Goliath“ existiert zurzeit nur auf dem Briefbogen. Die Essener Mannschaft hat sich offenbar damit abgefunden, eine weitere Saison als Enttäuschung verbuchen zu müssen – zuletzt gab’s eine 0:2-Heimniederlage gegen den SC Verl.

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