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SV Straelen: Adli Lachheb möchte sesshaft werden

33-Jähriger hat klare Grundsätze : Adli Lachheb möchte sesshaft werden

Seit 2018 läuft der Innenverteidiger für den Fußball-Regionalligisten SV Straelen auf. Er möchte seine Karriere in ein oder zwei Jahren gerne beim SVS ausklingen lassen. Im Spiel gegen den Bonner SC an diesem Samstag sind seine Abwehrkünste wieder gefragt.

Adli Lachheb, Innenverteidiger des Fußball-Regionalligisten SV Straelen, gehört nicht zu den Leuten, die um den heißen Brei herumreden, wenn sie nach ihrer Meinung gefragt werden. Er steht für klare Worte, dem man auch Fragen über ein 1:0 hinaus stellen kann. Die jüngste Niederlagenserie des SVS hat dem Abwehrchef, der als 19-Jähriger aus Tunesien nach Deutschland kam und auf eine lange Zeit als Profifußballer zurückblickt, alles andere als gut geschmeckt. Er weiß sie aber auch einzuordnen.

„Zuerst möchte ich sagen, dass wir eine ordentliche Saison gespielt haben, keine besonders gute, aber eine ordentliche. Unser Saisonziel, den Klassenerhalt, hatten wir schon vor einigen Wochen erreicht“, sagt er. „Drei Niederlagen in Folge haben mir natürlich nicht gepasst und beim nächsten Spiel hier gegen den Bonner SC habe ich keine Lust, noch eine zu kassieren.“

Lachheb hat eine klare Devise. „Man muss auch abwägen, gegen wen wir verloren haben. Mein Grundsatz lautet, dass, wenn man alles gegeben und trotzdem verloren hat, man die Leistung des Gegners respektieren muss. Gegen Köln und Essen mussten wir die Überlegenheit des Gegners anerkennen.“

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Diese von ihm beschriebene Einstellung sah er bei einigen Spielern, wie in der Partie gegen Wiedenbrück, leider nicht, und das hat ihn geärgert. „Trainer Benedict Weeks hat uns genau auf den Gegner eingestellt und wir sind von dessen Spielweise absolut nicht überrascht worden. Aber in der Mannschaft standen bestimmt fünf sehr junge Leute, die vorher noch nie in der Regionalliga gespielt haben. Ich bin der Meinung, dass diesen Spielern noch die nötige Reife fehlt, taktische Vorgaben richtig umzusetzen.“

Die Saison 2020/21 ist für den Abwehrstrategen noch lange nicht abgehakt. Adli Lachheb erinnert an das interne Mannschaftsziel, zum Saisonende mindestens 50 Punkte auf dem Konto zu haben. „Es sind noch vier Meisterschaftsspiele. Und es kommt noch wenigstens eine Englische Woche auf uns zu, weil wir im Halbfinale um den Niederrheinpokal auf den Sieger Rot-Weiss Essen gegen Rot-Weiß Oberhausen treffen. Der Sieger spielt im Endspiel um den Einzug in die erste Runde des DFB-Pokals.“

Seit 2018 hält Adli Lachheb als kompromissloser Innenverteidiger seine Knochen für den SV Straelen hin. Er hätte sich bei der Vertragsunterzeichnung niemals träumen lassen, nun schon kurz vor dem Abschluss seiner dritten Saison an der Römerstraße zu stehen. Der Routinier war ein typisches Beispiel dafür, dass Vereinstreue im professionellen Fußball eine eher untergeordnete Rolle spielt. Nie hat er sich in seiner langen Profikarriere mehr als zwei Jahre bei einem Verein aufgehalten. Doch dieses Vorgehen war Teil seines Plans, als er vor 14 Jahren von Tunesien nach Deutschland kam, um hier als Profifußballer Fuß zu fassen und möglichst viel kennenzulernen.

Beim SV Straelen hat er noch einen Vertrag bis 2022, doch nun scheint der Wandervogel in der Blumenstadt heimisch werden zu wollen. Er hat in den vergangenen eineinhalb Jahren viel nachgedacht und dabei eine richtungsweisende Entscheidung für seine weitere Lebensplanung getroffen. „Hier im Verein herrscht kein kaltes Arbeitsverhältnis, ich verspüre eine sehr familiäre Atmosphäre und das ist enorm wichtig für mich“, sagt er. „Ich habe vor, wenn die Pandemie es wieder zulässt, endlich an meinen Trainerlizenzen zu arbeiten und kann mir vorstellen, nach meiner aktiven Karriere weiter beim SV Straelen tätig zu sein.“

Natürlich ist ihm nicht entgangen, dass sich der SV Straelen in kurzer Zeit immer professioneller aufstellt. Damit meint er beispielsweise die Ausrichtung des Vereins im Juniorenbereich, für die kommenden Jahre Jugendspieler an die Profi-Mannschaft heranzuführen.

Hautnah hat er diese Entwicklung zu mehr Professionalität in den drei Jahren seiner Vereinszugehörigkeit miterleben dürfen. Und da spricht er nicht nur den neuen Kunstrasenplatz an, sondern redet von einem hauptberuflichen Trainer, von adäquaten Trainingszeiten, von regelmäßigen Videoanalysen, von einem fachkundigen Sportlichen Leiter und Torwart-Trainer, von der medizinischen Versorgung und vor allem von einem dreiköpfigen Betreuerteam, das mittlerweile Zweitliga-Niveau erreicht hätte. In diesem Zusammenhang begrüßt er, dass bereits frühzeitig erste Vertragsgespräche mit den Spielern geführt wurden, die sowohl dem Verein, als auch den Aktiven eine gewisse Planungssicherheit geben.

Bei der Entscheidungsfassung, seine Zelte dauerhaft in Straelen aufzubauen, hat sicherlich ein längeres, unverbindliches Gespräch, das er mit Hermann Tecklenburg geführt hat, beigetragen. Doch ein Hintertürchen lässt sich Adli Lachheb noch offen – denn falls er urplötzlich von Amors Pfeil getroffen werden sollte, schließt er eine räumliche Veränderung nicht aus.