Lokalsport : SV Lüllingen mischt bunt durch

Bei der letzten Saisonbegegnung hat so gut wie kein Spieler auf seiner eigentlichen Position gespielt. Das Los zum Stückpreis von 20 Euro hatte entschieden. Der Erlös von 700 Euro erhält die Gelderner Kinderklinik.

Ein Hut, viele Lose und große Ahnungslosigkeit. Eine Stunde vor Anpfiff der letzten Begegnung der Saison 2011/12 wussten die Spieler des SV Lüllingen noch nicht, auf welcher Position sie diesmal spielen werden. Denn die Elf von Trainer Dirk Jung verloste sich selbst bei der Partie gegen die Issumer. Der Erlös der Aktion von 700 Euro wurde gestern an den Förderverein der Gelderner Kinderklinik gespendet.

"Die Jungs sind irgendwann gekommen und haben gefragt, ob wir die Spielerpositionen nicht untereinander verlosen sollen", erinnert sich Jung. Die Idee sei aus der ersten Euphorie geboren worden, dass es beim letzten Spiel der Saison um nichts weiter als die Ehre ging, denn bereits das vorletzte Spiel brachte den Lüllingern den Klassenerhalt. "Wäre es um Punkte gegangen, hätten wir aus Fairness der gegnerischen Mannschaft gegenüber eine solche Aktion auch nicht starten können", sagt der 36 Jahre alte Trainer. So wurden eine Stunde vor dem Spiel alle Positionen auf Zettel geschrieben und in einen Hut geworfen. Der Einsatz pro Los und Spieler betrug 20 Euro, für die Position war das Mindestgebot fünf Euro, wer tauschen wollte, zahlte zehn Euro. Insgesamt 15 Positionen waren im Topf.

Trainer Jung zog zwar die Stürmerposition, ist sie aber direkt wieder losgeworden. An einen Spieler, der sonst auf der Ersatzbank sitzt und ein Los mit eben dieser Position gezogen hatte. Zehn Euro für den guten Zweck machten den Wechsel perfekt. "Geschmerzt hat mich das nicht", sagt Jung über seine verloren gegangene Möglichkeit, als Stürmer auf dem Platz zu glänzen. Im Gegenteil. Denn Oliver Karbowski — der Stürmer per Los — schoss auch noch ein Tor. "Es ist alles richtig gelaufen", sagt der Trainer zufrieden.

Für jedes Tor gab es zudem noch fünf Euro aus der Vereinskasse, und Jung legte auch noch etwas drauf. Und der Endstand konnte sich ebenfalls sehen lassen: Mit einem 3:3-Unentschieden verabschiedeten sich die Lüllinger in die Sommerpause. "Man sieht anhand vom Ergebnis, dass es trotz ungewöhnlicher Aufstellung funktioniert", sagt Jung. Die beiden anderen Tore schoss Martin Schmidt, ursprünglich Stürmer, der aber durch das Los im defensiven Mittelfeld eingesetzt war. "Er hat die alten Qualitäten wieder aufblitzen lassen", sagt Dominik Friesen, der in der neuen Saison Jung als Co-Trainer zur Seite stehen wird. Friesen, der gelernte Verteidiger, wechselte per Losentscheid in die Außenverteidigung. "Im Endeffekt keine große Veränderung", sagt der 34-Jährige.

Nur einer brauchte am letzten Spieltag der Saison seine Position nicht in den Hut werfen: Torwart Guido Dudziak. "Ihn haben wir nicht verlost, weil er sein letztes Spiel machte", sagt Jung und fügt mit einem Lächeln hinzu. "Mit 44 Jahren darf man im aktiven Bereich aufhören."

Die Idee der ersten Mannschaft fand so viel Anklang im Verein, dass weitere Mitglieder — wie etwa die Damenmannschaft — ihren Obulus dazugaben, um den Förderverein der Kinderklinik zu unterstützen. Mit 700 Euro ist letztlich ein ansehnlicher Betrag zusammengekommen. Jung und Friesen sind überzeugt, dass der Förderverein das Geld zum Wohl der Kinder einsetzen wird. Damit die Kinder aber sofort etwas zum Spielen hatten, brachte der SV Lüllingen gleich drei Lederfußbälle mit.

(bimo)