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Straelens junger Torwart Kevin Kratzsch auf dem Weg zum Profi

Fußball-Regionalliga : Der junge Torwart für die großen Spiele

Fußball-Regionalliga: Der 19-jährige Kevin Kratzsch wechselte im Sommer vom FC Carl Zeiss Jena zum SV Straelen, um eine Profi-Karriere zu starten. Sein Können hat er bereits in den Partien bei RW Essen und RW Oberhausen gezeigt.

Den 20. August wird die sportbegeisterte Familie Kratzsch aus Thüringen garantiert so schnell nicht vergessen. Gleich am zweiten Spieltag musste Kevin Kratzsch, 19-jähriger Neuzugang des Fußball-Regionalligisten SV Straelen, den verletzten Stammtorhüter Robin Udegbe ersetzen. Und das gleich auch noch im Spiel beim Topfavoriten Rot-Weiss Essen, vor 7500 Zuschauern im Stadion an der Hafenstraße. Der junge Mann bestand seine Feuertaufe mit Bravour und hatte mit einer starken Leistung großen Anteil am fast schon sensationellen 4:1-Erfolg der Grün-Gelben.

„Natürlich war ich zunächst etwas aufgeregt, aber schon beim Warmmachen hatte sich das gelegt. Und ganz ehrlich: Nachher war ich so sehr auf das Spiel fokussiert, dass ich die vielen Zuschauer gar nicht mehr bewusst wahrgenommen habe“, erinnert er sich an seinen großen Auftritt.

Kevin Kratzsch ist in Gera aufgewachsen. Im zarten Alter von 13 Jahren wechselte er zum FC Carl-Zeiss Jena und besuchte die angeschlossene Fußball-Akademie, an der er vor einem Jahr sein Abitur machte. Regelmäßig stand er für die Thüringer Landesauswahl zwischen den Pfosten, es folgten in allen Altersklassen Einladungen zu Lehrgängen der Jugendnationalmannschaft. Sein einziges Länderspiel bestritt er beim 3:2 gegen Luxemburg – zur Mannschaft zählte damals ein gewisser Youssoufa Moukoko, der inzwischen für Borussia Dortmund in der Bundesliga stürmt.

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In Jena sah er allerdings keine Perspektive, in absehbarer Zeit die Nummer eins im Tor werden zu können. Nach sechs Jahren beim FC Carl Zeiss war für Kevin Kratzsch die Zeit für eine Luftveränderung gekommen. „Ich war auf der Suche nach einer neuen Plattform im professionellen Fußbal. Ich möchte mich zeigen und weiterentwickeln. Ich brauchte neue Anreize. Und die Attraktivität der Regionalliga West ist bundesweit bekannt“, erklärt Kratzsch. Anfang Juli, am ersten Tag der Sommervorbereitung, absolvierte er ein Probetraining beim SV Straelen. Zwei Wochen später unterzeichnete er seinen ersten Vertrag als Senior. Die Straelener Verantwortlichen teilten ihm mit, dass er keinen Anspruch auf einen Stammplatz habe und er als Nummer zwei hinter Robin Udegbe eingeplant sein. „Meine Perspektiven als junger Torwart waren bei keinem Verein anders. Ich habe im Seniorenbereich ja noch nichts vorzuweisen“, sagt er.

Inzwischen hat er sich in Straelen gut eingelebt und sein anfängliches Heimweh längst überwunden. „Hier kann ich mich ohne große Ablenkung ausschließlich auf den Fußball konzentrieren. Unser Training mit den drei Keepern Julius Paris, Robin Udegbe und mir hat eine enorme Eigendynamik entwickelt. Manni Gloger ist ein hervorragender Torwart-Trainer. Bei uns allen macht sich eine kontinuierliche Verbesserung der Leistungen bemerkbar“, erklärt der 19-Jährige.

Selbstbewusst formuliert er seine Ziele: „Ich strebe eine Profi-Karriere an. Ich möchte mir später nicht vorwerfen müssen, nicht alles dafür getan zu haben. Mal sehen, wo ich in zwei Jahren stehe.“ Vier Pflichtspiele hat der junge Keeper bereits für seinen neuen Verein absolviert, zuletzt stellte Kratzsch beim 0:0 bei Rot-Weiß Oberhausen seine Klasse unter Beweis, nachdem er erst wenige Stunden vor dem Anpfiff von seinem Einsatz erfahren hatte. Schon vor dem Spiel war sich Trainer Rudi Zedi ganz sicher, dass auf den Keeper wie schon an der Hafenstraße Verlass ist – er sollte Recht behalten.

Ob Kevin Kratzsch am Samstag ab 14 Uhr im Heimspiel gegen Schlusslicht KFC Uerdingen eine weitere Chance erhält, auf sich aufmerksam zu machen, entscheidet sich kurzfristig. Der frischgebackene Familienvater Robin Udegbe ist erst Mitte der Woche wieder ins Training eingestiegen. „Ich bin auf jeden Fall bereit. Schließlich bin ich ja nach Straelen gekommen, um der Mannschaft öfter Mal zu helfen“, verabschiedet er sich mit einem Grinsen im Gesicht.