Sprinter Manuel Dornemann ist der Goldjunge des TSV Nieukerk

Leichtathletik : Der Deutsche Meister vom TSV Nieukerk

Manuel Dornemann war vor knapp 20 Jahren mehrfach Deutscher Meister mit der 4 mal 400 Meter-Staffel der LG Olympia Dortmund. Aus einer Bierlaune heraus hat der Mediziner, der in Sevelen lebt, sein Comeback gestartet.

Der TSV Nieukerk ist ein kleiner, feiner Dorfverein. Und hat wie aus dem Nichts einen Deutschen Meister in seinen Reihen. Möglich macht’s das digitale Zeitalter. „Ich habe bei ,Google maps’ nach einer geeigneten Tartanbahn in der Umgebung gesucht. Und bin in Nieukerk fündig geworden“, erzählt Manuel Dornemann. Der Orthopäde, der in Moers eine eigene Praxis betreibt und in Sevelen lebt, zählte vor gar nicht allzu langer Zeit zu den großen Hoffnungsträgern der deutschen Leichtathletik.

1997 gehörte der Sprinter zur 4 mal 400-Meter-Staffel im Trikot mit dem Bundesadler, die Deutschland bei der Europameisterschaft vertrat. Und mit der Staffel der LG Olympia Dortmund gewann er vier Mal die Deutsche Meisterschaft, ehe Manuel Dornemann die Spikes an den Nagel hängte und sich fortan seinem Medizinstudium widmete. Das war im Jahr 2002. „Danach habe ich praktisch nichts mehr gemacht. Ich habe zwar manchmal noch ein Fitness-Studio besucht. Aber nichts, was mit Leichtathletik zu tun hatte“, sagt Dornemann.

Das sollte sich im vergangenen Winter ändern. Zum Weihnachtsfest traf der ehemalige Leistungssportler seinen ein Jahr älteren Bruder Sebastian. Der war früher auch mal ein erfolgreicher Sprinter, wenn auch nicht ganz so talentiert. Und wie das manchmal so ist – Männer kommen bei einem Bier auf die besten Ideen. „Wir haben über vergangene Zeiten gesprochen. Und plötzlich hat Sebastian vorgeschlagen, dass wir doch im neuen Jahr einfach mal wieder an einer Deutschen Meisterschaft teilnehmen sollten. Das war wirklich aus einer Bierlaune heraus“, erinnert sich Dornemann, der am heutigen Freitag seinen 40. Geburtstag feiert.

Gesagt, getan: Der Sportler nutzte „Google maps“, mit seinen Suchkriterien landete er am „Aermen Düwel“ in Nieukerk. Ein kurzer Anruf bei TSV-Abteilungsleiterin Cäcilie Tophoven – und schon hatte der Dorfverein einen Top-Sprinter in seinen Reihen, der zum 1. Januar seine Mitgliedserklärung unterschrieb. Seitdem dreht Dornemann auf dem Nieukerker Sportplatz regelmäßig seine Runden, absolviert Tempoläufe und Sprints. „Zunächst einmal habe ich angetestet, ob mein Körper nach so langer Zeit noch mitspielt“, sagt der Mediziner. Das war kein Problem – die individuellen Trainingseinheiten in der gesunden Nieukerker Luft gingen reibungslos über die Bühne und machten sogar richtig Spaß. Nicht ganz so gut erging es seinem Bruder Sebastian parallel in Bielefeld, der die „Mission Deutsche Meisterschaft“ wegen muskulärer Probleme recht schnell abbrechen musste.

Manuel machte weiter und ganz schnell Fortschritte. Die Qualifikationsnorm zur DM von 57,5 Sekunden für die Altersklasse „M 40“ unterbot der Wahl-Sevelener bereits bei seinem ersten offiziellen Wettkampf im Frühjahr – und zwar um Längen. „Diese Zeit laufe ich auch morgens früh im Trainingsanzug mit normalen Turnschuhen“, versichert der drahtige Orthopäde, der kein Gramm Fett zu viel am Körper hat. Seinen ersten Titel nach langer Zeit holte Dornemann am 30. Juni in Kevelaer. Bei den Senioren-Meisterschaften des Leichtathletik-Verbandes Nordrhein hängte der Sprinter im Hülspark-Stadion die Konkurrenz in der „M 40“ in der ausgezeichneten Zeit von 51,29 Sekunden problemlos ab. Das Erfolgsrezept aus der Jugendzeit funktioniert immer noch: „Über 400 Meter kommt es darauf an, dass man die ersten 300 Meter richtig Gas gibt und auf der Zielgeraden den inneren Schweinehund besser im Griff hat, als die Konkurrenz.“

Der Goldjunge vom TSV Nieukerk: Auf der Tartanbahn am „Aermen Düwel“ hat Manuel Dornemann sein Comeback gestartet. Foto: Privat

Zu diesem Zeitpunkt zeichnete sich längst ab, dass der TSV Nieukerk einen heißen Anwärter auf den Deutschen Meistertitel in seinen Reihen hat. „Mir war frühzeitig klar, dass ich Chancen auf eine Medaille habe. In Kevelaer wusste ich dann, dass es Gold werden kann.“ Dieses Gefühl sollte den erfahrenen Sportler nicht täuschen. Im thüringischen Leinefeld sprintete Manuel Dornemann unter schwierigen Bedingungen (Regen, gerade einmal 14 Grad, böinger Wind) in 51,88 Sekunden ins Ziel. Und ließ seinen Verfolger Gunnar Habl aus dem hessischen Friedberg-Fauerbach fast zwei Sekunden hinter sich. Inzwischen ist Dornemann am „Aermen Düwel“ wieder Dauergast – Anfang September geht’s zur Europameisterschaft.

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