Fußball-Bezirksligisten im Check Sportfreunde-Mannschaft der Zukunft

Straelen · Etliche Leistungsträger sind gegangen, viele Talente stehen auf dem Sprung. Spielertrainer Sebastian Clarke nimmt in Broekhuysen wie vor sieben Jahren noch einmal den Neuaufbau in Angriff.

Neuer Kapitän: Abräumer Leon Peun (l.) – hier im Duell mit Markus Müller vom SV Straelen – soll die jungen Spieler an die Hand nehmen.

Neuer Kapitän: Abräumer Leon Peun (l.) – hier im Duell mit Markus Müller vom SV Straelen – soll die jungen Spieler an die Hand nehmen.

Foto: Norbert Prümen

Nur gut, dass Sebastian Clarke zu den Menschen gehört, für die das Glas immer halb voll ist. Denn der inzwischen 38-jährige Spielertrainer des Fußball-Bezirksligisten Sportfreunde Broekhuysen hat wieder einmal eine sportliche Herkulesaufgabe vor der Brust. Ähnlich wie bei seinem Amtsantritt im Sommer 2016 – die Sportfreunde waren gerade innerhalb von zwei Jahren von der Landesliga in die Kreisliga A durchgereicht worden – muss er einen Umbruch bewerkstelligen.

Doch Clarke liebt solche Herausforderungen und hebt gleich einmal die positiven Aspekte hervor. Nummer eins: „Wir haben das große Glück, dass wir in einer Situation, in der uns viele Leistungsträger verlassen haben, so starke Talente aus den eigenen Reihen bekommen.“ Nummer zwei: „Im Nachhinein ist es sogar ganz gut, dass wir abgestiegen sind. In der Landesliga hätten wir wahrscheinlich keine Chance mehr gehabt. So aber können wir in Ruhe den Neuaufbau in Angriff nehmen.“

Stürmer Sven van Bühren (weißes Trikot) hat seine Torgefährlichkeit schon hinlänglich unter Beweis gestellt.   RP-Foto: G. Evers

Stürmer Sven van Bühren (weißes Trikot) hat seine Torgefährlichkeit schon hinlänglich unter Beweis gestellt. RP-Foto: G. Evers

Foto: Evers, Gottfried (eve)

Dabei hatte Anfang April noch alles danach ausgesehen, als sollten die Sportfreunde ihr zweites „Abenteuer Landesliga“ in der Vereinsgeschichte erfolgreich meistern können. Die Mannschaft hatte soeben am 21. von 26 Spieltagen die SGE Bedburg-Hau mit 4:2 geschlagen und sich auf den siebten Tabellenplatz verbessert. Doch unmittelbar nach der Partie hatte die folgende Talfahrt ihren Ursprung. Abwehrchef Christoph Elspaß, der zum Oberligisten SV Sonsbeck gewechselt ist, Coen Aarts, der in der Jugend des niederländischen Zweitligisten VV Venlo eine Trainer-Laufbahn einschlägt, und Justin Theelen (Viktoria Goch) teilten ihren Mitspielern ihre Zukunftspläne mit. „Das war für die Mannschaft damals leider so etwas wie ein Stimmungskiller. Schließlich handelte es sich um die Kapitäne Nummer eins, zwei und drei“, so Clarke.

In den verbleibenden fünf Spielen – darunter gegen die Kellerkinder TSV Wachtendonk-Wankum und VfB Bottrop – holten die Sportfreunde nur noch einen Punkt. Damit war die sofortige Rückkehr in die Bezirksliga besiegelt. In der Zwischenzeit ist der Aderlass noch etwas größer ausgefallen. Torjäger Igor Puschenkow – mit 13 Treffern und sechs Torvorlagen einer der besten Landesliga-Stürmer der abgelaufenen Saison – ist zum künftigen Ligarivalen Viktoria Goch gewechselt. Verteidiger Joshua Frenzen, stets die Zuverlässigkeit in Person, hat seine Laufbahn aus beruflichen Gründen beendet. Und Mittelfeldspieler Dennis Belzek, der in der neuen Saison gute Aussichten auf einen Stammplatz gehabt hätte, hat einen Wechsel zum ambitionierten A-Ligisten Viktoria Winnekendonk vorgezogen. Dauerläufer Marcel Thyssen, der nach der Winterpause noch einmal ein Comeback gefeiert hatte, konzentriert sich in Zukunft voll und ganz auf seine Aufgaben als Zuspieler des Volleyball-Oberligisten Kevelaerer SV.

Ab sofort soll es der „goldene Jahrgang“ richten. Die stärksten Talente aus jener A-Junioren-Mannschaft, die sich in der vergangenen Saison ungeschlagen die Meisterschaft in der Leistungsklasse gesichert und in 22 Spielen sage und schreibe 136 Treffer erzielt hatte. Den Teenagern Tobias Maaßen, Hendrik Hünnekens, Maurice Horster, Nick Ernst und Nils Lachmann gehört auf der Sportanlage „Op den Bökel“ zweifelsohne die Zukunft. Nils Hannaleck hat den Sprung in den Seniorenbereich bereits geschafft – der 20-Jährige hatte in der abgelaufenen Saison großen Anteil daran, dass die Sportfreunde-Reserve der Kreisliga A erhalten geblieben ist. Ebenfalls zum Projekt „Jugend forsch“ gehört der 19-jährige Außenverteidiger Lars Peters, der vom Bezirksligisten SV Straelen II zum Dorfverein gewechselt ist. „Das sind alles richtig gute Spieler, die sich in Ruhe entwickeln sollen. Ich mache mir nicht allzu große Sorgen, weil wir ja auch gestandene Leistungsträger haben, an denen sich die Talente orientieren können“, sagt Clarke. Zu denen gehört auch der Trainer, der mit seinen 38 Jahren nach wie vor topfit und durchtrainiert ist. „Ich werde wohl noch eine Saison auf dem Platz dranhängen, weil ich den Eindruck habe, dass ich der Mannschaft helfen kann.“ Zu den unumstrittenen Leitwölfen zählt auch der neue Kapitän. Während sein Chef die Abwehr dirigiert, soll Leon Peun im zentralen, defensiven Mittelfeld für die nötige Stabilität sorgen. Auch Torhüter Marek Schaffers, die Verteidiger Jan Teegelbeckers und Maik Weymanns, Mittelfeldspieler Yannis Weyers sowie Stürmer Sven van Bühren haben allemal das Zeug dazu, um die jungen Hoffnungsträger in die Spur bringen zu können.

Eine konkrete Zielsetzung hat Sebastian Clarke noch nicht. „Es geht zunächst einmal darum, eine schlagkräftige Mannschaft zu formen, die nach Möglichkeit von Anfang an nichts mit dem Abstiegskampf zu tun hat“, sagt er. Der erfahrene Coach hat seine Meisterschaftsfavoriten frühzeitig ausgemacht: „Wenn man sich die Kader einmal anschaut, werden entweder der GSV Moers oder Viktoria Goch das Rennen machen.“

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