Spaßfaktor als Extra-Kick

Zum Trainerteam der Judo-Abteilung des GSV Geldern, das bis zu 100 Jungen und Mädchen betreut, gehört auch eine Europameisterin. Ein besonderer Aspekt der Vereinsarbeit ist dabei das integrative Training und die Kooperation mit der Don-Bosco-Schule.

Als der "Mann der ersten Stunde", Hans Winter, einen Nachfolger für seinen Posten suchte, wurde er beim Judo-Kreisvorstand fündig. André Otte (32), der aus Kleve stammt, übernahm vor drei Jahren die Leitung der Judo-Abteilung beim GSV Geldern, die seit mittlerweile 30 Jahren besteht. Und sie wächst noch immer.

Der Nachwuchs Den Großteil der 136 Mitglieder stellen Kinder und Jugendliche, rund 90 bis 100 dürften es wohl sein, schätzt Otte. Für ihn erstaunlich: "Man denkt immer, Kampfsport sei nur etwas für Jungs. Wir haben aber eine gesunde Mischung – zwei Drittel Jungen, ein Drittel Mädchen." Selbst im oftmals schwierigen Teenager-Alter brechen nur selten Mitglieder weg. "Wir können unsere Zahlen halten oder sogar steigern", freut sich Otte.

Die Ausrichtung Auch im Judo gebe es die typische Zweiteilung in Breiten- und Wettkampfsport, sagt Otte. "Wir selbst bieten es als Breitensport an." Es gibt auch eine kleine Zahl von Athleten, die regelmäßig an Wettkämpfen und dem Judo-Ligabetrieb teilnehmen. Die Mehrheit aber kommt einfach zum Training. "Auch da wird gekämpft, und man hat eine Leistungskontrolle", erklärt Otte – aber immer "liegt auch der Spaßfaktor weit vorne", fügt Otte hinzu. Für eine fundierte Ausbildung ist durch die ständige Präsenz von qualifizierten Trainern gesorgt. "Wir haben immer einen Schwarzgurt auf der Matte, der auch eine Fachübungsleiter-Lizenz besitzt", sagt Otte. Zudem ist er bemüht, frühzeitig Nachwuchs mit ins Trainerteam zu holen.

Das Umfeld Die Judo-Sportler des GSV trainieren in der großen Halle der Anne-Frank-Schule sowie in der Turnhalle der Don-Bosco-Schule. Zweimal wöchentlich geht's in drei Altersgruppen auf die Matte. "Mit der Hallenzeiten-Vergabe sind wir sehr zufrieden", sagt André Otte. Einzig bei Wettkämpfen gibt's ein paar Schwierigkeiten, denn diese müssen in anderen Hallen ausgetragen werden. "Da ist der Mattentransport ein Problem, dazu brauchen wir einen Transporter." Zum Glück finden sich Mitglieder in der Abteilung, die aushelfen können.

Netzwerke Die Liste der Kooperationspartner ist lang. Mit der Budosport-Gemeinschaft Kleverland stellt der GSV eine Bezirksliga-Mannschaft und richtet zudem immer wieder Turniere aus. Auch mit der Don-Bosco-Schule wird zusammengearbeitet. "Wir trainieren integrativ", erklärt Otte. Zehn Kämpfer mit Behinderung nehmen am Trainingsbetrieb teil. "Wir verstehen Judo so, dass der Stärkere dem Schwächeren hilft", sagt Otte. Hartmut Roglic leitet innerhalb des Sportunterrichts an der Don-Bosco-Schule eine Judo-AG und vermittelt talentierte Sportler an den Verein. "Einer unserer Kämpfer mit Behinderung steht sogar im Landeskader", freut sich Otte. Seine Abteilung bietet des weiteren Kurse bei der Familienbildungsstätte an und geht in den Schulsport oder zu Projekttagen.

Ausser Sport Die einzelnen Trainingsgruppen unternehmen regelmäßig Ausflüge. So waren die Jüngsten zuletzt im Mais-Labyrinth in Twisteden, die Älteren fahren in diesem Jahr bereits zum dritten Mal zum Jugend-Campingplatz Eyller See. "Dort nehmen wir auch immer Judo-Matten mit hin", erzählt Otte. Eine kleine Tradition hat sich bei einem Teil der Freitags-Gruppe eingebürgert: "Sechs, sieben Leute bleiben immer etwas länger und gehen nach dem Training gemeinsam Döner essen und danach noch auf ein Bierchen in eine Gaststätte."

Fazit Kampfsport als Mädchen – für viele nur schwer vorstellbar. Doch bei der Judo-Abteilung des GSV ist dies der Normalfall. So ist sie nicht nur für Jungs – ob nun Breiten- oder Wettkampfsportler – eine gute Adresse. Qualifizierte Trainer garantieren zudem eine vernünftige Ausbildung, und auch die Gemeinschaft kommt nicht zu kurz.

(RP)