Handball : Sommer-Team vor unbequemer Aufgabe

In der Handball-Regionalliga Nordrhein treten die Handballer des TV Aldekerk in heimischer Umgebung an. Den Start in die Rückserie bestreiten die Grün-Weißen gegen die Wölfe Nordrhein. Anwurf ist am Samstag um 19.30 Uhr.

Die Handballer des TV Aldekerk waren beim offiziellen Auftakt der Rückrunde am vergangenen Wochenende zum Zuschauen verurteilt. Grund dafür ist die ungerade Zahl von Mannschaften, die in dieser Saison in der Regionalliga Nordrhein der Männer vertreten sind. Das führt zwangsläufig dazu, dass an jedem Wochenende eine Mannschaft aus dem Pool der Viertligisten spielfrei hat. Und vor einer Woche war das die Mannschaft von ATV-Coach "Mattes" Sommer, der nach der Niederlage im Kreisderby bei den bemerkenswert gut aufgestellten Adlern aus Königshof eine komplette Woche mehr Zeit hatte, um an den Schwächen seines Ensembles zu feilen, damit es mit jetzt 15:13-Punkten nicht noch weiter im Klassement abrutscht.

Auch wenn Quervergleiche schwierig sind, sei an dieser Stelle doch einmal ein Blick auf die vorherige Saison 2016/17 gestattet, in der die Grün-Weißen zur Halbzeit der Serie (seinerzeit nach 13 Begegnungen) mit 18:8-Punkten dastanden. Von daher hat sich der TV Aldekerk nach den Abgängen von Julian Mumme, Lukas Hüller und Tobias Dickel sowie dem Trainerwechsel von Achim Schürmann/Dirk Rahmel auf "Mattes" Sommer/Dietmar Winter einigermaßen ordentlich aus der Affäre gezogen. Jedenfalls dann, wenn man die reinen Ergebnisse sprechen lässt. Allerdings waren darunter auch Spiele, in denen die Aldekerker während der 60 Minuten eine Achterbahnfahrt aufs Parkett legten - mal mit mehr und mal mit weniger Erfolg.

Aus dem Verlauf der Hinserie eine Prognose für die zweite Saisonhälfte der Aldekerker abzuleiten, ist schwierig. Schon allein aus dem Grund, weil Janis Kempmann und Can Greven mit schweren Bänderverletzungen mit hoher Wahrscheinlichkeit bis zum Saisonende ausfallen. Damit fehlen der Mannschaft auf der linken Außenbahn und im zentralen Rückraum wichtige Alternativen - und was die Torquote beider Spieler betrifft, muss für etwa 90 der von Aldekerk bisher geworfenen rund 400 Tore Ersatz gefunden werden. Das dürfte insbesondere in den Begegnungen, die auf Augenhöhe verlaufen und in der Schlussphase, der sogenannten "Crunchtime", entschieden werden, für den ATV nicht so einfach werden. Einen bedeutenden Teil der zu ersetzenden Aldekerker Tore sollte Thomas Jentjens übernehmen können, der es bisher auf für ihn unterdurchschnittliche 41 Tore gebracht hat. Ihm wäre es zu wünschen, wenn er seine Ladehemmung in der für seine Mannschaft am Samstagabend beginnenden zweiten Saisonhälfte ablegen könnte.

So erfreulich der Tabellenplatz der Aldekerker ist, er darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass zwischen dem sechsten Platz und dem letzten sicheren Platz in der Tabelle, den derzeit TuSEM Essen II belegt, nur drei Punkte liegen. Auf den ersten Abstiegsplatz, den momentan die Zweitliga-Reserve der HSG Neuss/Düsseldorf einnimmt, sind es aus Aldekerker Sicht sechs Punkte. Mit anderen Worten: das Polster auf die prekäre Zone ist kein Ruhekissen.

Mit welchen harten Bandagen in dieser Region ums Überleben gekämpft wird, werden die Aldekerker am Samstagabend in der Vogteihalle spüren. Zu Gast sind die Wölfe Nordrhein, die mit einem ausgeglichenen Punktekonto zwei Plätze hinter dem ATV rangieren und auf jeden Punkt angewiesen sind. Auf ihrem Auswärtskonto stehen drei Siege und vier Niederlagen bei einer Tordifferenz von minus sechs. Von daher gab es wenige Spiele, die die Rheinhausener hoch verloren haben. Die höchste Pleite in fremder Umgebung kassierten die Wölfe bei der SG Ratingen mit 23:32 - eine Niederlage, die sie dann aber mit dem 31:20-Sieg beim Bergischen HC II bilanztechnisch wettmachten.

Das erste Zusammentreffen des TV Aldekerk mit den Wölfen in dieser Saison endete 23:23. Nach 14 Minuten in diesem Spiel liefen die Grün-Weißen einem 1:8-Rückstand her, verringerten den Rückstand bis zum Seitenwechsel auf 10:12 und lagen sieben Minuten vor dem Ende sogar mit drei Toren in Führung. Erschwerend kam in diesem Spiel dazu, dass Aldekerks Abwehrchef Jonas Mumme bereits nach fünf Minuten disqualifiziert wurde. Nach der schwachen Anfangsphase stellten sich die Aldekerker auf ihren Gegner im Angriff (Kreisläufer Sebastian Schneider und Top-Shooter Julian Kamp) wie in der Abwehr (unbequeme 6:0-Deckung) immer besser ein und verdienten sich am Ende einen Punkt.

Es ist kaum anzunehmen, dass das zweite Duell in der laufenden Saison zwischen Aldekerk und den Wölfen einen anderen Zuschnitt erhält. Wobei der ATV sich allerdings diesmal einen Gefallen tun würde, wenn er die Handballer um Trainer Thomas Molsner nach dem Anpfiff nicht wieder weit enteilen ließe und den Kampf in diesem immer wieder jungen Nachbarschaftsduell sofort mutig und konzentriert annehmen würde.

(RP)
Mehr von RP ONLINE