Ausnahmetalent an der Pfeife Auf den Spuren von Guido Winkmann

Kerken · Marten Kaufels vom TSV Nieukerk ist das größte Schiedsrichter-Talent im Kreis Kleve. Der 23-Jährige hat den Aufstieg in die Oberliga und die A-Junioren-Bundesliga geschafft. Sein großes Vorbild trifft er ab und an beim Einkaufen.

Marten Kaufels vor dem Wappen seines Heimatvereins TSV Nieukerk, der stolz auf den jungen Schiedsrichter ist.

Marten Kaufels vor dem Wappen seines Heimatvereins TSV Nieukerk, der stolz auf den jungen Schiedsrichter ist.

Foto: Norbert Prümen

Sein großes Vorbild sieht Marten Kaufels nicht nur im Fernsehen, wenn Guido Winkmann als Videoschiedsrichter im Kölner Keller in Erscheinung tritt. „Man sieht sich gelegentlich auch im Dorf, allzu weit wohnt Guido Winkmann nicht entfernt. Er ist natürlich jemand, zu dem man hochschaut“, sagt der 23-jährige Nieukerker, der als Aushängeschild der Schiedsrichter-Ausbildung im Kreis Kleve gilt. In diesem Sommer gelang ihm der Aufstieg in die Senioren-Oberliga und in die A-Junioren-Bundesliga.

„Die vergangene Saison lief sehr gut, die Beobachter haben mir nach den Spielen immer starke Rückmeldungen gegeben. Zur Halbzeit lag ich dann auf Platz eins der Unparteiischen, und diesen Rang habe ich verteidigt. Dieser Aufstieg ist das Ergebnis harter Arbeit“, sagt der junge Kerkener.

„Die Chance, in der A-Jugend-Bundesliga zu pfeifen, ist wirklich gering. Das wollen viele junge Schiedsrichter in Deutschland, die Konkurrenz war also groß“, sagt Kaufels. Doch er überzeugt seit Jahren auf den Fußballplätzen der Region, seit 2015 ist der Youngster als Unparteiischer unterwegs. Zuletzt stand er in der fünfthöchsten deutschen Spielklasse bei der Partie des 1. FC Monheim gegen TuRU Düsseldorf auf dem Platz, auch Heimspiele der U19-Junioren von Fortuna Düsseldorf, Schalke 04 und des 1. FC Köln hat er geleitet. Und zeigte dabei souveräne Vorstellungen.

Nur zwei Schiedsrichter aus dem Fußball-Verband Niederrhein (FVN) dürfen in der laufenden Saison Spiele in der höchsten Nachwuchsklasse leiten. Marten Kaufels ist der einzige aus dem Kreis Kleve. „Der Unterschied zwischen der Landesliga und der Oberliga ist überraschend groß. Alles geht einen Tick schneller, und teilweise kommt man schon in richtig moderne Stadien“, sagt Marten Kaufels, der den Oberligisten 1. FC Kleve nicht pfeifen darf, weil er aus der Region stammt.

Noch eindrucksvoller aber seien die Platzanlagen der Bundesliga-Klubs in der Staffel West. „Das ganze Drumherum bei den A-Junioren ist professionell. Es ist eine Ehre, dort als Schiedsrichter aktiv sein zu dürfen“, so der junge Mann, der eine Ausbildung zum Groß- und Außenhandelskaufmann absolviert hat und nun als Einkäufer beim Blumengroßhandel Landgard in Gel­dern-Lüllingen tätig ist.

Die Wochenenden aber gehören zuvorderst der Schiedsrichterei. Ein aufwendiges Hobby. „Ich komme in Nordrhein-Westfalen ganz schön herum“, so der Youngster. Als Belohnung für sein Engagement erhielt Kaufels nun von seinem Heimatverein ein modernes Headset. „Damit kann ich noch unkomplizierter mit meinen Assistenten kommunizieren. Ich muss mich sowieso für die Rückendeckung und Unterstützung des TSV Nieukerk bedanken“, so der junge Unparteiische.

Neben Guido Winkmann hat Marten Kaufels in Deniz Aytekin noch ein weiteres Vorbild. Der Bundesliga-Schiedsrichter, der im Sommer seine internationale Laufbahn beendete, um jüngeren Kollegen eine Tür zu öffnen, gilt seit Jahren als einer der besten Regelhüter in Deutschland. Deniz Aytekin hat sich auch als Meinungsmacher einen Namen erarbeitet, so verteidigt er leidenschaftlich den Videobeweis. „Deniz Aytekin bringt eine bemerkenswerte Persönlichkeit mit, er hat auf und neben dem Platz eine hohe Präsenz“, erklärt Marten Kaufels.

Der Schiedsrichter gibt sich trotz der Erfolge selbstkritisch. In diesen Monaten arbeitet der 23-Jährige insbesondere an der Vorbereitung von Partien, intensiv steigt er in die Analyse ein. „Es gibt nämlich noch einige Dinge, die ich besser machen will und muss, gerade mit Blick auf das Stellungsspiel“, sagt Kaufels. Besonders stark sei unterdessen bereits das Spielverständnis ausgeprägt. „Ich habe seit dem Bambini-Alter selbst Fußball gespielt. Daher habe ich ein recht gutes Gefühl dafür, wie Zweikämpfe bewertet werden müssen. Ich kann erkennen, wann die Jungs spielen wollen, und wann sie gerne ein Foul ziehen möchten“, sagt Kaufels.

Der Kerkener träumt davon, irgendwann bei den Profis zu pfeifen. Bis dahin ist es noch ein weiter Weg. Erst einmal soll es in die Vierte Liga gehen, wo bereits Lars Aarts vom SV Asperden im Einsatz ist. „Das nächste Ziel ist der Aufstieg in die Regionalliga. Für diese Saison habe ich mir das Ziel gesetzt, im oberen Viertel der Oberliga-Schiedsrichter zu landen“, sagt Marten Kaufels.

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