Rennsportler Nico Nünninghoff kommt aus Kerken

Rennsport : Aus Kerken auf die Kartbahn

Der Schüler des Berufskollegs Geldern, der seit diesem Jahr für den Kartverein AC Oberhausen an den Start geht, wurde NRW-Meister.

(RP) Nico Nünninghoff, der 16-jährige Schüler aus Kerken, hat sich in diesem Jahr für die Teilnahme an gleich zwei deutschen Motorsport-Meisterschaften qualifiziert und bereits jetzt drei Meisterschafts-Titel sicher. Der erfolgreiche Kart-Slalom-Pilot, der mittlerweile im elften Jahr den Sport ausübt, verteidigte zunächst erfolgreich seinen Meistertitel in der Stadtmeisterschaft Oberhausen (SMO), den er zum dritten Mal in Folge gewinnen konnte, bevor er die Qualifikationsmeisterschaften auf Regional- und Landesebene in Angriff nahm. Der Schüler des Berufskolleg Geldern, der seit diesem Jahr für den Traditionsverein AC Oberhausen an den Start geht, ließ auf seinem Weg zu den deutschen Meisterschaften nichts anbrennen.

Der Aufstieg in die Altersklasse fünf bedeutete zunächst erneut, dass Nico sich den älteren und erfahreneren Mitbewerbern stellen musste. Mit seinem vorzeitigen Gewinn der ADAC Nordrhein Meisterschaft gelang ihm dann nicht nur die Verteidigung seines Meisterschaftstitels aus 2018, sondern auch die Qualifikation zur Teilnahme an den Finalläufen der NRW-Meisterschaft der Motorsport Jugend des Motorsportverband NRW. Zuletzt dann folgte der Show-Down im ADAC Fahrsicherheitszentrum Haltern am See. Um den Titel des NRW-Meisters fuhren die 32 besten Fahrer aus Nordrhein-Westfalen, um sich gleichzeitig auch für die deutsche Meisterschaft zu qualifizieren.

„Das war eine Regenschlacht und ein Herzschlagfinale“, sagt Vater Marko Nünninghoff und fügt an: „Nico startete mit Start Nr. 29 von 32 ziemlich zum Schluss und durfte sich nicht von den Zeiten der anderen irritieren lassen. Das ist bei dem hohen Leistungsstand der Nachwuchspiloten schwer, die Ruhe zu bewahren. Sie können bereits sehr gut einschätzen, was machbar ist und was nicht.“ Nico war trotz der hohen psychischen Belastung zuversichtlich: „Nach Lauf eins hatte ich bereits 1,5 Sekunden Rückstand auf den Führenden und belegte nur Platz sechs. Doch ich wusste, da geht noch mehr. Im zweiten Lauf analysierte ich von außen jeden Streckenabschnitt und schaute mir die anderen Fahrer an. Daraufhin änderte ich in meinem nächsten Lauf die Bremspunkte und fuhr an den Schlüsselstellen eine andere Linie. Das brachte richtig Ruhe ins Kart. Manchmal ist eben weniger mehr.“ Mit fast genau einer Sekunde Vorsprung vor dem Rest des Feldes konnte Nico Nünninghoff in der Gesamtwertung zum Schluss das Finale gewinnen und nach 2014 zum zweiten Mal den NRW Meister Titel nach Kerken holen.

Aber nicht nur der Kart-Slalom stand in diesem Jahr auf dem Programm, sondern auch der Automobil-Slalom der Slalom Youngster beim ADAC Nordrhein, als Qualifikationsmeisterschaft für die NRW- sowie die deutsche Meisterschaft. Da Nico Anfang des Jahres erst 15 Jahre alt war und noch keinen Führerschein hat, benötigte er neben der nationalen C-Fahrerlizenz des DMSB auch eine Zusatzlizenz. Also den Nachweis, dass er das Sportgerät beherrscht und die Sondergenehmigung, an allen nationalen Slalomveranstaltungen des DMSB teilnehmen zu dürfen. Hierzu musste Nico nicht nur einen Sichtungslehrgang und Prüfungen bei den Motorsport Instruktoren des ADAC Nordrhein bestehen, er musste auch an drei Wochenenden erfolgreich die erforderlichen Trainingstage im Rennwagen absolvieren. Im Mai war es dann soweit: Die Lizenzen und die Zulassung zur Meisterschaft lagen vor. Von Mai bis September nahm Nico dann die zehn Rennveranstaltungen des ADAC Nordrhein in Angriff.

„Oftmals habe ich Samstag im Slalom Auto gesessen, bin zwei Rennen gefahren und habe dann am nächsten Tag wieder ein Kartrennen gehabt“, so der Nachwuchsrennfahrer. Auch bei den Slalom Youngstern war Nico als Rookie einer der Jüngsten. „In der ersten Klasse starten die Geburtsjahrgänge der 16-18-jährigen. Die meisten haben bereits einen Führerschein und viel mehr Erfahrung im Autofahren. Das war von Beginn an eine große Herausforderung und mein Ziel war es, in meinem ersten Jahr einfach nur Erfahrungen zu sammeln. Ich habe keinen Trainingsplatz, um mit dem Auto richtig zu üben, so dass ich auf die Rennveranstaltungen zum Training angewiesen bin.“ Was Nico im Auto dann umsetzen konnte, sah man bereits am ersten Rennwochenende: Platz zwei im zweiten Rennen ließen die Hoffnungen für die Saison steigen. Mit vier Top-Ten- Platzierungen und einem Sieg beendete Nico seine ersten ADAC Nordrhein Meisterschaft dann nicht nur mit einem hervorragenden sechsten Platz, er qualifizierte sich sogar auf Anhieb zu den Finalen NRW Meisterschaftsläufen. „Mit diesem Ergebnis haben wir überhaupt nicht gerechnet. Umso erfreuter war ich, dass ich noch ein Rennwochenende dranhängen konnte.“ Beim NRW Finale kamen die 50 besten Nachwuchsfahrer aus NRW nach Harsewinkel ins Emstalstadion. Dort wurden den Teilnehmern durch den ADAC drei verschiedene Rennwagen zur Verfügung gestellt. Alle Teilnehmer mussten mit jedem Auto einen Trainingslauf und einen Wertungslauf absolvieren. Die Summe der Fahrzeiten aller Wertungsläufe und die Strafzeiten ergaben dann die Gesamtwertung. Zwei Rennwagen waren Nico hierbei völlig unbekannt.

Lag Nico nach Wertungslauf eins noch auf Platz 21 kämpfte er sich von Lauf zu Lauf an die Spitze. Nach Lauf zwei ging es für ihn in der Gesamtwertung auf Platz zehn und durch eine weitere Top Zeit und drei fehlerfreien Läufen konnte Nico die NRW Meisterschaft mit Platz fünf für sich beenden. „Gerade die Unterstützung des AC Oberhausen hat mir sehr geholfen, meine Ziele dieses Jahr zu erreichen. Auch laufen die Planungen für die Zukunft auf Hochtouren. Wehmut kommt ein wenig auf, weil der erste Vorsitzende meines neuen Vereins, der mich und den gesamten Motorsportnachwuchs beim ADAC Nordrhein jahrelang unterstützt hat, und sich auch für meine Aufnahme in den AC Oberhausen eingesetzt hat, im August verstorben ist und mich auf meinem weiteren Weg nicht mehr begleiten kann. Die enge Verbundenheit meines neuen Vereines zum Tourenwagensport und zur Nürburgring Nordschleife stimmen mich dennoch zuversichtlich“, sagt Nico Nünninghof. Weiter legt er dar: „Ich sitze im Simulator, seit ich denken kann, ich habe dort das Autofahren, kuppeln und schalten gelernt. Meine Fortschritte im eSport Sektor führten im Mai 2019 bereits dazu, dass ich in den Nachwuchskader des Williams F1 / JIM-eSports Team aufgenommen wurde.“

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