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René Baude erläutert seine Ideen für den Landesstützpunkt

Interview mit René Baude : „Das Trainingspensum der Sportinternate erreichen“

Der Coach der Frauen-Reserve und weiblichen A-Jugend des ATV hat eine Vision für den Handball-Standort Aldekerk und die Region.

Seit dem Sommer 2018 ist der Aldekerker TV eines von insgesamt zehn Landesleistungszentren des LSB NRW und steht damit in einer Reihe mit Vereinen wie Borussia Dortmund, TuSEM Essen, VfL Gummersbach oder Bayer Leverkusen. Nach Ansicht des sportlichen Leiters René Baude ist das nur der erste Schritt.

Herr Baude, der ATV ist seit rund einem halben Jahr als Landesleistungsstützpunkt Teil des Programm „Leistungssport 2020 – Förderung von Eliten und Nachwuchs in NRW“. Was bedeutet das?

BAUDE Landesleistungsstützpunkte sind vom LSB NRW und dem Sportministerium NRW gemeinsam anerkannte Trainingseinrichtungen der Landesfachverbände, in denen ein qualitativ hochwertiges vereinsübergreifendes Training für Landeskader im Einzugsgebiet eines leistungsstarken Vereins regelmäßig und dauerhaft stattfindet. Sie sind Bestandteil des Netzwerkes der Förderung im Leistungssport von der Vereins- bis zur Bundesebene.

Welche Aufgabe haben diese Stützpunkte?

BAUDE Vor dem Hintergrund neuer und größer werdender Herausforderungen im Leistungssport müssen wir in Deutschland neue Wege zur Förderung des Nachwuchsleistungssports beschreiten. In den Stützpunkten kümmern sich A-Lizenz-Trainer um eine qualifizierte Ausbildung der Nachwuchstalente. Die Konzepte für den Spitzensport werden im Zusammenwirken von LSB, Sportfachverbänden, Landesregierung, Kommunen, Wissenschaft und Wirtschaft abgestimmt. Ziel ist, sich auf hoffnungsvolle Talente zu konzentrieren.

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Sie sind sportlicher Leiter des Stützpunktes. Welche Qualifikation bringen ausgerechnet Sie dafür mit?

BAUDE Ich habe 27 Jahre Erfahrung als Trainer, meine A-Lizenz habe ich vor 13 Jahren gemacht. Ich konnte in dieser Zeit zahlreiche Damen- und Jugendteams in hohen Ligen betreuen. Neben meiner Tätigkeit beim ATV, beim HVN und WHV bin ich Teil des Trainerpools und Botschafter von CommEvent Management, das Unternehmen hinter handball-camp.de und den entsprechenden Angeboten. Dafür richte ich Handball-Trainingscamps für neun- bis 14-jährige Jugendliche aus.

Wie sieht die Arbeit in Aldekerk konkret aus?

BAUDE Zunächst einmal finden wir mit der neuen Sporthalle und dem von da aus fußläufig erreichbaren, kooperierenden Fitnessstudio „Fitnesspunkt“ ideale Voraussetzungen. Unsere vom Westdeutschen Handballverband und dem LSB finanzierten Trainer werden durch das sportlich versierte Team des Studios im Bedarfsfall perfekt ergänzt. Wir haben hier mit drei Talentsichtungsgruppen in der Grundschule und Gesamtschule sowie im Gymnasium Mülhausen in Grefrath begonnen. In allen drei Schulen betreuen wir eine Handball-AG für Schüler, die noch nicht in einem Verein spielen sollten. In den weiterführenden Schulen haben wir in den fünften Klassen begonnen.

Das allein macht ja noch keine Handballtalente. Wie soll es denn damit weiter gehen?

BAUDE Ziel ist, in der siebten Klasse eine Sportklasse aus den talentiertesten Jugendlichen zu bilden, deren Stundenplan neben dem normalen Sportunterricht drei Stunden Handball pro Woche vorsieht. Wenn diese dann noch das normale Vereinstraining mitmachen und in die HVN-Gruppen integriert sind, kommen wir an die sieben bis acht Trainingseinheiten pro Woche heran, die Sportinternate wie in Dortmund bieten.

Die Talente spielen in der Regel doch in unterschiedlichen Vereinen. Ist es da überhaupt möglich, ein konkurrenzfähiges „Regionalteam“ zu bilden?

BAUDE Für das leistungsorientierte Training im Jugendbereich müssen die Vereine in der Region in Zukunft über die eigene Kirchturmspitze hinaus denken und arbeiten. Darum sind die Förderprogramm dazu ja auch auf Landesebene angesiedelt. Qualitativ hochwertige Spielerinnen und Spieler werden weniger. Statt sich diese gegenseitig abzuwerben, sollte man hier zusammenarbeiten, um so ein deutschlandweit konkurrenzfähiges Leistungsniveau zu halten. Dafür ist der Leistungsstützpunkt in Aldekerk eine gute Voraussetzung. Hier wie im HVN-Auswahltraining geht es darum, die beste Auswahl und beste Platzierung im deutschlandweiten Vergleich aufzustellen. Es gilt, im Mannschaftsgefüge zu trainieren und nicht nur ausschließlich für den Erfolg von Einzelspielerinnen. Auch hier müssen mittelfristig gemeinsame Wege gegangen werden.