Fußball : Reif für den Titel

Fußball-Oberliga: Der Tabellenführer SV Straelen trifft am Sonntag auf den Absteiger VfR Fischeln. Mit einem Sieg kann Grün-Gelb den Durchmarsch in die Regionalliga endgültig klarmachen. Die Begegnung wird um 15 Uhr angepfiffen.

Es ist eines dieser Spiele, in denen es eigentlich nur etwas zu verlieren gibt. Fußball-Oberligist SV Straelen tritt am Sonntag um 15 Uhr gegen den VfR Fischeln an. Der Gegner besitzt bereits Planungssicherheit für die nächste Saison. Der Abstieg ist perfekt. Anders sieht es beim SVS aus. Die Elf von Trainer Marcus John ist Tabellenführer und steigt bei einem Erfolg in die Regionalliga auf. Angesichts dieser Konstellation wäre alles andere als ein Sieg des SVS mit historischer Pleite wohlwollend formuliert. Ebenso historisch wäre es auch, wenn an der Römerstraße demnächst Regionalliga-Fußball gespielt wird. Die Meisterschaft wäre aus einem weiteren Grund bemerkenswert. Der zweite Aufstieg in Folge auf diesem Niveau ist nicht alltäglich. Die Chance wird sich nicht jedes Jahr bieten. Vielleicht sogar nie mehr. Der SVS kann so viel verlieren - aber eben auch gewinnen. Allein die Vorstellung der Grün-Gelben am vergangenen Sonntag in Düsseldorf lässt zumindest dezente Bedenken aufkommen, ob alles wie geplant abläuft. Erst als die Elf gegen den SC West in der zweiten Halbzeit auf Normalbetrieb umschaltete, wurde die Partie gewonnen.

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Vor der morgigen Entscheidung ist SVS-Trainer Marcus John weit davon entfernt, allein über die Höhe des Sieges nachzudenken. Warum auch? "Unsere Ausgangslage ist in der Tat sehr gut", so John, "und ich möchte im Moment auch mit keiner anderen Mannschaft in der Liga tauschen." Das reicht zur Beschreibung der Situation vor dem Spiel. Es besteht keine Notwendigkeit, sich zu weit aus dem Fenster zu lehnen. Ebenso angenehm ist es, dass John nicht damit beginnt, die große Qualität des Gegners hervorzuheben. Nicht wenige Trainer beschreiben in so einer Situation detailliert die Vorzüge des Absteigers, der "frei aufspielen kann".

Die Tabellensituation spricht eindeutig für Straelen. Aber nicht nur die. Die Gäste aus dem Krefelder Stadtteil werden nicht mit ihrem besten Kader zur Römerstraße reisen. Neben ein paar Akteuren wird zudem auch Cheftrainer Josef Cherfi fehlen. Er sei verhindert, so die offizielle Begründung. Für ihn steht Dennis da Silva Félix in der Coachingzone. Die Luft sei für seine Mannschaft raus, so der Co-Trainer der Fischelner. Doch damit anschließend keiner seiner Mannschaft einen Vorwurf macht, nicht vollen Einsatz gezeigt zu haben, erklärt er: "Dennoch werden wir alles geben, um uns anständig aus der Liga zu verabschieden." Grund für den übersichtlichen Kader des Gastes ist dessen Verletzungspech. Mit vielen A-Jugendlichen aus der Niederrheinliga wolle man auflaufen. Die Jungs seien gut, einige werden zu Oberliga-Vereinen wechseln.

Die gute Ausgangsposition vor dem finalen Spieltag hat sich der SVS durch den 2:1-Sieg bei Düsseldorf-West selbst erarbeitet. Aber ohne den Beitrag des VfB Homberg sähe die Situation anders aus. Der holte gegen den härtesten Konkurrenten der Straelener im Aufstiegskampf, der SpVg. Schonnebeck, ein 2:2-Unentschieden. Die Schonnebecker Mannschaft wird von Dirk Tönnies (44) trainiert. Knapp eine Woche nach dem Betriebsunfall in Homberg ruht er in sich selbst. Von großem Frust ist äußerlich nichts zu spüren. Sicherlich, so Tönnies, wäre man gerne noch Tabellenführer. Seine Mannschaft hätte in Homberg auch gut gespielt, Homberg aber auch.

Die Chance am letzten Spieltag, den SV Straelen noch abzufangen, beziffert er mit weniger als 20 Prozent. "Straelens Selbstbewusstsein ist groß. Da müsste schon einiges passieren, damit das noch schief geht. Zunächst geht es darum, gegen Baumberg zu gewinnen. Dann dürfen wir nach Straelen gucken", sagt Tönnies.

In der Szene wird hinter vorgehaltener Hand die Nachricht gehandelt, der SVS soll dem VfB Homberg einen finanziellen Anreiz für eine besonders engagierte Leistung gegen Schonnebeck geboten haben. Tönnies sagt dazu: "Ich kann das nicht belegen. Aber dagegen ist ja auch überhaupt nichts einzuwenden. Wenn einer jedoch Geld gibt, damit der Gegner absichtlich verliert, dann schon."

An seiner Taktik lässt SVS-Coach Marcus John keine Zweifel aufkommen. Die sieht ebenso einfach aus, wie sie Sinn macht. Er will den Gast aus Krefeld von Beginn an unter Druck setzen. Die Chance, ein gutes Spiel zu sehen, besteht demnach auch. Doch ist das in einer derartigen Partie zweitrangig. Hier geht es darum, zu gewinnen. Egal wie. Die Mannschaft kann morgen zeigen, dass sie reif ist für den Titel.

Hinweis: Vereinsmitglieder haben zum Spiel freien Eintritt. Am Ende der Römerstraße wird ein Behelfsparkplatz eingerichtet. Straelener Bürger werden gebeten, möglichst mit dem Fahrrad oder zu Fuß zu kommen.

(jan)