Reitsport Das Traum-Duo im Dressur-Viereck

Geldern · Para-Reiterin Regine Mispelkamp aus Geldern und ihr Highlander Deligth’s sind mit zwei Medaillen von der Europameisterschaft zurückgekehrt. 2024 geht’s zu den Paralympics nach Paris – danach lockt Los Angeles.

 Auf Schritt und Tritt ein eingespieltes Team: Die Gelderner Dressurreiterin Regine Mispelkamp mit ihrem Erfolgspferd Highlander Delight’s.

Auf Schritt und Tritt ein eingespieltes Team: Die Gelderner Dressurreiterin Regine Mispelkamp mit ihrem Erfolgspferd Highlander Delight’s.

Foto: Heinz Spütz

Nach einer Durststrecke von acht Jahren haben die deutschen Para-Dressurreiter wieder Erfolge bei einer Europameisterschaft feiern dürfen. Sieben Medaillen lautet die erfreuliche Bilanz der Titelkämpfe, die jetzt in Riesenbeck am Rande des Teutoburger Waldes ausgetragen wurden. Zu diesem Triumph beigetragen hat Regine Mispelkamp aus Geldern-Hartefeld. Im Sattel von Highlander Delight’s sicherte sie sich in der Einzelwertung die Bronzemedaille. Mit der Mannschaft durfte sie ebenfalls aufs Podium und die Silbermedaille in Empfang nehmen. Ein kleiner Fehler ihres elfjährigen Wallachs in der Kür kostete am Abschlusstag der Europameisterschaft Medaille Nummer drei.

Seit mittlerweile 21 Jahren messen sich die Dressurreiter mit Behinderung bei Europameisterschaften. In dieser Zeit hat sich die Sportart rasant entwickelt. Deutschland war erstmals Gastgeber des Championats. Die gebürtige Heilbronnerin Regine Mispelkamp zog schon früh mit ihrer Familie nach Duisburg, wo ihr Vater eine Firma leitete. Sie schloss sich dem Reiterverein Seydlitz in Kamp-Lintfort an und hatte zudem auf dem Gut Saalhoff ihren Turnier- und Ausbildungsstall. Seit fünf Jahren lebt die erfolgreiche Sportlerin in Hartefeld und trainiert in einem Reitstall inklusive Halle am Berkmannsgraben, zwischen Vernum und Nieukerk gelegen.

Als Pferdewirtschaftsmeisterin bildet sie die Vierbeiner aus und trainiert ihre Kunden im Umgang mit den Tieren. „Das kann in meiner Reithalle passieren, aber genauso gut mache ich auch Hausbesuche“, erklärt sie. Vor etwa 20 Jahren erhielt sie die Diagnose Multiple Sklerose, behielt diese Krankheit jedoch lange für sich und betrieb trotz starker Sensibilitätsstörungen weiter Leistungssport. Gerade einmal fünf Jahre ist es her, dass Regine Mispelkamp den Mut fand, ihre Erkrankung öffentlich zu machen und zu den Para-Reitern zu wechseln. „Das war wie eine Erlösung für mich, weil ich mich nicht mehr hinter meiner Krankheit verstecken musste“, sagt die 52-jährige Reiterin.

Die Europameisterschaft war in diesem Jahr der absolute sportliche Höhepunkt. Speziell vorbereiten mussten sich Mispelkamp und ihr Erfolgspferd nicht auf dieses Großereignis. „Pferd und Reiter sind das ganze Jahr über auf einem hohen Level, das immer wieder hoch- und runtergefahren wird“, sagt die Geldernerin, die sich mit der deutschen Mannschaft bereits für die Paralympics in Paris im nächsten Jahr qualifiziert hat. Erst in einigen Monaten wird sich entscheiden, ob Regine Mispelkamp außerdem für den Einzelwettbewerb nominiert wird. Doch bereits jetzt spricht einiges dafür, dass das Deutsche Olympiade-Komitee für Reiterei (DOKR) der aktuellen Nummer zwei der Weltrangliste das Vertrauen schenken wird.

Mit den Erfolgen bei der EM in Riesenbeck hatte die Geldernerin im Vorfeld nicht unbedingt gerechnet. „Natürlich kennt man die Konkurrenz und weiß genau, was einen erwartet. Der Gewinn der Silbermedaille mit dem Team ist ebenso überraschend wie überragend“, sagt sie. Die ehrgeizige Sportlerin hat sich noch einiges vorgenommen. Die Olympischen Spiele in Paris stehen praktisch schon vor der Tür. Danach lockt das nächste Traumziel. Mispelkamp: „Ich werde alles dafür tun, um mit Highlander Delight’s auch 2028 bei den Paralympics in Los Angeles an den Start gehen zu dürfen.“

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