Peter Lüfkens: Der erste "Manager" des SV Straelen

Vereine und Verbände : Echter „Stroelse“ mit grün-gelbem Herz

Bereits seit 60 Jahren ist Peter Lüfkens für den Jubilar im Einsatz. Mit einer Jugendfreundschaft fing alles an.

Peter Lüfkens ist auf dem Bauernhof seiner Eltern in Straelen aufgewachsen und kann stolz von sich behaupten: “Ek ben enne Stroelse.“ Vor mittlerweile 60 Jahren lockte ihn sein Klassenkamerad Hermann Tecklenburg zum Sportplatz des SV Straelen – damals waren die beiden Jungs gerade einmal elf Jahre alt. Seine aktive Zeit begann in der Schüler-Mannschaft, der heutigen C-Jugend. Im Seniorenbereich trat er als Stammspieler der zweiten Mannschaft auf der rechte Seite gegen den Ball.

Wenn Not am Mann war, wurde er in die „Erste“ berufen. Mit 30 Jahren schloss er sich wie viele seiner Sportkameraden den Alten Herren an und hing erst mit 50 Jahren die Fußballstiefel an den Nagel. „Wenn ich so nachdenke, war die Zeit bei den Alten Herren für mich die schönste“, erzählt er, „wir kannten uns alle von Kindheit an und haben uns nicht nur zum Fußball spielen getroffen. Da sind richtige Freundschaften entstanden. Wir haben privat viel unternommen und nicht viel ausgelassen – aber die Frauen durften immer mit.“

Nur Altherren-Fußball war ihm damals zu wenig. Also kümmerte er sich um die Belange der zweiten Mannschaft. Damals hieß es noch Betreuer, aber er hat den Job schon zu jener Zeit sehr modern im Stile eines echten Managers interpretiert. „Wir sind von der Kreisliga A bis in die Niederrheinliga aufgestiegen. Und da kam es auch mal vor, dass man in fremden Revieren wildern musste“, sagt er mit einem Schmunzeln und nennt Namen wie Lindemann, Frenzen, Heckes oder Feddema.

In diesem Zusammenhang bringt er seinen Freund Norbert Peters ins Spiel, der zu dieser Zeit Fußball-Obmann war: „Von ihm haben wir immer die volle Unterstützung bekommen, sonst wäre das alles gar nicht möglich gewesen.“ Gerne erinnert er sich der Vater zweier Söhne an den Aufstieg in die Landesliga zurück: „Das war vor etwa 20 Jahren. Ich hatte ein großes Festzelt und Live-Musik organisiert und mich um Sponsoren gekümmert. Mitten auf dem Platz stand das Zelt. 800 Leute waren bestimmt da. Bürgermeister und Stadtdirektor natürlich auch. Das war die Geburtsstunde der berühmt-berüchtigten „Grün-Gelben-Nacht.“ Ganz eng verbindet er die Landesligazeit an erster Stelle mit den Namen Stefan Post, aber auch mit dem Aufstiegstrainer Horst Kucharz und Frank Goldau, der als Spieler aus Wachtendonk gekommen war. „Das sind richtige Freunde geworden, das habe ich dem Sport zu verdanken.“

Die Aufstiege sind für den fünffachen Großvater unvergesslich. Aber der letzte Aufstieg in die Niederrheinliga war mit einem persönlichen Dämpfer verbunden. „Es hat mich, obwohl ich damit gerechnet hatte, gewurmt, dass die Erste uns dann beide Trainer, Horst Kucharz und Stefan Post, und noch einige Spieler weggenommen hat“, erinnert er sich. Das war der Zeitpunkt, als er seinen Manager-Job aufgab. Nicht aus Frust, sondern auf dem Höhepunkt seiner Karriere. „Mehr hätte nicht mehr kommen können“, so Lüfkens. Ein Jahr später stieg die Mannschaft wieder ab.

Schon 1990 übernahm er den Vorsitz des Fördervereins. Und er denkt überhaupt nicht daran, die Füße hochzulegen und nichts mehr zu tun. „Damals hatte ich ja schon die 75-Jahrfeier mitorganisiert. Hermann hat mich angesprochen, ob ich das jetzt auch zu unserem 100-Jährigen mache“, sagt Lüfkens. „Und da kann man ja schlecht Nein sagen.“

Große Worte sind nicht sein Ding. „Aber gut, ich finde es schon toll, dass man nun auf uns guckt. Auch, weil die Erste in der Regionalliga spielt. Wir haben die Gegend hier am Niederrhein und die Stadt Straelen bekannter gemacht.“ Lüfkens macht kein Geheimnis daraus, dass in seiner Brust zwei Fußballherzen schlagen. Eins natürlich im grün-gelben Rhythmus. Und das andere für den 1. FC Köln. Welches von beiden lauter pocht, will er nicht verraten.

Bei aller Begeisterung für den SV Straelen äußert er sich auch kritisch, denn die Entwicklung des Jugendfußballs in seinem Verein geht ihm gegen den Strich: „Uns brechen doch alle guten Jugendlichen weg. Wir müssen wieder unsere eigenen Straelener Kinder bei uns spielen lassen und nicht Kinder oder Jugendliche von anderen Vereinen abwerben. Wenn jemand freiwillig von einem anderen Verein bei uns spielen will, ist es ja in Ordnung.“

„Und noch was möchte ich sagen“, und beendet mit diesem Satz das Gespräch, weil das Mittagessen auf dem Tisch steht und anschließend ein Mittagsschläfchen auf ihn wartet. „Über Hermann kann von mir aus jeder sagen, was er will. Klar hat er Ecken und Kanten – aber wenn man Probleme hat, kann man zu jeder Zeit zu ihm gehen. Er hat für jeden ein offenes Ohr und versucht zu helfen.“

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