Oberliga: Der SV Straelen gastiert bei der SSVg. Velbert

Fußball-Oberliga : Straelens Wiedersehen mit Marcus John

Der Oberliga-Klassenprimus SV Straelen gastiert am Sonntag, 14.30 Uhr, bei der selbstbewussten Sport- und Spielvereinigung Velbert. Dort steht Straelens Ex-Trainer Marcus John an der Seitenlinie. Und das äußerst erfolgreich.

Marcus John hat als Übungsleiter des Sportvereins Straelen einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Die Kicker aus der Blumenstadt führte er im Saisonendspurt 2017/2018 in die Regionalliga und legte auch in der vierthöchsten deutschen Spielklasse einen furiosen Start hin. In der Rückrunde aber ging den Straelenern die Luft aus, weshalb SV-Präsident Hermann Tecklenburg den Übungsleiter im März dieses Jahres entließ. Und dennoch: Wer heute im Umfeld der Römerstraße über Marcus John spricht, hört vorrangig Gutes. Der 45-Jährige sei ein akribischer Arbeiter gewesen, einer, der die Mannschaft mitreißen konnte, einer der auch während des Negativlaufs die Nerven behielt. Dennoch entpuppte sich der Fußballzirkus in Straelen als bemerkenswert schnelllebig. Johns Nachfolgerin an der Seitenlinie wurde Trainerin Inka Grings, die den Abstieg in die Oberliga nicht verhindern konnte, die Grün-Gelben aber in eben jener Spielklasse wieder auf Kurs gebracht hat.

Nun trifft der Oberliga-Spitzenreiter wieder auf seinen Ex-Trainer John. Der nämlich steht mittlerweile bei der Sport- und Spielvereinigung Velbert an der Seitenlinie. „Straelen ist ein schwieriger Verein, das weiß man. Als ich gegangen bin, standen wir als Aufsteiger auf Tabellenplatz elf. Ich bin fest davon ausgegangen, dass wir die Liga gehalten hätten“, sagt John im Rückblick. Allerdings sei von außen Unruhe in den Verein hineingebracht worden, die zu seiner Entlassung geführt habe. „Das ist dann nun einmal das Los der Trainer“, sagt John im Gespräch mit unserer Redaktion.

Doch bei der SSVg. Velbert läuft es für ihn rund: John übernahm die Mannschaft am achten Spieltag im Tabellenkeller, sein Debüt feierte der Ex-Straelener gegen den 1. FC Kleve und verlor verdient mit 1:4. „Da konnte ich im Vorfeld nur ein Mal mit den Jungs trainieren, dann kann man auch nur wenig ausrichten“, sagt John. In der Folge aber setzten die Blau-Weißen zu einer berauschenden Siegesserie an. Die letzten vier Liga-Partien gestaltete Velbert erfolgreich, im Niederrheinpokal-Achtelfinale schaltete die John-Elf gar sensationell den Drittligisten MSV Duisburg aus. „Es läuft tatsächlich wie am Schnürchen. Wir hatten, als ich kam, das Problem, hinten zu viele Tore zu kassieren und vorne zu wenige zu schießen. Da war es anfangs besonders wichtig, die Abwehr stabiler zu gestalten, sodass wir vorne weniger Tore schießen müssen. Das ist uns sehr gut gelungen, nun stimmt die Balance“, sagt John.

Am kommenden Wochenende aber wartet die bisher schwerste Oberliga-Herausforderung auf John und seine Kicker: der längst enteilte Klassenprimus SV Straelen. „Sie sind das Maß aller Dinge. Für mich wird das natürlich ein besonderes Spiel“, sagt John. Schließlich haben die Grün-Gelben bisher erst eine Niederlage gegen Monheim einstecken müssen, ansonsten ließ das Aufgebot von Trainerin Inka Grings nicht einen einzigen Zähler liegen. „Velbert ist eine sehr disziplinierte und kompakt auftretende Mannschaft. Ich gehe von einem Geduldsspiel aus. Es wird schwer werden, sie zu knacken“, sagt Grings.

Personell ist der Status Quo an der Römerstraße mutmachend: So fallen zwar die Langzeitverletzten Fatmir Ferati und Aram Abdelkarim weiter aus, Gleiches gilt für den Südkoreaner Bo-guk Seo. Dieser bringt es bisher ohnehin erst auf einen Pflichtspieleinsatz im SVS-Trikot. Darüber hinaus aber stehen Trainerin Grings alle Kadermitglieder zur Verfügung. Zuletzt gelang dem SV ein verdienter 1:0-Erfolg gegen den TVD Velbert. Der japanische Angreifer Shun Terada hatte diesen nach dreißig Zeigerumdrehungen mit seinem 14. Saisontreffer besorgt. Im ersten Durchgang verpassten es die Blumenstädter gleich mehrfach, für die Entscheidung zu sorgen. Die zweite Halbzeit war spielerisch wenig ansprechend, die Gäste aus Velbert aber präsentierten über die gesamte Spieldauer hinweg keine brauchbare Idee, wie der Abwehrverbund des SVS zu überlisten wäre.

Für die 40-jährige Inka Grings habe die Begegnung mit Velbert ob des Aufeinandertreffens mit ihrem Vorgänger John keine besondere Dimension, nüchtern erklärt sie: „Es gehört in diesem Geschäft dazu, dass Kollegen leider gehen müssen. Ich freue mich aber sehr darüber, dass Marcus John mit Velbert wieder eine spannende Herausforderung gefunden hat.“

Velberts Trainer Marcus John stand bis März in Straelen an der Seitenlinie. Er ist sich sicher: Mit ihm wäre der SV in der Regionalliga verblieben. Foto: Heinz Spütz

In der Tat handelt es sich bei Johns Mission in der Christopeit Sport Arena um eine interessante. Schließlich sinnieren die SSVg.-Verantwortlichen bereits seit einigen Jahren von dem Aufstieg in die Regionalliga West. Mit der Realität aber hatte diese Ambition zuletzt wenig gemein. Schon im vergangenen Jahr landeten die Blau-Weißen nur auf Tabellenplatz fünf, noch enttäuschender verlief der Start in die Saison 2019/2020. Die Konsequenz: Alexander Voigt, der kürzlich ein neues Engagement beim Regionalligisten Wuppertaler SV angetreten ist, musste seinen Hut nehmen. Marcus John wurde sein Nachfolger. Dass dieser weiß, wie man die vierthöchste deutsche Spielklasse erreichen kann, hat der Übungsleiter in Straelen eindrucksvoll bewiesen.