Nils Wallrath führt den TV Aldekerk wieder in die Erfolgsspur

Handball : Chefkoch Wallrath tüftelt am Erfolgsrezept

Der TV Aldekerk serviert in der Vogteihalle schon wieder appetitliche Handball-Kost. Eine Prise Abwehrverhalten kann nicht schaden.

Das waren Worte wie ein Donnerhall. „Hugh !“, Christoph Kleinelützum, Handball-Institution und so etwas wie der Oberhäuptling des TV Aldekerk, hatte gesprochen. Und die Saison 2017/’18 als die „schlimmste und schlechteste“ bezeichnet, die er in all’ seinen Jahren beim TV Aldekerk erlebt hätte. Vielleicht hat der Verein darauf reagiert und die Reißleine gezogen. Vielleicht hat der damalige Trainer Matthias Sommer aus beruflichen Gründen freiwillig seinen Hut genommen. Egal – mitten in der Vorbereitung auf die neue Regionalliga-Spielzeit musste Nils Wallrath ran und die verunsicherte Mannschaft übernehmen. Jener Mann also, der vereinsintern nachhaltig auf sich aufmerksam gemacht hatte, indem er die Reserve der Grün-Weißen im Eiltempo von der Landes- bis hinauf in die Oberliga geführt hatte.

Selbstverständlich war dem jungen Motivationskünstler bewusst, dass er die Mannschaft zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt übernommen hatte. Das lukrative Angebot, einen gestandenen Regionalligisten zu übernehmen, konnte Wallrath dennoch einfach nicht abschlagen. Nach einem holprigen Start folgten drei Siege in Folge. Der ATV kletterte bis auf Platz vier der Tabelle. In der Mannschaft brannte ein ganz anderes Feuer. Spiellust- und -freude waren zurückgekehrt. Wallraths Plan, erst die Vogteihalle und dann das ganze Dorf hinter sich zu kriegen, schien aufzugehen.

Nach einer derben Pleite gegen Topfavorit SG Ratingen folgten drei weitere Siege – der ATV stand auf Platz zwei. Aus den noch ausstehenden vier Spielen gegen VfB Homberg, die Wölfe aus Rheinhausen, TuS Opladen und TV Rheinbach sollten durchaus realistische sechs Punkte her – magere zwei sind es am Ende nur geworden. Wallrath wurde nach der Blamage im letzten Spiel beim TV Rheinbach zum ersten Mal richtig laut in der Kabine und kündigte eine verkürzte Weihnachtspause an. Der ATV überwintert mit 15:11-Punkten auf Platz fünf in der Regionalliga Nordrhein.

Es war noch etwas mehr drin – darin sich alle Beteiligten und Kenner des Aldekerker Handballsports einig. Die Ursache ist auch schnell gefunden, weshalb der Kontakt zur Spitzengruppe zunächst abgerissen ist: Die desolate Leistung in der Abwehr. Die Mannschaft bekommt es, wie Thomas Plhak selbstkritisch formuliert, einfach nicht hin, geschlossen als Mannschaft zu verteidigen. Kapitän Jonas Mumme regte an, im Training den Schwerpunkt nicht nur auf die Defensive zu legen, um zunächst einmal wieder die Köpfe der ATV-Recken frei zu bekommen. Beide Torleute, der erfahrene Benedikt Köß und der gerade einmal 20-jährige Janik Schoemackers, ließen ihr Können zu selten aufblitzen und zeigten in ihren Leistungen keine erkennbare Konstanz.

Lichtblicke waren sicherlich die Vorstellungen von Thomas Jentjens und Rückkehrer Julian Mumme. Jentjens fand auf seiner angestammten Position im rechten Rückraum zu seiner alten Treffsicherheit zurück und erzielte an guten Tagen bis zu 13 Treffer in einem Spiel. Mumme ist die Schaltzentrale der Mannschaft und zudem mit einer ungeheueren Wurfkraft ausgestattet. Ansatzlos peitscht er ein ums andere Mal die kleine Lederkugel in die Maschen des Gegners und steht in der internen Torjägerwertung auf Platz zwei hinter Jentjens. Sein Potenzial ist bei weitem noch nicht ausgereizt.

Positive Akzente setzten Robin Appelhans und Roman Grützner bei ihren sporadischen Einsätzen in der vierthöchsten Spielklasse. Wallrath hat bereits angedeutet, dass beide Spieler bei der Kaderplanung für die neue Saison eine Rolle spielen. Noch werden beide dringend in der Oberliga-Mannschaft gebraucht, die gegen den Abstieg spielt. Überzeugen konnte bei seinem Debüt ebenfalls der 18 Jahre junge Christian Menke, der bei den A-Junioren in der Regionalliga am Kreis und im Abwehrzentrum steht. Seine Leistungen wird Wallrath auf jeden Fall intensiv verfolgen.

Der linke Rückraum, der im Handball-Lexikon auch als Königsposition auftaucht, ist im Vergleich zum Pendant auf der rechten Seite eher unterbesetzt. Da fehlt dem ATV ganz einfach ein geeigneter Spieler. Alle anderen Positionen sind nahezu doppelt und hochwertig belegt. Die beiden Top-Mannschaften SG Ratingen und TuS 82 Opladen dürften noch eine Nummer zu groß für den ATV sein. Trotz der Enttäuschungen in den jüngsten Begegnungen müssen sich die Grün-Weißen allerdings nicht verstecken. 414 Treffer in 13 Begegnungen – das ist mit Abstand Bestwert der Regionalliga. Und deutliches Indiz dafür, dass der TV Aldekerk sich endlich wieder auf jenen Handball konzentriert, der die Zuschauer von ihren Sitzen reißt. Jetzt noch ein etwas besseres Defensivverhalten. Und eine Spur mehr Cleverness. Schon könnte das Erfolgsrezept stehen, mit dem der ATV über kurz oder lang in Richtung Tabellenspitze angreifen kann.

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