1. NRW
  2. Städte
  3. Geldern
  4. Sport Geldern und Kevelaer

Nils Wallrath, Coach des TV Aldekerk, über die aktuelle Lage

Handball : Als Trainer kennt man keine Langeweile

Nils Wallrath, Trainer des Regionalligisten TV Aldekerk, hat trotz der spielfreien Zeit viel zu tun. Er macht sich Gedanken über die Leistungen seiner Akteure und mischt auch in Sachen Kaderplanung fleißig mit.

Das letzte Spiel in der Handball-Regionalliga Nordrhein fand für den TV Aldekerk am 7. März statt. Mit einer überragenden Leistung wurde die TSV Bonn mit 37:29 aus der Vogteihalle gefegt ­– danach fand der Höhenflug des ATV ein jähes Ende. Die zuständigen Handball-Verbände setzten wegen der Corona-Pandemie den Spielbetrieb aus. Der Verband Nordrhein brach die Regionalliga-Saison am Freitag offiziell ab. Die Gemeinde Kerken hatte bereits vorher die Vogteihalle gesperrt.

Zu diesem Zeitpunkt war nicht nur für ATV-Trainer Nils Wallrath ersichtlich, dass sich die Entwicklung in Sachen Corona und Sport derartig rasant entwickeln würde. Wallrath behält einen kühlen Kopf und lässt sich von dem aktuellen Geschehen rund um das Coronavirus nicht verrückt machen. „Unabhängig von der Pandemie bin ich als Trainer für die Gesundheit meiner 15 Spieler verantwortlich. Man hätte nicht von jetzt auf gleich den Spielbetrieb wieder aufnehmen können, nur, weil man die Saison zu Ende spielen will. Die Spieler hätten einen Vorlauf von mindestens drei bis vier Wochen gebraucht, andernfalls wäre das Verletzungsrisiko viel zu hoch gewesen“, sagt er.

Die Vereine in der Regionalliga würden selbst jetzt nach dem Saisonabbruch nicht oder kaum finanziellen Schaden nehmen, sagt der ATV-Coach. Diese Gefahr sieht er eher bei den Mannschaften ab der Dritten Liga aufwärts, wo professionell Handball gespielt werde und zum Teil hohe Summen fließen.

Spezielle Trainingspläne hat Nils Wallrath seinen Spielern ohnehin nicht an die Hand gegeben. „Ich habe eine disziplinierte Mannschaft. Jeder Spieler wird sich in seiner Freizeit fit halten. Da habe ich Vertrauen“, sagt der Coach. Gedanklich hatte er sich eh schon darauf eingestellt, dass es für seine Spieler eine längere Vorbereitungsphase geben werde, dass innerhalb der Mannschaft alles wieder auf Null gestellt wird und in der Vorbereitung sich jeder für die Startformation neu empfehlen kann.

Auch das Thema Geisterspiel wäre laut Wallrath keine Lösung gewesen. „Von Geisterspielen, nur um den Spielplan durchdrücken zu wollen, halte ich gar nichts. Solche Begegnungen haben für mich Trainingsspielcharakter.“

Auch in der freien Zeit beschäftigt sich Wallrath, der seit 2002 als Spieler und Trainer beim ATV tätig ist und noch länger dort als Coach arbeiten möchte, natürlich mit Handball. Langeweile ist für ihn ein Fremdwort. Er hat sich jede Menge Videos der Partien seiner Mannschaft angeschaut und diese analysiert. Er will sie nun als Grundlage nehmen, um sein Team, das die Saison auf Platz sieben im gesicherten Mittelfeld beendet hat, noch besser zu machen.

Darüber hinaus setzt er sich damit auseinander, neue Trainingsmethoden mit neuen Inhalten zu entwickeln, um das Training abwechslungsreicher zu gestalten und das Team erfolgreicher werden zu lassen. Er versteht seinen Job nicht als Zirkusdompteur, der nur dafür da ist, seine Handballer zu bespaßen. Nils Wallrath möchte etwas bewirken und erreichen.

Darüber hinaus steht er im regelmäßigen Austausch mit Teammanager Christian Welzel und Willi Nellessen von der Vereinsführung. Unter anderem habe man sich über die Fortzahlung von Gehältern unterhalten und schnell eine einvernehmliche Lösung gefunden.

Auch bei der Kaderplanung spricht er ein Wörtchen mit. Und diese ist beim ATV noch nicht ganz abgeschlossen. Der aktuelle Stand ist, dass alle Spieler ihre Verträge verlängert haben. Auch Daniel Zwarg, der eigentlich in die Dritte Liga zu den Rhein Vikings wechseln wollte, aber aufgrund der angemeldeten Insolvenz einen Rückzieher gemacht hat. Ob ATV-Urgestein Christoph Kleinelützum noch ein Jahr dranhängen wird, ist nicht abschließend geklärt.

Als Neuverpflichtung gab der Verein bereits vor einigen Wochen den Wechsel von Tim Gentges bekannt. Er kommt vom Zweitligisten HSG Krefeld zurück zu seinem Verein, in dem er das Handballspielen gelernt hat. Ob noch ein weiterer vielversprechender Akteur verpflichtet wird, ist zurzeit unklar, aber nicht ausgeschlossen.

Nicht nur sportlich, sondern auch beruflich ist Nils Wallrath von der Corona-Krise betroffen. Sein Arbeitgeber hat Kurzarbeit angeordnet. Nun arbeitet er anstatt in der Firma zuhause im Home Office – und macht sich Gedanken über seinen ATV.