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Neustart ins Ungewisse für Handballerinnen des SV Straelen

Handball : Thomas Floeth: „Ein Neustart ins Ungewisse“

Der Coach des Frauen-Oberligisten SV Straelen spricht über den Umbruch, die Perspektiven seiner jungen Mannschaft und Handball in Corona-Zeiten.

Die Niederlage an Spieltag Nummer eins in der Handball-Oberliga der Frauen war für den SV Straelen eine schmerzhafte. Nur wenig von dem, was die Mannschaft in den Vorbereitungsspielen gezeigt hatte, wollte in Königshof gelingen. Ärgerlich? Ja. Unerwartbar? Nein. Der SVS steckt in einem radikalen personellen Umbruch mit vielen neuen und vor allen Dingen jungen Spielerinnen aus dem eigenen Nachwuchs. Vor der ersten Heimpartie am Sonntag, 17.30 Uhr, gegen den TV Witzhelden, die ein Geisterspiel sein wird, da keine Zuschauer in die Halle dürfen, sprach die Rheinische-Post mit SVS-Coach Thomas Floeth über den Umbruch, Perspektiven und Handball in Zeiten der Corona-Krise.

Herr Floeth, während der langen Handball-Pause hat sich das Gesicht Ihrer Mannschaft stark verändert. War das so geplant?

Thomas Floeth Geplant war das nicht. Es war klar, dass Steffi Heuvels nach vielen Jahren als Leistungsträgerin und nimmermüde Antreiberin aufhören würde. Auf diesem Weg noch einmal vielen Dank für alles. Auch das verletzungsbedingte Aus von Franziska Heckmanns stand frühzeitig fest. Als im Frühjahr Maren Prior, Monja Bleidtner und Sophia Kähler aus unterschiedlichen und verständlichen Gründen ihren Abschied einreichten, musste schnell reagiert werden. Klar war: Für die Regionalliga wird es leistungsmäßig nicht mehr reichen. Und: Wir wollen mit jungen Talente aus den eigenen Reihen arbeiten und sie ans Team heranführen, damit in Straelen auch in den kommenden Jahren leistungsorientierter Frauenhandball gespielt werden kann. Unter dem Strich sind wir mit neun neuen Spielerinnen in die Vorbereitung gestartet.

Und wie lief‘s?

Floeth Trotz einiger Hürden wegen der Corona-Pandemie die übersprungen werden mussten, war es die mit Abstand beste von den jetzt drei Vorbereitungen, die ich mit dieser Mannschaft gemacht habe. Die Trainingsbeteiligung war hoch, die Intensität ebenso. Selbst in den Testspielen hat die Mannschaft über weite Strecken überzeugen können. Wo wir genau stehen, wissen wir trotzdem nicht. Die Oberliga war und ist für uns ein Neustart ins Ungewisse.

Weiß man nach der 19:20-Niederlage zum Saisonauftakt in Königshof mehr?

Floeth Nicht wirklich. Beide Mannschaften haben kein gutes Spiel gemacht. Wir haben verdient verloren, können aber deutlich mehr. Die Mädels haben definitiv die Qualität, in der Oberliga zu bestehen. Zu einem Problem könnte das knüppelharte Auftaktprogramm werden. Wenn wir uns nicht deutlich steigern, stehen wir nach drei Spieltagen mit 0:6-Punkten da. Und dann kommt bei der einen oder anderen Spielerin eventuell der Kopf ins Spiel. Wir müssen Ruhe bewahren, konzentriert weiterarbeiten, dann wird das schon.

Was muss besser werden, um gegen Witzhelden punkten zu können?

Floeth In der Offensive nahezu alles. Da braucht es mehr Tempo, eine größere Ballsicherheit und viel mehr Mut. Witzhelden hat in der Liga in den vergangenen Jahren eine gute Rolle gespielt und mit dem 39:17-Sieg gegen die GSG Duisburg einen Start nach Maß hingelegt. Das ist ein ganz dickes Brett, das wir bohren müssen. Vielleicht entpuppt sich der Nachteil, dass in der Halle keine Zuschauer zugelassen sind, am Ende sogar als Vorteil. Die Nervosität, die für gewöhnlich aufkommt, wenn man erstmals vor richtig großer Kulisse spielt, dürfte entfallen.

Es ist ein Geisterspiel zur Heimpremiere in dieser Saison – womit wir beim Thema Corona wären . . .

Floeth Wie für alle anderen, ist dieses Thema auch für uns Sportler allgegenwärtig und bei allem Verständnis für nötige und notwendige Sicherheitsvorkehrungen manchmal lästig. Ich weiß nicht, wie oft ich den Trainingsplan in den vergangenen Wochen umschreiben musste, weil Sporthallen von heute auf morgen zweckentfremdet wurden. Egal. Ärgerlich wird es aber dann, wenn Vorgaben des Landes Nordrhein-Westfalen überall anders gehandhabt werden. In manchen Hallen sind Zuschauer seit Wochen erlaubt, in anderen bis heute nicht. Dasselbe gilt für die Benutzung von Umkleidekabinen oder Duschen. Das mag verstehen, wer will, ich verstehe es nicht.

(terh)