Fußball Marcus John heuert beim FC Bocholt an

Bocholt/Straelen · Der Trainer, der 2018 den SV Straelen in die Regionalliga geführt hatte, ist neuer Sportlicher Leiter des Traditionsclubs. Aktuell plant der 47-Jährige zweigleisig, da der Oberligist gute Chancen auf den Aufstieg besitzt.

 Straelens früherer Trainer Marcus John stellt ab sofort beim 1. FC Bocholt die Weichen für eine erfolgreiche Zukunft.

Straelens früherer Trainer Marcus John stellt ab sofort beim 1. FC Bocholt die Weichen für eine erfolgreiche Zukunft.

Foto: Christian Verheyen/Christian Verheyen (chv)

Im Sommer 2021 stand Marcus John noch als Cheftrainer beim Oberligisten Sport- und Spielvereinigung Velbert an der Seitenlinie, Ende vergangenen Jahres war er zudem als Coach beim Regionalligisten KFC Uerdingen im Gespräch. Nun wartet auf den 47-Jährigen allerdings ein echtes Abenteuer: Marcus John, der in der entscheidenden Phase der Saison 2017/18 den SV Straelen in die Fußball-Regionalliga geführt hatte, hat einen neuen Job als Sportlicher Leiter des Oberliga-Titelaspiranten 1. FC Bocholt angetreten.

„Ich freue mich sehr darauf, an der Weiterentwicklung des Vereins mitarbeiten zu können. An den strategischen Themen wie Sichtung und Kaderplanung habe ich immer schon Spaß gehabt“, sagt Marcus John. Neun Monate lang war der Inhaber der DFB-A-Lizenz ohne Funktion im Amateurfußball. „Durch die Corona-Krise sind wir natürlich alle ein wenig ausgebremst worden. Das war gewissermaßen eine Kollektivstrafe. Nun aber hat es mich wieder gejuckt, ein neues Projekt anzufangen“, sagt Marcus John. 

In den vergangenen Monaten habe er bereits mehrere Anfragen erhalten, da ging es allerdings um eine Trainertätigkeit. Jedoch fehlte es bei den Angeboten an der langfristigen Perspektive. Marcus John will nachhaltige Prozesse anstoßen – so wie er es damals gerne auch beim SV Straelen getan hätte. Beim Club von der Römerstraße sollte er mit Beginn der Saison 2019/20 als Trainer und Sportlicher Leiter in Personalunion arbeiten. Doch wenige Monate zuvor geriet er mit der Straelener Mannschaft in den Abstiegskampf und musste gehen, weil SVS-Präsident Hermann Tecklenburg in solchen Situationen nicht lange fackelt. Schnee von gestern – jetzt hat John einen Vertrag am Hünting unterschrieben, der sowohl für die Ober- als auch für die Regionalliga gilt. Klar ist: Die „Schwatten“ wollen unbedingt den Aufstieg schaffen. Und die Chancen stehen nicht schlecht. Aktuell führt der 1. FC Bocholt die Tabelle mit zwei Punkten Vorsprung auf den VfB Hilden und die Sport- und Spielvereinigung Velbert an, die eine Partie weniger bestritten hat.

„Ich gehe nicht davon aus, dass die Mannschaften an der Spitze bis zum Saisonende keinerlei Schwächen mehr zeigen. Ich glaube, dass es noch mehrere Tabellenveränderungen geben wird. Dann könnte es darauf ankommen, wie das letzte Saisonspiel ausgeht“, sagt Marcus John. Am Freitag, 10. Juni, könnte es in Velbert zum Endspiel zwischen seinem ehemaligen Verein und dem FC Bocholt kommen. „Ich befinde mich jetzt natürlich mitten in der Kaderplanung. Das ist nicht ganz leicht, weil wir zweigleisig planen müssen. Aber diese Situation kenne ich von meiner Zeit beim SV Straelen“, so Sportchef Marcus John. Dass die Wahl auf einen Wechsel ins Westmünsterland gefallen ist, kommt übrigens nicht von ungefähr. Der Vertriebsleiter einer Krankenversicherung spielte von 1995 bis 1997 für den 1. FC Bocholt in der damals drittklassigen Regionalliga. Nach seiner Zeit als Kicker auf dem Rasen legte John eine Trainerlaufbahn hin. Nach Stationen im Jugendbereich von Rot-Weiss Essen und Borussia Mönchengladbach betreute der 47-Jährige von 2013 bis 2018 den SC Düsseldorf-West, mit dem er in jener Zeit den Aufstieg in die Oberliga feierte.

Es folgte der Wechsel zum SV Straelen, den John in die vierthöchste deutsche Spielklasse führte. Im März 2019 musste er trotz bemerkenswert guter Arbeit gehen – medienwirksam präsentierte Hermann Tecklenburg seinerzeit Deutschlands einstige Rekord-Torschützin Inka Grings als Nachfolgerin. Anschließend war Marcus John sehr erfolgreich bei der SSVg. Velbert tätig, ehe man sich im vergangenen Sommer nicht auf eine Verlängerung der Zusammenarbeit einigen konnte. Es folgte eine Pause, die nun mit dem Wechsel gen Bocholt ihr Ende findet.

Doch wie gut stehen die Chancen, dass aus dem Oberligisten langfristig ein Regionalliga-Klub wird? „Straelen ist in meinen Augen so etwas wie ein gallisches Dorf. Auch beim 1. FC Bocholt sehe ich großes Potenzial, zumal es eine große Fan-Base gibt. Es befindet sich hier einiges in der Entwicklung. Die Geschäftsstelle wird aufgebaut, auch in der Jugendabteilung entsteht eine Menge. Daher bin ich davon überzeugt, dass man hier einiges bewegen kann“, sagt John. Außerdem habe er das Gefühl, eine Menge Vertrauen entgegengebracht zu bekommen, seine Meinung werde in Bocholt gehört.

FC-Trainer Jan Winking muss sich derweil überhaupt keine Sorgen machen, dass Marcus John an seinem Stuhl sägt. „Noch bevor ich meine Zusage gegeben habe, habe ich das Gespräch mit Jan Winking gesucht. Er leistet großartige Arbeit. Es war ein super Gespräch, wir sind auf einer Wellenlänge. Und ich habe ihm erklärt, dass ich keinerlei Ambitionen auf den Trainerjob habe“, so der neue sportliche Leiter, der in Mönchengladbach lebt und in Essen arbeitet.

Immer wieder wolle er in den kommenden Monaten auch vor Ort in Bocholt Präsenz zeigen. Allerdings habe die Corona-Krise die Arbeit von Funktionären auch verändert. „Corona hat den Fußball zur Digitalisierung gezwungen. Daher kann man viele Dinge auch aus der Ferne regeln“, sagt Marcus John.

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