Kampfsport : Muay Thai ist das Yoga der Zukunft

Die Akademie für Asiatische Kampfkunst in Geldern wurde als anerkannter Stützpunkt für Integrationsarbeit im Sport ausgezeichnet.

Die Akademie für Asiatische Kampfkunst und Kultur am Niederrhein, wie sich der Gelderner Verein offiziell nennt, ist aber mehr als ein Sportverein, der Muay Thai-Kämpfern ein Zuhause geben möchte. Durch die Teilnahme an zahlreichen Fortbildungsseminaren wurde dem Verein die Urkunde als „Anerkannter Stützpunktverein – Integration für Sport“ überreicht und ist somit der einzige von allen Sportvereinen in Geldern, der diese Auszeichnung trägt.

„Sport braucht keine besondere Sprache“, erwähnte Vorstandsmitglied Claudia Trapp. „Unsere Mitarbeiter sind nun in der Lage, sich fremden Kulturen anzupassen und deren Menschen an unsere eigene Kultur heranzuführen.“ Damit dieses Ziel einfacher erreicht werden kann, hat der Verein zwei Vereinsmitglieder mit Migrationshintergrund mit zu diesen Seminaren geschickt, um bei auftauchenden Sprachbarrieren vor Ort vermitteln zu können.

Vorteile, zum Beispiel in finanzieller Art, habe der Verein durch diese Auszeichnung nicht, erklärt Achim Wagener, 1. Vorsitzender und Trainer im Verein. Aber es sei eine besondere Qualifikation, ein Qualitätsmerkmal, mit der sich sein Verein von anderen unterscheide.

Muay Thai, einigen vielleicht besser unter dem Begriff „Thaiboxen“ bekannt, ist eine Kampfkunst, deren Faszination sich kaum jemand entziehen kann, der einmal mit dem Training begonnen hat.

Aufgrund seiner Vielseitigkeit ist Muay Thai für jeden geeignet. Zum Beispiel für Freizeitsportler, die nicht daran interessiert sind, in den Leistungsbereich zu wechseln, eignet sich der thailändische Volkssport hervorragend als Selbstverteidigungssystem. Leistungssportler, die einen realistischen Kampfsport mit Körperkontakt betreiben wollen, sind bei dem begeisternden Wettkampfsport bestens aufgehoben. Darüber hinaus werden wertvolle Charaktereigenschaften, wie zum Beispiel Rücksichtnahme und Durchsetzungsvermögen, aber auch Willenskraft, Selbstvertrauen und Respekt in dieser Sportart vermittelt.

„Genau so war es bei mir“, sagte der 21-jährige Sebastian van Hoensbroech, der in diesem Sport bereits Deutscher Meister wurde. „Der Sport hat mich in meiner Persönlichkeit entscheidend geprägt. Ich habe mehr Selbstbewusstsein bekommen und Disziplin und einen respektvollen Umgang mit meinen Mitmenschen gelernt.“

Das Konzept des Vereins lautet: „Von sechs bis 106“ und meint damit, dass bereits im Kindesalter mit dem Kampfsport begonnen und bis ins hohe Alter ausgeübt werden kann. „Wir haben verschiedene Leistungsbereiche und speziell auch Frauengruppen. Bei uns ist für jeden was dabei“, so Wagener.

Ein gutes Beispiel ist die erst 16-jährige Annabell Seeger, die zusammen mit ihrer Mutter bei der Frauengruppe angefangen hatte und nun den Titel der Deutschen Meisterin trägt. „Ihre koordinativen Fähigkeiten habe ich sofort erkannt und sie entsprechend gefördert“, meinte der Erfolgstrainer.

Lange Zeit übten die von Achim Wagener und seinem Team trainierten Kämpfer ihren Sport in einer zur Sporthalle umfunktionierten Lagerhalle aus. Diese Stätte musste man unfreiwillig räumen–sie war zu schlichtweg zu klein geworden. Der Verein hat zurzeit

etwa 50 aktive Mitglieder, die die Kampfkunst aktuell in verschiedenen Turnhallen im Stadtgebiet von Geldern ausüben können. „Damit sind wir zufrieden. Wir sind ein kleiner Verein, aber wir betreiben unseren Sport auf hohem Niveau“, so Wagener. Dabei erwähnt er, das es sein größter Wunsch sei, mit seinem Verein über eine Halle zur verfügen, die den speziellen Ansprüchen der Kampfsportlern gerecht werde. „Man darf nicht vergessen, dass wir in der absolut höchsten Liga mitkämpfen und aktuell zwei Deutsche Meister und zwei Vize-Meister im Training haben.“

Für interessierte Kampfsportler hat der Verein ein besonderen Leckerbissen parat: Am Samstag, 23. März richtet der Verein einen „Tag der offenen Tür“ als eine Art „Mitmachtag“ in der großen Sporthalle am Lise-Meitner-Gymnasium aus. „Wir würden uns über ein reges Interesse freuen“, meinte der Vorsitzende. „Unsere Sportart ist auf dem Vormarsch. In Zeiten der Bewegungsarmut sehe ich Muay Thai als das Yoga der Zukunft.“

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