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Lokalsport: Mit dem Sieg ist der Druck im Kessel etwas kleiner geworden

Lokalsport : Mit dem Sieg ist der Druck im Kessel etwas kleiner geworden

Handball-Regionalliga der Männer: Der TV Aldekerk bezwang den Bergischen HC II mit 26:22 (11:14). Jentjens und Tebyl trafen am besten.

Sollten die sensiblen Messinstrumente der Erdbebenwarte des Landes am Samstagabend im Bereich der Vogteihalle Auffälligkeiten festgestellt haben, dann konnte dies nur von der tonnenschweren Last hergerührt haben, die den Aldekerker Handballern, Verantwortlichen und Anhängern nach dem Schlusspfiff von den Schultern gerumst ist und ein leichtes Erdbeben ausgelöst haben könnte. Nach einer für Aldekerker Verhältnisse unfassbar langen Niederlagenserie von fünf verlorenen Spielen in Folge und dem Absturz in den Tabellenkeller bezwangen die Handballer von Trainer Matthias Sommer den ebenfalls vom Abstieg bedrohten U23-Unterbau des Zweitliga-Tabellenführers Bergischer HC mit 26:22, nachdem die Aldekerker Spieler beim Seitenwechsel und einem Rückstand von 11:14-Toren noch nachdenklich in die Kabine gegangen waren.

BHC-Trainer Jörg Müller, der seinen ohnehin schmalen Kader mit einigen A-Jugendlichen aus dem Bundesligakader aufgefüllt hatte, hatte sich mit seiner Mannschaft mit der festen Absicht auf den Weg an den Niederrhein gemacht, den nervlich angeknacksten ATV zu Fehlern zu zwingen. Das gelang den Solingern im ersten Durchgang einigermaßen gut, wobei das Aldekerker Wurfpech in der Anfangsphase des Spiels und eine bis zur Pause zu wenig zupackende Aldekerker Defensive den geschmeidig Handball spielenden Gästen in die Karten spielte. Zum Turm in der Brandung wurde einige Male ATV-Keeper Christian Thommessen, der im Gegensatz zu seinen im Feld spielenden Kollegen sofort unter Volldampf stand und dem Gegner mit guten Paraden einige Einschussmöglichkeiten (darunter ein Strafwurf) wegnahm. Doch trotz seines guten Auftretens bekamen die Aldekerker bis zum Seitenwechsel das Heft der Partie nicht in die Hand, mussten vielmehr aufpassen, dass der Rückstand und der damit verbundene Druck nicht noch größer wird. So spiegelte das Halbzeitergebnis von 11:14 gegen den ATV die Stärken beider Mannschaften im ersten Spielabschnitt recht gut wider.

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"Vor dem Hintergrund, dass wir mit einigen Fehlwürfen ins Spiel gestartet sind, haben die Jungs das trotz des Rückstandes bis zur Pause nicht so schlecht gemacht", meinte ATV-Coach Sommer in der Nachbetrachtung auf das Spiel. Es haben seiner Ansicht nach allerdings in der Abwehr häufig ein, zwei Schritte gefehlt, um es den Leichtgewichten der Gäste, deren handballerisches Können dazu ganz im Gegensatz steht, bei ihren Toren schwerer zu machen.

Das änderte sich nach der Pause grundlegend. Denn jetzt reihte sich mit Nils Wallrath, Erfolgstrainer der Aldekerker Zweitvertretung, ein Spieler in den Abwehrverbund des Gastgebers ein, der gleich bei den ersten Aktionen seinen Nebenleuten vormachte, wie groß der Spielraum des Erlaubten in der Abwehrarbeit ist. "Mit seiner Körperlichkeit und Präsenz hat er den Funken gezündet, den die Mannschaft an diesem Abend gebraucht hat, um das Spiel zu drehen", sagte ATV-Coach Sommer, der parallel zu Wallraths Auftritt im hinteren Bereich vorne mit Thomas Jentjens einen Spieler erlebte, der nahezu jeden Ball, den man ihm in die Hand drückte, in den gegnerischen Maschen versenkte.

Und weil neben anderen auch Christopher Tebyl, der bei seinen Würfen in der Anfangsphase des Spiels ein wenig Pech hatte, indem er an Latte und Torwart scheiterte, immer besser ins Rollen kam, behauptete der ATV nach dem Ausgleich zum 14:14 (36.) längere Zeit zunächst einen knappen Vorsprung, den er über eine bissig geführte Abwehr geradezu mit Zähnen und Klauen verteidigte und schließlich vorsichtig ausbauen konnte.

Drei Minuten vor dem Abpfiff brachte Tebyl seine Mannschaft zum ersten Mal an diesem Abend mit drei Toren weg. Wie sich herausstellen sollte, war das für den ATV an diesem Abend der endgültige Befreiungsschlag, dem die Solinger auch kräftemäßig nichts mehr entgegen zu setzen hatten. Den Schlusspunkt zum 26:22 markierte Christoph Kleinelützum.

"Neben der Unterstützung durch die Zuschauer muss ich der Mannschaft ein Kompliment machen, wie sie das Spiel in der zweiten Halbzeit herumgerissen hat. Mit diesem Sieg haben wir erst einmal etwas Druck aus dem Kessel genommen, wobei die nächsten Spiele für uns nicht weniger wichtig sind", sagte Matthias Sommer.

ATV: Thommessen, Schoenmackers, Lindenau (n. e.) - Jentjens (9), Tebyl (5), Kleinelützum (3), Phlak (3/1), Rasch (3), Liedtke (2), Mumme (1), C. Welzel, Wallrath, Schwartz (n. e.), Rampyapedi (n. e.).

(RP)