"Meine Kindheit war der TuS"

Der Ex-Profifußballer "Hannes" Linßen zählt zu den bekanntesten Sportlern, die aus dem ehemaligen TuS Wachtendonk hervorgegangen sind. Der 60-Jährige lebt seit Jahren in Köln und erinnert sich an seine Wurzeln.

Wachtendonk/wankum Den Ranzen ausziehen, in die Ecke legen und raus auf dem Sportplatz – so mochte es der junge "Hannes" Linßen als Kind am liebsten. Jede freie Minute habe er auf der Anlage verbracht – immer auf der Suche nach einem Ball oder einem Spielkameraden, der mit ihm zusammen über den Bolzplatz fegte.

Und wann immer ihn seine Eltern damals suchten, brauchten sie nur vorbeizuschauen auf dem Wachtendonker Sportplatz. "Meine Kindheit war der TuS", sagt der heute 60-Jährige. "Ich hatte damals nur Sport im Kopf. Dazu muss man aber auch sagen, dass Vereine früher vielmehr noch als heute Treffpunkte waren. Dort wurde nicht nur Sport getrieben, sondern auch die Gemeinschaft gelebt."

Als Dank gab's den Führerschein

Johannes "Hannes" Linßen muss nicht lange überlegen, wenn man ihn um seine ganz persönlichen Erinnerungen an seinen Heimatverein bittet. Es sprudelt förmlich aus ihm heraus, wenn er an seine ersten Jahre als Sportler zurückdenkt. Als Sechsjähriger wurde er Mitglied im damaligen TuS Wachtendonk und entdeckte früh das Fußballspielen als seine Leidenschaft. Doch mit dem Kicken allein gab er sich zunächst nicht zufrieden. "Wir haben als Kinder alles ausprobiert", sagt Linßen. "Ich war Leichtathlet und habe auch geturnt. Das war damals eben so – man hatte im Verein ja auch alle Möglichkeiten."

Und nur allzu gut erinnert er sich an die späteren Lokalkämpfe und Duelle gegen Straelen oder Wankum zurück. "Das waren schöne Aufeinandertreffen – jedes Mal, wenn es auf die Rote Asche ging. An Rasen war damals ja noch nicht zu denken", frotzelt Linßen.

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Geschadet hat es ihm nicht. Ganz im Gegenteil, sein Talent, mit dem Ball umzugehen, hat sich im Laufe der Jahre durchgesetzt. Und Linßen hat nie vergessen, wem er das in erster Linie zu verdanken hat. Der Name Fritz Boetzkes, "mein damaliger Trainer und Förderer", fällt als Erstes, wenn er an seinen Aufstieg zum Profifußballer zurückdenkt. Boetzkes habe entscheidenden Anteil daran gehabt, dass Linßen den Sprung geschafft hat – zunächst über Ausscheidungskämpfe von der Kreis- über die Bezirks- und Niederrheinauswahl bis in den Kader der deutschen Jugend-Nationalmannschaft.

Dort vertrat er 1965 Deutschland vor 80 000 Zuschauern in Berlin gegen England – als Spieler des TuS Wachtendonk wohlgemerkt. "Ein Wahnsinns-Erlebnis", wie Linßen zugibt, der als Junge vom Dorf damals regelmäßig belächelt wurde. "Allzu oft fragten meine Mitspieler, wie ich denn diesmal angereist sei – mit dem Zug etwa? Und ich antwortete dann nur: Nein, weil Wachtendonk doch keinen Bahnhof hat."

Im Jahr 1968 dann folgte der Wechsel in die Bundesliga zum MSV Duisburg. 17 000 Mark Ablöse erhielt Wachtendonk damals dafür – "und ich einen neuen VW, obwohl ich gar keinen Führerschein hatte", erinnert sich Linßen. Doch sein Ex-Klub bedankte sich auf seine Weise für dessen Verdienste um den Verein "und zahlte mir die Fahrausbildung". Eine schöne Geste, wie Linßen findet, der von 1974 an für Fortuna Köln spielte und 1984 erstmals in die Trainerrolle schlüpfte.

Inzwischen ist er 60 Jahre alt. Linßen lebt mit seiner Frau noch immer in Köln. Und er könnte viele weitere solcher Geschichten erzählen – über seine Zeit als Spieler, Trainer oder eben als junger Kerl auf dem Bolzplatz in Wachtendonk. Denn seine Wurzeln – die hat er bis heute nicht vergessen.

(RP)
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