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Klaus Leenen: Der Laufsport-Globetrotter aus Nieukerk

Leichtathletik : Marathon im Wüstensand und Gletschereis

Tirol, Sankt Petersburg oder Marrakesch: Klaus Leenen aus Nieukerk ist als Weltenbummler in Laufschuhen unterwegs.

Eigentlich hatte Dagmar Leenen gedacht, ihren Mann ausnahmsweise einmal ganz für sich zu haben. Auf dem Programm stand der Besuch der Leipziger Buchmesse. Inklusive Stadtbummel, um die lange Liste der Sehenswürdigkeiten abarbeiten zu können. Doch Göttergatte Klaus ist eben als pensionierter Lehrer nicht nur Bildungsbürger, sondern ganz nebenbei auch noch passionierter Sportler. „Ich habe mich vor der Abreise informiert und entdeckt, dass während unseres Aufenthalts im Clara-Zetkin-Park ein 5000-Meter-Lauf angeboten wurde. Für den habe ich mich direkt angemeldet“, erzählt Klaus Leenen mit etwas Schalk im Nacken.

Der Haussegen hängt deshalb keineswegs schief. Schließlich ist das Ehepaar in der Regel gemeinsam unterwegs, wenn Klaus Leenen als sportlicher Globetrotter die Welt erkundet. Seine Leidenschaft fürs Laufen wurde eher zufällig geweckt. „Es war irgendwann Ende der 90er Jahre, als wir mit der ganzen Familie ein Wochenende in Köln verbracht haben. Wir wussten vorher nicht, dass genau zu dem Zeitpunkt dort der Marathon stattfand. Die Atmosphäre hat mich sofort gepackt. So etwas wollte ich auch unbedingt einmal erleben“, erinnert sich Leenen.

Da der inzwischen 65-jährige Nieukerker damals ohnehin seine Fitness fördern wollte, begann er umgehend mit der Vorbereitung auf große Taten. Zunächst drehte Leenen, in jungen Jahren ein passabler Turner, seine Runden allein in der heimatlichen Umgebung. 2001 schloss er sich den „Niers Runners“ aus Wachtendonk an. „Dort hat es mir von Anfang an sehr gut gefallen, weil es sehr locker und ohne übertriebenen Ehrgeiz zugeht“, sagt Leenen. Seinen ersten Marathon bewältigte er 2002 in Duisburg.

Seitdem verbindet der gebürtige Krefelder Entdeckergeist und sportliche Herausforderungen mit Reisen in alle Welt. Einen Traum erfüllte sich Klaus Leenen im Jahr 2008. Damals hatte er sich als Lehrer an einer Nettetaler Hauptschule (Schwerpunkte Sport und Evangelische Theologie) für ein Sabbatjahr entschieden. Im November ging’s zum New-York-Marathon. „Dieses einmalige Erlebnis werde ich nie vergessen. Die Atmosphäre dort ist unvergleichlich und lässt sich nur schwer in Worte fassen“, schwärmt der Nieukerker.

Seit jeher legt Klaus Leenen großen Wert darauf, bei seinen sportlichen Erkundungsreisen Land und Leute kennen zu lernen. „Ich bezeichne mich als Genussläufer und bin dem lieben Gott sehr dankbar dafür, dass ich das alles erleben darf. Ich setze mir ganz bewusst keine Zeiten, in denen ich das Ziel erreichen möchte. So kann ich mich immer auch auf die jeweilige Landschaft konzentriert“, schildert er.

Auf diese Weise hat der „Niers Runner“ in den vergangenen Jahrzehnten viele Facetten, die unser Heimatplanet zu bieten hat, aus nächster Nähe in Augenschein nehmen dürfen. Zu seinen persönlichen Favoriten zählt der Gletscher-Marathon im österreichischen Pitztal (Tirol). Gerade erst ist der Niederrheiner aus der Wüste zurückgekehrt. Beim „Desert Run“ in der israelischen Negev-Wüste am Roten Meer entschied sich Leenen dann doch lieber für die „kurze“ Halbmarathon-Distanz über 21,1 Kilometer, um die Strapazen nicht ausufern zu lassen. Ob Göteborg, Madrid, Vilnius, Bratislava oder Sankt Petersburg – der Nieukerker sammelt seine Meilen überall.

Bereits im Januar geht’s weiter nach Marokko – dort ist Klaus Leenen beim legendären Marrakesch- Lauf mit von der Partie. „Da freue ich mich bereits auf ein Wiedersehen. Als ich dort zum ersten Mal gelaufen bin, standen viele Kinder am Straßenrand, um mit den Sportlern abklatschen zu können.“ In solchen Momenten schlägt auch das große Herz, das der Nieukerker für seine Mitmenschen mitbringt.

Denn Klaus Leenen, der während seiner langen Zeit als Pädagoge auch unzählige Jugendliche an den Laufsport herangeführt hat, achtet nicht nur wegen der landschaftlichen Reize darauf, nicht aus der Puste zu geraten. „Ich bin immer sehr gespannt darauf, welchen Menschen aus aller Welt ich bei den jeweiligen Veranstaltungen begegne. Und mit denen kann ich natürlich nur dann ins Gespräch kommen, wenn das Tempo einigermaßen angemessen ist“, erzählt er.

Aktuell hält sich der Vater zweier Töchter in Sachen Training etwas zurück, weil dann und wann schon einmal die Achillessehne zwickt. Klaus Leenen hat schließlich kein Interesse daran, aus übertriebenem Ehrgeiz künftige Projekte aufs Spiel zu setzen. Und von denen gibt’s noch einige. Im Hobbykeller, in dem der Weltenbummler seine Finisher-Medaillen aus aller Herren Länder präsentiert, hängt auch eine große Deutschland-Karte, auf der nur wenige weiße Flecken sind. Das gilt bis auf wenige Ausnahmen auch für die nähere Umgebung jenseits der Grenzen. „Ich möchte irgendwann einmal in allen deutschen Nachbarländern einen Lauf absolviert haben“, nennt der sportliche Pensionär sein großes Ziel. „Dänemark, Polen und Tschechien fehlen noch in meiner Sammlung.“

Dagmar Leenen dürfte gewarnt sein: Wenn ihr Klaus demnächst eine Reise nach Kopenhagen vorschlägt, geht’s garantiert nicht nur um den Tivoli und die kleine Meerjungfrau.