Kevelaers Bürgermeister Dominik Pichler beherrscht das königliche Spiel

Schach : Der Chef ist immer einen Zug voraus

18 Gegner gleichzeitig, nur eine Niederlage: Kevelaers Bürgermeister Dominik Pichler beherrscht das königliche Spiel perfekt.

Den Bürgermeister zu schlagen, ist gar nicht so einfach. Diese Erfahrung müssen die Gegner von Dominik Pichler beim Schachtag im Konzert- und Bühnenhaus gleich reihenweise machen. In einem Simultanturnier tritt Kevelaers erster Bürger gleichzeitig gegen 18 Spieler verschiedener Altersstufen mit unterschiedlicher Spielstärke an. „Mir ging in den letzten zwei Tagen doch ziemlich die Düse“, gesteht Pichler unmittelbar vor Turnierbeginn. „Nun bin ich ganz einfach mal gespannt und lasse mich überraschen, was da auf mich zukommt.“

Hans-Werner Vonk, Vorsitzender des Gastgebers Schachclub Kevelaer, kennt den „Chef“ der Marienstadt seit vielen Jahren. „Dominik Pichler ist bereits seit 25 Jahren Mitglied in unserem Schachclub. Zu seiner aktiven Zeit hat er auf einem durchaus ansprechenden Amateurniveau gespielt“, verrät er. 15 Uhr im Veranstaltungssaal. Das Turnier beginnt. Pichler eilt von einem Brett zum anderen, spielt im Stehen und beginnt jede der 18 Partien mit dem gleichen Zug: weißer Bauer von e2 nach e4. Es folgt in den allermeisten Fällen Läufer f 1 nach c4 und Springer von g1 nach f3.

„Der geht die Sache sehr aggressiv an“, stellt Turnierleiter Peter Drießen fest. „Da sieht man gleich, dass er sich auf keinen Fall von seinen Gegnern zermürben lassen will.“ Nach einer halben Stunde und zwölf Züge später zieht sich der Herausforderer die Jacke aus, die Züge kommen nicht mehr so schnell, die Denkpausen werden länger. Zwei Partien hat er zu diesem Zeitpunkt bereits mit Schachmatt gewonnen, in neun Partien hat er einen klaren Materialvorteil, der Rest ist ausgeglichen – eine echte Werbung für den Schachsport.

„Unglaublich, wie fokussiert er noch nach weit über einer Stunde Spieldauer wirkt. Der nimmt die Sache hier sehr ernst, will die Partien gewinnen und lässt keine Konzentrationsschwäche erkennen“, urteilt Vonk respektvoll. Nach fast dreistündiger Spielzeit fällt auch der letzte König. Der Bürgermeister wirkt platt, aber erleichtert. Eine Niederlage bei vier freundlichen Remis und 13 Siegen lautet am Ende die glänzende Bilanz des Lokalmatadors. „Seine Leistung zu beschreiben, ist schwer. Aber es ist schon enorm, was er hier geleistet hat. Lediglich in einer Partie hat er einen Bock geschossen. Das kann passieren“, meint Vonk.

Enorm ist auch die Arbeit, die der Schachclub Kevelaer leistet, um vor allem junge Menschen für die Sportart zu begeistern. Bereits im November hatten die Denksportler in der St. Antonius-Grundschule zum ersten Mal das Kevelaerer Schulschachturnier ausgerichtet. Die Veranstaltung war mit 44 teilnehmenden Schülern ein voller Erfolg.

Beflügelt von dieser Resonanz zog der Schachclub jetzt mit großer Erwartung in die gute Stube Kevelaers. „Wir haben einige Sachen nicht beachtet und Fehler gemacht. Wir haben die Schulen angeschrieben, aber recht viele Absagen bekommen. Die Schulen hatten bereits andere Veranstaltungen geplant“, erklärt Drießen. „Dadurch hatten wir bei unserem Schachtag nicht den erhofften Zuspruch. Aber wir werden aus den Fehlern lernen und weitermachen.“

Trotz allem gibt es selbstverständlich auch gute Nachrichten: Der Schachclub wird an der St. Hubertus-Grundschule und an der Gesamtschule ab Juli im „Offenen Ganztag“ Schachunterricht anbieten und möchte Kinder für das königliche Spiel auf den 64 Feldern begeistern.

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