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Kevelaerer Sportschützen reagieren auf Absage der Bundesiiga-Saison

Sportschießen : Die treffsicheren Rebellen von der Hüls

Die Schieß-Sport-Gemeinschaft (SSG) Kevelaer kann als Deutscher Luftgewehr-Meister die Titelverteidigung vergessen. Die Bundesliga-Saison wurde komplett abgesagt. Kurzfristig haben acht Vereine eine neue Liga ins Leben gerufen.

Die ersten Wochen als neuer Vorsitzender der Schieß-Sport-Gemeinschaft (SSG) Kevelaer hatte sich Lambert Janshen mit Sicherheit ganz anders vorgestellt. Zwar hatte er sich angesichts der herrschenden Pandemie auf einige schwierige Aufgaben eingestellt. Doch plötzlich sah sich der Verein mit einer Entscheidung des Deutschen Schützenbundes konfrontiert, die sich für alle Schützen wie ein Schlag ins Gesicht angefühlt haben muss. Ende September, zwei Wochen vor dem geplanten Start in die neue Saison, sagte der Ligaausschuss Luftgewehr/Luftpistole des Deutschen Schützenbundes (DSB) die Bundesligasaison 2020/21 ab. Ein 15-köpfiges Gremium votierte wegen der sich wieder zuspitzenden Corona-Lage mit 10:5-Stimmen für eine Absage. Eine Entscheidung, die beim amtierenden Deutschen Mannschaftsmeister wie eine Bombe einschlug und auf großes Unverständnis und fehlende Akzeptanz stieß. Der Traum von der erneuten Titelverteidigung, auf die Sportler und Funktionäre lange und intensiv hingearbeitet hatten, war von jetzt auf gleich geplatzt.

„Bei uns und in anderen Bundesliga-Vereinen ist der Eindruck entstanden, dass der Ausschuss keine lösungsbezogene Diskussionen geführt hat, um eine Bundesliga-Saison machbar zu machen. Dabei ist sich der DSB über die Strahlkraft der Bundesliga im Klaren und stellt sie immer wieder als ihr Flaggschiff dar“, sagt Lambert Janshen.

Statt sich ihren Frust von der Seele zu jammern und sich in ihr Schicksal zu ergeben, ergriffen die Kevelaerer „Tiger“ die Initiative: Der Verein hat spontan eine eigene Liga ins Leben gerufen. Acht Mannschaften werden, wie sonst in einer Bundesliga-Saison auch, an sieben Terminen bei verschiedenen Gastgebern gegeneinander antreten. „Die Initiative kam nicht alleine von uns. Bevor wir uns für die Gründung einer Liga entschieden haben, sind einige Videokonferenzen mit anderen Vereinen ins Land gegangen, die zum Teil bis tief in die Nacht gedauert haben“, so Simon Janssen, Sohn des Vorsitzenden und gleichzeitig Trainer der Kevelaerer Meisterschützen.

„Im Fußball würde man von Freundschaftsspielen sprechen. Man könnte auch Trainingseinheiten auf höchstem Niveau dazu sagen. Hauptsache Wettkampfschießen zur Vorbereitung auf Welt- und Europameisterschaften und auf die Olympischen Spiele.“

Natürlich muss das Kind auch einen Namen haben: Deutsche Schießsport-Liga, kurz DSSL. Diesen Namen haben die Initiatoren in Anlehnung an die DFL (Deutsche Fußball Liga) und DEL (Deutsche Eishockey Liga) bewusst gewählt. Mittelfristig erhofft man sich, einen eigenverantwortlichen Ligabetrieb innerhalb des Dachverbandes auf die Beine zu stellen.

„Eigentlich ist die ganze Sache ein Probelauf, um zu sehen, wie so eine DSSL funktionieren könnte“, sagt Simon Janssen. „Deshalb werden wir uns nach jedem Wettkampf mit den anderen Vereinsvertretern austauschen, um am Ende ein perfektes Produkt vorstellen zu können.“

Dabei betont Vater Lambert, dass dieser Wettbewerb insbesondere dem talentierten Nachwuchs die Chance bietet, auf Bundesliga-Niveau schießen und neue Erfahrungen sammeln zu können. Außerdem ist die Liga eine Gelegenheit, neue Modelle bei der Organisation der Wettkämpfe zu testen. „Die beteiligten Vereine sind sich einig, dass es bei diesem Projekt einzig und alleine um den Schießsport als solchen und nicht um irgendwelche Vereinsinteressen geht“, sagt der SSG-Vorsitzende.

Stichwort Corona: Alle Teilnehmer haben den jeweils zuständigen Gesundheitsbehörden entsprechende Konzepte vorgelegt, die bereits genehmigt worden sind. Auch eine begrenzte Anzahl von Zuschauern soll zugelassen werden. Fast alle Vereine berichten über Streaming-Dienste im Internet von den Wettkämpfen – die neue „Bundesliga-Saison“ kann beginnen.