Sportschießen: Kevelaer ist stolz auf seine Gold-Anna

Sportschießen: Kevelaer ist stolz auf seine Gold-Anna

Die kleine Bauernschaft Berendonk hat eine zweifache Junioren-Europameisterin im Luftgewehrschießen hervorgebracht. Ihr Heimatverein SSG Kevelaer bereitete Anna Janshen einen gebührenden Empfang.

Mit eher bescheidenen Erwartungen war die 16-jährige Anna Janshen von der SSG Kevelaer zur Europameisterschaft der Sportschützen ins ungarische Györ geflogen. Mit zwei Goldmedaillen im Gepäck kehrte sie am Freitag zurück. Grund genug für die Schieß-Sport-Gemeinschaft, ihr zwei Tage später im Vereinsheim einen herzlichen und stimmungsvollen Empfang zu bereiten.

Die Schar der Gratulanten war groß, sehr groß sogar. Zu den Ehrengästen gehörte der Präsident des Rheinischen Schützenbundes, Willi Palm, der mit Stolz über Annas Leistung und die Arbeit der SSG Kevelaer sprach. Kevelaers Bürgermeister Dominik Pichler erinnerte an seine letzte Begegnung mit "Gold-Anna". Im vergangenen Jahr hatte sich die Schülerin nach dem Gewinn der Silbermedaille bei der Weltmeisterschaft in Suhl ins Goldene Buch der Stadt Kevelaer eingetragen. Pichlers liebevolle Ermahnung seinerzeit: "Hör nicht auf, gut zu sein." Cheftrainer Rudi Joosten kommentierte den sportlichen Triumph seiner Meisterschützin in seiner sachlichen Art: "Der Erfolg fällt nicht vom Himmel. Jeder einzelne Schuss muss neu abgerufen werden."

Das Geheimnis ihres Erfolgs ist nicht einfach zu entschlüsseln und lässt sich nicht in einem Satz erklären. "Bei der Quali im Einzel lief es bei mir gar nicht so gut", erinnert sich Anna, "mein Ziel war es, das Finale zu erreichen. Dazu hat es ja noch gelangt. Im Endkampf spürte ich, dass mein Herz doll geschlagen hat. Dann hatte ich meine Nerven besser unter Kontrolle und traf auch besser. Ja, und dann wollte ich auch den Titel holen."

Einen ähnlichen Verlauf gab es im Mannschaftswettbewerb. Mit einer eher durchschnittlichen Leistung erreichte das Team Deutschland das Finale. Dort konnte die Konkurrenz aus 18 Ländern nicht mehr mit der Treffsicherheit von Anna Janshen, Larissa Weindorf und Lisa-Marie Haunerdinger mithalten - und schon erklang die deutsche Nationalhymne für den bodenständigen Teenager aus der Bauernschaft Berendonk ein zweites Mal. Selbst ihre Zwillingsschwester Franka, die ebenfalls eine hervorragende Schützin ist, findet für den Erfolg ihrer Schwester keine einfache Erklärung: "So cool, wie viele es meinen, ist Anna gar nicht. Sie hat mir selber noch geschrieben, dass ihr im Einzel-Finale das Herz in die Hose gerutscht ist. Aber sie verfügt über unwahrscheinlich viel Wettkampferfahrung. Das macht vielleicht den Unterschied zu den anderen aus."

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"Annas großer Vorteil ist ihre außergewöhnlich gute Schießtechnik", erklärt Heimtrainer Rudi Joosten weiter. "Sie weiß, dass sie sich darauf verlassen kann. Das gibt ihr das nötige Selbstbewusstsein. Sie kann im entscheidenden Moment das Drumherum komplett ausschalten und sich voll auf die nächste Schussabgabe konzentrieren."

Natürlich spielen noch zahlreiche weitere Faktoren eine maßgebliche Rolle. Beispielsweise ihr eigenes Engagement für ihren Sport, die strikte Einhaltung des Trainingsplans und nicht zuletzt die Unterstützung der Eltern, des Vereins und der Schule. "Außergewöhnliche Fähigkeiten werden von uns immer unterstützt", erklärt die Schulleiterin des bischöflichen Gymnasiums Gaesdonck, Doris Mann, die sich im SSG-Treff ebenfalls unter die etwa 200 Gratulanten gemischt hatte. "Und bei Anna mache ich das mit einem sehr guten Gewissen, weil zudem ihre schulischen Leistungen stimmen."

Zeit, ihren Triumph zu genießen, hatte die erfolgreiche Sportlerin bisher nur kurz: "Ich musste am Wochenende schon wieder zwei Wettkämpfe schießen. Jetzt ist zunächst Schule angesagt. Und am Donnerstag findet schon wieder ein Lehrgang mit der Nationalmannschaft statt."

(ütz)