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Kai Lieverz möchte das Aus des Gelderner Dart-Clubs verhindern

Aus den Vereinen : Gelderner Dart-Club kämpft um Zukunft

Nicht zuletzt wegen der Corona-Krise stand der Verein, der sein Domizil im Barbara-Gebiet hat, kurz vor dem Aus. Doch Vorstandsmitglied Kai Lieverz möchte sich damit nicht abfinden und hat zwei erfahrene Strategen an seiner Seite.

Kai Lieverz hat noch einen letzten Pfeil der kleineren Sorte im Köcher. Und der muss sitzen. Sozusagen mitten im „Bulls Eye“. Wenn sich am Sonntag um 11 Uhr die verbliebenen Mitglieder des Gelderner Dart-Clubs in ihrem Domizil an der Karl-Arnold-Straße 6 treffen, steht endgültig die Zukunft des Vereins auf dem Spiel. Lieverz ist der letzte Mohikaner aus der ehemaligen Vorstandsriege um den Vorsitzenden Walter Leukers.

Seine Mitstreiter hatten sich Anfang Juli von ihren Ämtern zurückgezogen. Das Aus des Vereins, der in seinen Gründerzeiten vor rund zehn Jahren mit seiner Turnierserie „Geldern Darts Championship“ begeisterte Pfeilewerfer aus ganz Deutschland und den benachbarten Niederlanden in die Stadt gelockt hatte, schien bereits besiegelt. Sogar das Equipment in der „Mc Dart-Arena“ sollte unter den Hammer kommen, um den finanziellen Verlust, der in Corona-Zeiten entstanden ist, ausgleichen zu können.

„Wir mussten Ende März unser Vereinsheim für vier Monate komplett schließen. Dadurch fehlen uns rund 6000 Euro in der Kasse“, sagt Lieverz, der sich trotz aller Hürden nicht so einfach mit dem Ende des Dart-Sports in Geldern abfinden möchte. Zumal in höchster Not zwei starke Freunde aufgetaucht sind, die dem engagierten 43-Jährigen mit Rat und Tat zur Seite stehen. Es handelt sich um Johannes Leurs, Gelderner Ortsbürgermeister, und Eugen Brück, ehemaliger Vorsitzender des Stadtsportverbandes und Vorsitzender des TTC Blau-Weiß Geldern-Veert, der zu den größten Breitensport-Vereinen in der Region zählt.

„Wir wollen Kai Lieverz dabei helfen, die Kuh noch vom Eis zu kriegen. Denn in unseren Augen hat der Verein durchaus noch eine Zukunft, wenn jetzt die richtigen Weichen gestellt werden“, sagt Brück. Unter anderen geht’s um Fördergeld in Höhe von rund 24.000 Euro. Der ehemalige Vorstand hatte in Zusammenarbeit mit dem Kreissportbund im Rahmen des Landesprogramms „Moderne Sportstätten“ erfolgreich einen Antrag gestellt, um die „Mc Dart-Arena“ auf Vordermann zu bringen. Nach der Förderzusage aus Düsseldorf hatten Ex-Vorsitzender Leukers und Co. den Mietvertrag für das schmucke Vereinsheim noch im Mai um zehn Jahre verlängert.

Unter anderen ist auch Verwalter Jörg Amerkamp aus Rheinberg, der das Objekt samt Ladenlokal betreut, stark an einer weiteren Zusammenarbeit mit dem Dart-Club interessiert. „Er hofft auch, dass wir das Aus noch abwenden können“, sagt Lievertz, der sich am Sonntag als Vorsitzender zur Wahl stellt. Das allein reicht jedoch verständlicherweise noch nicht. Zunächst einmal müssen die anwesenden Mitglieder mit einer Zweidrittel-Mehrheit die Auflösung des Vereins abwenden, die der alte Vorstand im Juli in die Wege geleitet hatte. Dann benötigt der 43-Jährige noch Mitstreiter, die die Posten des stellvertretenden Vorsitzenden und des Kassierers übernehmen – geeignete Kandidaten stehen bereits in den Startlöchern. „Wenn wir diese Hürde genommen haben, können wir nach und nach einen Beirat bilden. Denn selbstverständlich benötigen wir noch weitere Dartsportfreunde, die den Laden wieder ans Laufen kriegen möchten und beispielsweise bereit sind, sich um den gastronomischen Bereich zu kümmern“, sagt Lieverz.

Er hat bereits klare Vorstellungen davon, wie die „Mc Dart-Arena“, von der sich in der jüngeren Vergangenheit auch schon Dart-Legenden wie Phil Taylor und Raymond van Barneveld begeistert gezeigt haben, wieder zu einer beliebten Anlaufstelle werden kann. Sein Nahziel: „Ich möchte  eine starke Jugendabteilung aufbauen. Die Nachwuchsarbeit haben wir in der Vergangenheit leider etwas vernachlässigt.“

Und dann hat auch noch Eugen Brück eine Idee auf Lager, die Gold wert sein könnte. „Mir ist sofort aufgefallen, dass das Vereinsheim nur an zwei Wochentagen zum Training und samstags für sportliche Veranstaltungen genutzt wird. Das ist natürlich zu wenig, um für eine solide Finanzierung sorgen zu können“, sagt der erfahrene Funktionär. Er schlägt den Dartspielern vor, das Vereinsheim auch als eine Art Bürgerforum für das Barbara-Gebiet zu nutzen.

Das Gelderner Stadtviertel ist nach der Schutzpatronin der Bergleute benannt, von denen viele in der ehemaligen Zeche Niederberg im benachbarten Neukirchen-Vluyn beschäftigt waren. „Im Barbara-Gebiet leben viele Senioren. Die könnten sich morgens zum Kaffeetrinken oder Kartenspielen in der Arena treffen. An solchen Treffpunkten besteht in Geldern großer Bedarf. Und die Stadt wäre sicherlich bereit, ein solches Projekt auch finanziell zu unterstützen“, so Brück.

Die Weichen für die Zukunft sind gestellt. Jetzt geht’s darum, den Pfeil ins Ziel zu bringen.