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Interview mit Rudi Joosten, Meistermacher der Kevelaerer Sportschützen

Sportschießen : „Ein großer Traum ist in Erfüllung gegangen“

Cheftrainer Rudi Joosten kann es noch gar nicht richtig fassen: Die Kevelaerer Luftgewehr-Schützen haben den Meister-Spiegel.

Kevelaer hat einen Deutschen Meister. Die Luftgewehr-Mannschaft hat am Sonntag in Paderborn den größten Erfolg der Schieß-Sport-Gemeinschaft (SSG) perfekt gemacht und den „Spiegel“ mit nach Hause gebracht. Vorsitzender und Cheftrainer Rudi Joosten, Co-Trainer und Sportlicher Leiter Simon Janshen und Lambert Janshen, stellvertretender Vorsitzender und Vater der Top-Schützinnen Anna und Franka, können ihr Glück immer noch nicht so richtig fassen.

 Wie fühlt man sich als Deutscher Meister ?

Rudi Joosten „Ganz ehrlich? Ich hatte eigentlich noch gar keine Zeit dazu, darüber nachzudenken und den Erfolg zu genießen. Schon am Morgen danach gab’s wieder viel zu erledigen. Aber so langsam beginne ich zu begreifen, was wir in Paderborn geschafft haben.“

Simon Janshen „Auf der Rückfahrt war es sehr ruhig, alle waren kaputt. Im Clubhaus in Kevelaer haben wir noch ein bisschen gefeiert. Am nächsten Morgen habe ich meine Schwestern Anna und Franka geweckt. Wir haben uns angeguckt und laut gejubelt.“

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Welchen Stellenwert nimmt der Gewinn der Deutschen Meisterschaft in Ihrer langen und erfolgreichen Trainerkarriere ein?

Joosten „Vor vier Jahren fing der Traum an. Da hatten wir uns in der Bundesliga etabliert. Ich habe mir immer gewünscht, einmal im Leben als Trainer mit unserer SSG Deutscher Meister zu werden. Und nun ist für mich ein großer Traum in Erfüllung gegangen.“

Sie haben einst das Motto „Alles kann, nichts muss“ ausgerufen. War Ihnen da schon klar, dass irgendwann ein Deutscher Meistertitel herausspringen könnte?

Joosten „Wir haben sehr lange und intensiv darauf hingearbeitet. Und die Sache hat sich dank unserer hervorragenden Talente immer weiter entwickelt. Es war natürlich unser Ziel, dass es stets weiter nach oben geht, aber nicht auf Biegen und Brechen.“

Was bedeutet es Ihnen persönlich, dass in Anna und Franka Janshen zwei Eigengewächse den Sprung nicht nur in die nationale Spitze geschafft haben?

Joosten „Sehr, sehr viel. Beide haben im Alter von zehn Jahren mit dem Schießsport angefangen. Sie sind Vorbilder für unseren eigenen Nachwuchs.

Deutscher Meister, perfekt inszenierte Live-Übertragungen von den Heim-Wettkämpfen. Welche neuen Ziele kann sich die SSG Kevelaer auf der Höhe des Erfolges setzen?

Joosten „Unser Vereinsname darf ruhig wieder auf dem Spiegel eingraviert werden. Aber wir bleiben unserer Linie treu: Alles kann, nichts muss. Wir werden uns auf keinen Fall auf unseren Lorbeeren ausruhen.“

„Gab es in Paderborn einen Zeitpunkt, an dem Sie sich ihrer Sache sicher waren“ ?

Joosten „Ich habe völliges Vertrauen in die Leistung unserer tollen Mannschaft. Beim Schießen habe ich schon alles erlebt. Man kann sich erst sicher sein, wenn die Entscheidung tatsächlich feststeht. Als wir am Samstag im Halbfinale einige Ausrufezeichen gesetzt hatten, hatte ich schon ein gutes Gefühl, dass im Endkampf was drin ist.“

Simon Janshen „Die Halle glich einem Hexenkessel. 2000 Leute haben da wie verrückt Stimmung gemacht. Wir haben beide Wettkämpfe deutlich mit 4:1 gewonnen. Und unsere Schützen haben im Halbfinale 1980 Ringe geschossen, sind also gerade einmal zwei Ringe unter unserem eigenen Ligarekord geblieben. Wie Rudi schon sagt, das waren Ausrufezeichen.

Wie schaffen Sie es, bei den Wettkämpfen positiv auf das Nervenkostüm der Schützen einzuwirken ?

Joosten „Ich muss da eigentlich gar nicht viel machen. Wichtig ist, dass vor dem Wettkampf die Abläufe und Rituale eingehalten werden. Meine Schützen wissen genau, was zu tun ist. Da brauche ich nicht reinreden und sie unnötig unter Druck setzen.“

Simon Janshen „Dafür war Rudi am Samstag nervöser als sonst. Es hat aber nicht lange gedauert, bis er sich wieder gefangen hat.“

 Simon, nachdem sich die Mannschaft für das Finale qualifiziert hatte, haben Sie selbstbewusst formuliert: „Wir werden in Paderborn der härteste Gegner für die anderen sein !“ Wie war diese Kampfansage gemeint ?

Simon Janshen „Wir hatten gerade Ligarekord geschossen. Und ich war ziemlich fest davon überzeugt, dass wir in Paderborn nicht nur gewinnen können, sondern auch werden. Das war keine Floskel. Sondern völlig ernst gemeint.“

 Die Konkurrenz war sich vor dem Finaltag einig: Die SSG Kevelaer ist der Topfavorit. Gilt das auch für die nächste Saison ?

Joosten „Als Titelträger zählt man automatisch zum Favoritenkreis für die nächste Saison. Wir müssen jetzt einmal abwarten, was sich bei den anderen Vereinen tut, ob und wie sie sich verstärken. Wir werden sehr wahrscheinlich mit den gleichen Schützen in die neue Saison gehen.“

Lambert Janshen „In der Liga ist schon jetzt einiges in Bewegung. Das Personalkarussell dreht sich mächtig. Die Inder und Chinesen sind schwer auf dem Vormarsch und werden von einigen Vereinen heiß umworben.“

Anna Janshen ist ein Phänomen. Im Finale gegen St. Hubertus Elsen gelangen ihr 39 Schüsse in die „10“, nachdem sie mit einer „9“ begonnen hatte. Wird die SSG Kevelaer irgendwann eine Olympiasiegerin feiern ?

Joosten „Es wäre schon schön, wenn wir mal eine Teilnehmerin bei Olympia hätten, da möchte ich noch gar nicht von einer Siegerin sprechen. Aber trotzdem: Vom Talent her wäre es schon möglich, dass sie dort auch siegen kann.

Simon Janshen „Meine Schwester gehört zu den besten Schützinnen im Luftgewehr-Bereich. Tokio 2020 könnte aber daran scheitern, weil sie erst 17 Jahre alt ist und momentan die Altersgrenze bei 21 Jahren beginnt.“

Lambert Janshen „Es ist nicht nur das Alter. Da spielen auch noch ganz andere Faktoren eine Rolle. Da muss schon einiges passen, um bei Olympia dabei zu sein und ganz oben auf dem Treppchen zu stehen.“

 Welchen Anteil hat Rudi Joosten als Trainer am Titelgewinn ?

Simon Janshen „Sicherlich einen großen. Aber das ist ja alles ein Prozess, bei dem nicht nur der Trainer eine Rolle spielt. Alexander Thomas und Jana Erstfeld, die jetzt Deutscher Meister geworden sind, haben sich an Schützen orientiert, die vor fünf Jahren bei uns geschossen haben. Genauso auch Anna und Franka. Und mittlerweile sind es schon wieder andere, die von den Leistungen der ersten Mannschaft profitieren. Bei uns im Verein wird Wissen weitergegeben, wir kennen und verstehen uns im Verein. Da werden keine Unterschiede zwischen Meisterschützen und jungen Nachwuchsschützen gemacht.“

Joosten „Meine Devise lautete schon immer: ,Fordern ist gut, überfordern nicht.’ Alles muss gut und richtig dosiert sein.“

Was zeichnet Rudi Joosten als Trainer aus?

Simon Janshen „Er hat sehr viel Erfahrung und strahlt Ruhe und Gelassenheit aus. Wie er die Technik und die Abläufe beim Schießen trainiert und vermittelt, ist einsame Spitze. Auf ihn hört man ganz einfach. Und man nimmt an, was er sagt.“

Wenn es am Schönsten ist, sollte man bekanntlich aufhören. Trifft diese Redensart auch auf Sie zu ?

Joosten „Das könnte ich machen. Aber es ist nicht meine Absicht. Mit Simon Janshen habe ich einen guten Mann an meiner Seite. Und ich bin durchaus bereit, ihm nach und nach immer mehr Verantwortung zu übertragen.“

Simon Janshen „Das macht er und ich bin auch gerne bereit, als Trainer weitere Verantwortung zu übernehmen.“

Letzte Frage: Wer ist denn nun der „Vater des Erfolges“ ?

Lambert Janshen (lacht herzhaft) „Eindeutig Rudi. Wir im Verein sind mehr als glücklich, so einen Mann wie ihn in unseren Reihen zu haben. Sowohl als Mensch, als auch als Trainer. Ich kenne keinen, der so viel Fachwissen wie er hat und als Mensch so viel Verständnis für andere zeigt.“

Joosten „Aber alleine geht gar nichts. Und an dieser Stelle möchte ich mich auch noch einmal für die tolle Unterstützung der mitgereisten Fans bedanken. Das war unglaublich, was die in Paderborn abgezogen haben.“