Inka Grings feiert Premiere auf der Trainerbank des SV Straelen

Fußball : „Ich bin Trainerin, aber keine Zauberin“

Fußball-Regionalliga: SV Straelen – SC Verl (Sa., 14 Uhr). Inka Grings freut sich auf ihre Premiere auf der Bank der Grün-Gelben. Schon in der ersten Woche hat sie sich viel Respekt verschafft. Die ganze Konzentration gilt dem Klassenerhalt.

Der erste Rummel um ihre Person ist schon wieder etwas abgeflaut. Inka Grings ist Deutschlands erste Trainerin bei einem Fußball-Regionalligisten. Diese Tatsache hat Wirbel ausgelöst, die Hauptdarstellerin mit der nötigen Gelassenheit darauf reagiert. „Ich war ja in meiner aktiven Laufbahn bei einigen Welt- und Europameisterschaften dabei. Deshalb kann ich ganz gut damit umgehen“, sagt die neue Sportchefin des SV Straelen.

In ihrer ersten Woche an der Römerstraße hat Inka Grings mit ihrer unaufgeregten Art Sympathiepunkte gesammelt. Und noch viel wichtiger: vor allem auch Anerkennung. Die 40-jährige Fußball-Lehrerin bringt jede Menge Fachwissen mit, strahlt Kompetenz aus und trifft auf dem Platz den richtigen Ton. Und sie weiß vor allem ganz genau, worauf es ankommt. Es ist völlig unwichtig, dass bei den Grün-Gelben ab sofort eine Frau das Sagen hat. Es geht ausschließlich darum, dass der SV Straelen auch in der kommenden Saison in der Vierten Liga mitmischt.

Die volle Konzentration gilt dem Klassenerhalt. Und während Straelens Präsident Hermann Tecklenburg augenscheinlich vor Optimismus nur so strotzt, wissen die eigentlichen Protagonisten ganz genau, dass in den nächsten Wochen noch ein steiniger Weg vor ihnen liegt. „Die Mannschaft und ich wissen um den Ernst der Lage“, versichert Inka Grings. Der Aufsteiger wartet anno 2019 noch auf seinen ersten Sieg. Sieben Spiele vor Saisonende beträgt der Vorsprung auf Platz 15, der aller Voraussicht nach den Abstieg bedeutet, nur noch fünf Punkte. Und er könnte sich am Wochenende weiter reduzieren, weil der Viertletzte SG Wattenscheid 09 in der heimischen Lohrheide gegen den designierten Absteiger FC Kaan-Marienborn vor einer lösbaren Aufgabe steht.

 Die „Mission Klassenerhalt“, die Deutschlands Rekord-Torjägerin angetreten hat, birgt ihre Tücken in sich. Vor ihrer Premiere in einem Regionalliga-Meisterschaftsspiel verzichtet die neue Straelener Hoffnungsträgerin ganz bewusst auf forscheTöne. „Ich bin Trainerin, aber keine Zauberin“, stellt Grings ganz sachlich fest. Die Fußball-Fachfrau weiß allerdings ganz genau, wo sie den Hebel ansetzen muss, um mit ihrer Mannschaft am Samstag im Heimspiel gegen den SC Verl einen geglückten Einstand feiern zu können.

„Die Mannschaft macht zurzeit einen verunsicherten Eindruck. Die nötige Qualität, um unser Ziel erreichen zu können, ist allemal vorhanden. Das Selbstvertrauen müssen wir uns jetzt mit der nötigen Leidenschaft auf dem Platz zurückholen“, sagt Grings. Die Tatsache, dass der SV Straelen im neuen Jahr erst zwei Tore geschossen und zuletzt vier Spiele in Serie gar nicht mehr getroffen hat, macht die frühere Torjägerin nicht ausschließlich an den Stürmern fest. „Die gesamte Mannschaft ist gefordert, wieder mehr Gefahr auszustrahlen.“

Selbstverständlich beschäftigt sich Inka Grings auch mit Stärken und Schwächen des jeweiligen Gegners. Ihr Urteil über den Tabellenachten SC Verl, der zu den stärksten Teams der Rückserie zählt: „Eine gute Mannschaft mit einer starken und schnellen Offensive. Da ist 90 Minuten lang volle Konzentration gefragt.“ In Sachen Straelener Aufstellung hat sich die Chefin noch nicht festgelegt. Allerdings gab’s schon am Montag beim Aufttakttraining eine klare Ansage: „Kein Spieler hat einen Freifahrtschein. Und jeder Spieler erhält seine Chance.“

Gegen den Regionalliga-Dauergast aus Ostwestfalen muss der SV Straelen weiterhin auf den verletzten Innenverteidiger Adli Lachheb verzichten. Wahrscheinlich fällt auch Stürmer Shun Terada aus, der sich in Lippstadt eine Risswunde am Fuß zugezogen hat.

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