Lokalsport : In luftige Höhen katapultiert

Tobias Hoster ist Trampolinspringer beim TV Sevelen. Der 17-jährige Turner springt die zweitschwerste Leistungsstufe im Amateurbereich. An Wettkämpfen nimmt der angehende Landwirt aber eher selten teil.

Der zehnjährige Leon Fischermanns beobachtet seinen Turnkollegen Tobias Hoster beim Training mit einer Mischung aus Bewunderung und Ehrfurcht. Immer wieder lässt sich der 17-jährige Sevelener vom Trampolin in die Luft katapultieren, macht dabei Salti und Schrauben und landet abwechselnd auf Füßen, Bauch oder Rücken. Und erneut geht es Richtung Hallendecke. Es sieht kinderleicht aus.

"Das will ich auch können", sagt der Zehnjährige, der seit Weihnachten beim TV Sevelen trainiert. Doch Leon weiß, wie anspruchsvoll der Sport ist. Denn das Wichtigste beim Trampolinspringen sind die Körperspannung und das Gleichgewicht. Zudem sollte man möglichst mittig wieder aufkommen. Dies ist für den einen oder anderen der jugendlichen Turner noch ein Problem. Beim Salto springen sie anstatt nach oben eher nach hinten. Doch Trainer Frank Polixer, der mit seinem Vater Bodo den Nachwuchs trainiert, gibt gerne immer wieder Hilfestellung — und zwar mit einem Handtuch. "Das lege ich dem Kind in einer Schlinge um den Bauch, damit es nicht zur Seite wegkippen kann", erläutert der 42-Jährige. Er steht dabei hinter seinem Schützling und hält ihn fest, bis dieser wieder mit den Füßen auf dem Trampolin landet.

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Tobias Hoster übt unterdessen auf dem großen "Mastertramp" die "L8" — eine Kombination aus zehn verschiedenen Figuren. Diese muss er direkt hintereinander springen, ohne Zwischensprung. Nach einem Salto rückwärts folgt etwa eine Schraube. Wieder in der Luft geht es weiter mit einer Bücke, bevor er nach einem erneuten Salto mit anschließender Grätsche seine Kombination mit dem "Barani" beendet — einem Vorwärtssalto mit halber Schraube.

Der Sevelener trainiert seit sechseinhalb Jahren auf dem Trampolin, Mitglied beim TV Sevelen ist er sogar noch länger. Was ihn an diesem Sport so fasziniert, ist die Abwechslung. "Immer wieder kann ich etwas Anderes ausprobieren. Denn zur höchsten L-Leistungsstufe, der "L9", gehört auch ein frei kombinierbarer Teil. Doch Tobias ist mit seinem aktuellen Leistungsstand mehr als zufrieden. "Ich mache das Ganze zum Spaß", sagt er.

Und auf genau den legt der TV Sevelen auch sein Hauptaugenmerk. Polixa betont: "Wir sind nur eine Breitensport- und keine Leistungsgruppe." Deshalb nehmen die Sevelener Turner auch lediglich alle zwei Jahre am Landesturnfest beziehungsweise dem Deutschen Turnfest teil.

Das reicht Tobias auch zurzeit. Durch seine Ausbildung zum Landwirt schafft es der Turner momentan eh nur einmal die Woche zum Training. Zudem will ihm der "Cody" noch nicht so recht gelingen. Bei dieser Übung, die Pflichtelement in der "L9" ist, muss Tobias aus der Bauchlandung einen eineinviertel Salto rückwärts absolvieren.

Der Sevelener befindet sich im zweiten Lehrjahr und möchte später einmal den Hof seiner Eltern übernehmen. Der Paschhof existiert bereits seit mehreren Generationen. So ist Tobias von klein auf an das Leben als Landwirt gewöhnt. Neben dem Turnen und dem Hof bleibt ihm zwar nicht all zu viel Freizeit, doch der 17-jährige ist leidenschaftlicher Schütze und in der Bruderschaft aktiv.

Während der beste Springer des TV Sevelen weiter seine Kombinationen trainiert, übt Leon auf dem "Doppel-Mini" — einem kleineren Trampolin, das nach vorne und hinten keinen Rand hat. Der Zehnjährige ist vom Fußball zum Trampolinspringen gewechselt, da ihm der Ballsport zu langweilig wurde. Stattdessen trainiert der Sevelener lieber Rückwärtssalti — seine Lieblingsübung. Doch er will noch mehr lernen, um eines Tages "so springen zu können, wie Tobias. Der macht das richtig gut", sagt Leon. Doch vor dem einen oder anderen Sprung hat der Zehnjährige noch zu großen Respekt. Dafür hat Tobias Hoster Verständnis: "Am Anfang muss man sich überwinden, doch dann macht es so viel Spaß", macht er Leon Mut.

(RP/rl)