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Handball: Werner Konrads als Spieler und Trainer erfolgreich

Handball beim TV Issum : Am Anfang war der Handball eine Strafe

Wegen schlechter Noten durfte Werner Konrads als Junge nicht mehr kicken. Das Machtwort des Vaters war ein Glücksfall. So entdeckte der inzwischen 69-Jährige seine wahre Leidenschaft und startete eine erfolgreiche Karriere.

Die erste sportliche Leidenschaft von Werner Konrads war der Fußball. Bis zu seinem 13. Lebensjahr kickte er beim ESV Friemersheim in der C-Jugend. Als dann allerdings seine schulischen Leistungen arg zu wünschen übrig ließen, erteilte ihm sein Vater Fußballverbot – eine Höchststrafe für den sportbegeisterten Jugendlichen. „Da mein Vater im gleichen Verein Handball spielte, habe ich ihm vorgeschlagen, als Handballer weiterzumachen. Darauf hat er sich zum Glück eingelassen. Ich bin dann, auch wenn ich gerne Fußball gespielt habe, beim Handball geblieben.“, sagt Werner Konrads. Dass er dann eine erfolgreiche Karriere hinlegen sollte, war da noch nicht abzusehen. Die sportlichen Stationen von Werner Konrads als Spieler und auch als Trainer könnten ein ganz Buch füllen. Das aktuelle Kapitel wird beim TV Issum geschrieben, wo er die Frauen-Mannschaft in der Landesliga coacht.

Bis in die 1970er Jahre war der Feldhandball dominierend, in der Halle spielte man nur nebenbei. Am 1. April startete die Saison, Schluss war bereits Ende September, dann ging es in die lange Winterpause. Das Ruhrgebiet gehörte zu den Hochburgen des Feldhandballs. Nach seiner Jugendzeit in Friemersheim war die erste Station von Konrads als Senior der OSC Rheinhausen. Mit dem Team gelang dem jungen Handballer gleich der Sprung in die Oberliga. Als einen technisch sehr versierten Spieler schätzt sich Konrads, der auch von seiner Schnelligkeit profitierte, selber nicht ein: „Kreisläufer oder Rechtsaußen, da, wo es zur Sache geht – auf diesen Positionen habe ich mich immer besonders wohlgefühlt“.

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Sportlich ging es weiter nach oben. „In der Saison 1973/74 wurden wir Meister in der Regionalliga, was den Aufstieg in die Bundesliga bedeutete. Das erste Jahr haben wir nur knapp überstanden und machten den Klassenerhalt in der Relegation perfekt “, erinnert sich Werner Konrads.

Schon früh in seiner Handballkarriere stieg er auch ins Trainergeschäft ein. Bereits 1974 trainierte er zunächst die C-Jugend des OSC Rheinhausen, die er auch noch zwei weitere Jahre in der B-Jugend begleitete. Die Erfolge ließen nicht lange auf sich warten, 1976 wurde er mit den B-Jugendlichen Deutscher Vizemeister, ein Jahr später holte das Team den Titel. Werner Konrads blieb zweigleisig unterwegs. „Durch meinen Beruf als Lehrer an der Hauptschule Knevelshof in Duisburg-Wanheim, an der ich 40 Jahre lang gerne unterrichtet habe, hatte ich auch die Möglichkeit, meine sportlichen Aktivitäten flexibel zu gestalten“, sagt der heute 69-Jährige.

1976 wechselte Konrads während der Saison vom OSC Rheinhausen zum Regionalligisten Hamborn 07. Drei Jahre später ging er als Spielertrainer zu GW Wuppertal, 1981 als Akteur zum TV Lobberich. „Ich habe in dieser Zeit aber auch noch nebenbei den Homberger TV trainiert“, so Konrads.

Die Liste der Trainerstationen ist lang. Den TV Jahn Hiesfeld und den MTV Dinslaken coachte er in den 1980er Jahren. Zudem stand er beim TV Kapellen, noch einmal beim MTV Dinslaken, dem VfL Rheinhausen, der HSG Vennikel/Rumeln/Kaldenhausen, in Mülheim-Saarn und beim TSV Kaldenkirchen an der Linie. Seine Laufbahn als Spieler hatte er 1993 beenden müssen. „Ich hatte mir damals bei einem Autounfall eine schwere Fußverletzung zugezogen, danach konnte ich den Sport leider nicht mehr aktiv ausüben. Sonst wäre ich garantiert noch länger am Ball geblieben“, sagt Konrads.

Der Sportler aus Leidenschaft hat sich auch beim Handball-Verband-Niederrhein engagiert. Schon 1977 war er als Auswahltrainer tätig, gewann mit einem Team auch die Deutsche Meisterschaft. Seit 1985 ist Konrads im Besitz der A-Lizenz und schult für den Verband heute den Trainernachwuchs.

2012 übernahm der Coach dann die Herren-Mannschaft des TV Issum, die er bis 2016 erfolgreich in der Landesliga trainierte. Mit 65 Jahren sollte dann eigentlich Schluss mit dem Job auf der Bank sein. Doch es kam 2016 anders. „Es wurde ein Trainer für die Frauen-Mannschaft des TV Issum gesucht, weil ein Kandidat kurzfristig abgesagt hatte. Der Verein hat mich gefragt, ob ich kurzfristig einspringen könnte“, so Konrads. Er sagte zu. Das war ein Glücksfall für die Issumer Handballerinnen, die mit so einem erfahrenen Trainer nochmals durchstarten wollen. „Ich möchte noch so lange weitermachen, bis ich die A- und B-Jugend-Spielerinnen in die Frauenmannschaft eingebaut habe. Meine Familie hat mich motiviert, doch noch weiterzumachen“, sagt Werner Konrads.

Der Handball besitzt in der Familie einen besonders hohen Stellenwert. „Ohne die Unterstützung meiner Familie hätte ich das alles nicht so intensiv machen können“, sagt der dreifache Vater. Seine Frau Iris, die aus der Leichtathletik kommt, mischte im Handball als Torhüterin mit. Auch seine Kinder sind Handballer durch und durch. Die beiden Töchter sind ebenfalls beim TV Is­sum aktiv. Sandra ist Spielertrainerin der zweiten Mannschaft. Ihre jüngere Schwester Eva Lena engagiert sich als Frauenwartin der Blau-Weißen. Sohn Christian, der vor einiger Zeit seine aktive Laufbahn beendet hat, war beim MTV Dinslaken in der Regionalliga und zum Schluss beim TSV Kaldenkirchen im Einsatz. Dort hatte der Kreisläufer zwischenzeitlich auch einen erfahrenen Lehrmeister namens Werner Konrads.