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Handball: TV Aldekerk meldet Frauen-Team nicht für die Zweite Liga

Handball : ATV-Frauen verzichten auf den Aufstieg

Der Spitzenreiter der Dritten Liga war dem Traum, endlich zweitklassig zu spielen, sehr nahe. Doch der Verein wird das Team nicht für die Zweite Liga melden. Die finanziellen Hürden seien vom Verein nicht zu überwinden.

Leicht war es sicherlich nicht, der Mannschaft die Vorstands-Entscheidung mitzuteilen. „Ich hatte schon einen kleinen Kloß im Hals“, sagt der zweite Vorsitzende des TV Aldekerk, Willi Nellessen, der der ersten Frauen-Mannschaft den Beschluss, keinesfalls aufsteigen zu können, am Montag bekannt gab. „Aber am Ende war sie einfach alternativlos.“

Die Saison des Frauen-Teams in der Dritten Handball-Liga ist derzeit unterbrochen. Der Ball ruht landauf und landab, und es scheint fraglich, ob die Spielzeit überhaupt fortgesetzt oder halbwegs regulär beendet werden wird. Und doch war etwas Druck auf dem Kessel, der den Verein trotz der Corona-Pause zum Handeln zwang.

Die Mannschaft des ATV war Spitzenreiter, hatte sehr gute Chancen auf den Aufstieg in die Zweite Liga und hätte bis zum 15. April beim Deutschen Handball-Bund für die zweithöchste Klasse melden müssen. „Nach reiflichen Überlegungen haben wir uns, ohne die sportliche Entwicklung weiter abzuwarten, gegen eine Meldung entschieden“, sagt Nellessen. Zur Vorbereitung waren Erkundigungen bei umliegenden Zweitligisten eingeholt worden, als sich der sportliche Höhenflug des Drittligisten fortsetzte und ein Aufstieg greifbar wurde.

„Finanziell wäre auf den Verein, allein in einer Saison in der Zweiten Liga, eine Belastung zugekommen, die im sechsstelligen Bereich gelegen hätte“, sagt Nellessen.

Von Verbands-Abgaben über Fahrkosten und Schiedsrichterkosten bis hin zu Spielerverträgen, die ab der Zweiten Liga verpflichtend sind, wären das Posten gewesen, die der TV Aldekerk nicht aus eigenen Mitteln hätte tragen können und auch keinesfalls auf alle Mitglieder hätte umlegen wollen. Eine Sponsorensuche unter den jetzigen Umständen wäre überaus schwierig geworden und hätte sich allein aus moralischen Gründen aus Vereinssicht schon fast verboten.

Der Sprung zwischen beiden Spielklassen wäre sowohl finanziell als auch sportlich ein Riesensatz gewesen. In der Zweiten Liga wird schließlich schon semiprofessionell Handball gespielt, mit einem Aufstieg von der Nordrheinliga in die Dritte Liga wäre das nicht ansatzweise zu vergleichen gewesen. Dazu hätten auch organisatorisch noch Rahmenbedingungen geschaffen werden müssen, die in der Kürze der Zeit nicht mal eben so aus dem Boden zu stampfen gewesen wären.

Das Thema war sowohl in Vorstandssitzungen als auch im kleinen Kreis diskutiert und von allen Seiten beleuchtet worden, am Ende war es eine einstimmige Sache. Es herrschte Einigkeit, erst geeignete Rahmenbedingungen zu schaffen und bald, wenn möglich, einen neuen Anlauf zu nehmen.

Die Mannschaft zeigte sich zunächst betroffen. Nachdem der erste Schreck verflogen war, zeigte sie sich aber verständnisvoll und aus Vereinssicht als Teamplayer. „Wir hätten uns für die bislang gute Saisonleistung am Ende natürlich gerne mit dem Aufstieg belohnt“, sagt Kapitänin Svenja Rottwinkel. „Wir haben aber vollstes Verständnis und wollen versuchen, sportlich an unsere guten Leistungen anzuknüpfen.“

Ähnlich äußert sich Trainerin Yvonne Fillgert. „Natürlich möchte man sich am Saisonende belohnen. Aber die Mannschaft hat das Thema jetzt aus Vereinssicht präsentiert bekommen und die Entscheidung sehr gut nachvollziehen können.“ Abschließend ging ihr Blick jedoch schon wieder nach vorne. „Wir werden einen neuen Anlauf nehmen und müssen beweisen, dass wir wieder ganz oben mitspielen werden.“