Guido Winkmann leitet die Kunstrasen-Premiere in seinem Heimatdorf

Fußball : Von der Allianz-Arena zum „Aermen Düwel“

Bundesliga-Referee Guido Winkmann präsentierte sich als Star zum Anfassen und pfiff den Premieren-Kick auf Nieukerker Kunstrasen.

Geheimstufe 1 am Aermen Düwel. Die wenigen Eingeweihten hatten bis zum Schluss dicht gehalten. Schließlich stand ein unwägbares Fragezeichen hinter der großen Überraschung, die Bernd Kolmans und seine Mitstreiter anlässlich der feierlichen Eröffnung der Kunstrasen-Anlage geplant hatten. Der Vorsitzende des TSV Nieukerk hatte den prominentesten Dorfbewohner lange im Vorfeld angesprochen. Bundesliga-Schiedsrichter Guido Winkmann wohnt einen Steinwurf weit vom Sportplatz entfernt – da könne er doch vielleicht das Premieren-Spiel pfeifen. Der erfahrene Referee, dessen Kinder für den TSV am Ball sind, ließ sich nicht zweimal bitten und willigte sofort ein.

Der Haken an der Sache: Der geplante Ehrengast war am Samstagabend zunächst noch vom Deutschen Fußball-Bund für die Leitung des Bundesliga-Topspiels FC Bayern München gegen Bayer Leverkusen eingeteilt worden. „Guido Winkmann ist erst am Sonntag aus München zurückgekehrt. Wir mussten deshalb abwarten, ob der Flieger pünktlich landet“, erklärte Elias Papke, Sprecher der Schiedsrichter des Fußball-Kreises Kleve-Geldern.

Es ging alles glatt. Der 46-Jährige, der seit fast 20 Jahren in Nieukerk lebt, traf um 12 Uhr zu Hause ein. Und wie es sich für einen Sportsmann und Profi durch und durch gehört, stellte Winkmann schnell seinen Koffer ab und machte sich sofort mit der Sporttasche auf den Weg zum Aermen Düwel.

Dort gab’s bereits tosenden Applaus von den knapp 500 Besuchern, als der Platzsprecher den Schiedsrichter der Partie in der D-Junioren-Leistungsklasse zwischen dem TSV Nieukerk und dem Nachwuchs des 1. FC Kleve ankündigte: Guido Winkmann höchstpersönlich. Von der Allianz-Arena auf den neuen Dorf-Sportplatz – die komplette Bandbreite des Fußballsports. Selbstverständlich hatte der Routinier, der anerkanntermaßen zum Kreis der besten deutschen Schiedsrichter gehört, keinerlei Probleme mit dem einstündigen Nachwuchs-Kick. Schließlich hatten die Jungs schon große Augen gemacht und waren fast in Ehrfurcht erstarrt, als sie den berühmten Mann im schwarzen Dress gesehen hatten. Entscheidungen muss ein Unparteiischer natürlich auch in einem D-Jugend-Spiel treffen: Winkmann pfiff beispielsweise einen Elfmeter für die Rot-Blauen vom Klever Bresserberg und hielt kurz vor Schluss einem Nieukerker Spieler eine gelbe Karte vor die Nase, von der der junge Mann noch irgendwann einmal am Altherren-Stammtisch erzählen dürfte. Immer wieder gab’s Beifall von den Zuschauern, wenn der Ehrengast beispielsweise eine knifflige Abseitsposition erkannt hatte. „Da konnte man auf einmal Sätze wie ,Das hätte ich nie gesehen’ hören. So etwas erleben wir leider im Alltag selten oder nie. Das könnte ruhig auch einmal passieren, wenn kein DFB-Schiedsrichter in der Mitte steht“, meinte Papke augenzwinkernd.

Obwohl Guido Winkmann bereits einen anstrengenden Arbeitstag hinter sich hatte, nahm er sich auch nach dem Abpfiff noch etwas Zeit für die heimischen Fußballfreunde. Viele Spieler und Zuschauer eilten auf den Platz und zückten schnell ihr Handy, um ein Foto (neudeutsch „Selfie“) fürs Erinnerungsalbum zu schießen. Der Referee ließ es sich auch nicht nehmen, um mit dem einen oder anderen alten Bekannten einen Plausch zu halten und von den Geschehnissen tags zuvor in München zu berichten. „Er ist wirklich ein Star zum Anfassen“, lobte Papke.

Der Schiiedsrichter-Sprecher des Kreises Kleve-Geldern muss es wissen. Papke leitete anschließend nämlich mit seinen Assistenten Lars Grell und Dominik Lübeck das A-Liga-Meisterschaftsspiel zwischen dem TSV Nieukerk und dem SV Sevelen. Das Trio bekam vom berühmten Kollegen vor dem Anpfiff noch einige Experten-Tipps mit auf den Weg, ehe der Stargast der Nieukerker Kunstrasenfeier endlich seinen verdienten Feierabend genießen durfte.