Fußball : Die Krisenmanager des GSV Geldern

Abstiegskampf ist in dieser Saison das beherrschende Thema für die Fußballer des Traditionsvereins. Vorsitzender Dietmar Hartenstein und seine Mitstreiter sind zuversichtlich, den Karren aus dem Dreck ziehen zu können.

Der Fußballsport hat in Geldern dank des TuS Gelria 09, der einst am Holländer See kickte, und des RSV Geldern, der am Brühl zu Hause war, eine lange und erfolgreiche Tradition. 1992 fusionierten beide Vereine mit der Zielsetzung, den sportlichen Aktivitäten im Stadtgebiet neue Impulse zu geben und speziell der Jugendarbeit besondere Aufmerksamkeit zu widmen.

Mit Blick auf die aktuellen Tabellen muss allerdings die Frage erlaubt sein, ob nach dem Karnevalsumzug demnächst noch eine weitere Tradition in Geldern wegbricht. Die erste Mannschaft des GSV grüßt in der Bezirksliga vom Tabellenende. Die Reserve steckt als Schlusslicht in der Kreisliga B, Gruppe 3, ebenfalls in argen Schwierigkeiten. Und die „Dritte“ wurde bereits kurz nach dem Saisonstart aus dem Spielbetrieb zurückgezogen. Auch im Nachwuchsbereich sieht’s nicht sonderlich gut aus – der GSV Geldern muss zurzeit ohne A- und B-Junioren auskommen. Grund genug, sich mit den Verantwortlichen des GSV an einen Tisch zu setzen und über Ursachen und Perspektiven zu reden.

„Die Tabellen lügen nicht“, gibt Sportlicher Leiter Rolf Niersmans unumwunden zu. Von einem „freien Fall“ in Richtung sportlicher Bedeutungslosigkeit möcht er aber nichts wissen. „Es sieht zwar im Moment nicht gut aus. Und eventuell wird uns der eine andere Spieler in der Winterpause verlassen. Aber man sollte auch nicht vergessen, dass wir immer wieder neue Spieler dazu bekommen“, sagt er. Mit dem drohenden Abstieg ins Kreisliga-Oberhaus haben sich die Verantwortlichen jedenfalls noch lange nicht abgefunden. Der Rückstand auf Relegationsplatz 15, den momentan der FC Aldekerk belegt, beträgt gerade einmal vier Punkte.

Dass der Faktor Geld zum negativen Trend beigetragen haben könnte, verweist Niersmans in die Sphären der Gerüchteküche. Stellvertretender Vorsitzender Hartmut Könner betont: „Kein Spieler erhält Geld aus der Vereinskasse des GSV. Wir sorgen für die Möglichkeit, bei uns Fußball zu spielen und rüsten unsere Spieler mit Jacken und anderer Sportbekleidung aus. Das ist vollkommen normal.“

Könner versichert, dass man keinesfalls blauäugig sei und die sportliche Trendwende erkannt habe. Und er zeigt sich gleichzeitig kämpferisch. „Wir hatten zweifelsohne sieben gute Jahre und stehen offensichtlich jetzt vor einem Umbruch. Wir standen schon mal da unten. Und wer sagt schon, dass wir nicht erneut aufstehen?“ Auch Vorsitzender Dietmar Hartenstein gibt sich eher gelassen: „Ich kenne das alles und habe das schon mal erlebt. Wir müssen ganz einfach abwarten, was auf uns zukommt. Ich habe jedenfalls volles Vertrauen in unseren sportlichen Leiter, dass er die schwierige Situation in den Griff bekommt.“

Könner benennt die Probleme, mit denen der Verein zu kämpfen hat: „Wir sind ein reiner Innenstadtverein. Da gibt es keine festen Strukturen, wie sie zum Beispiel in den Ortschaften wie Walbeck, Veert oder Kapellen vorhanden sind. Wir haben damals junge Sportler aufgenommen, die von anderen Vereinen nach Hause geschickt wurden. Wir leisten hier echte Integrationsarbeit. 75 Prozent unserer Fußballer haben einen Migrationshintergrund, Bei uns kann jeder spielen, niemand wird nach Hause geschickt.“ Trotz aller Schwierigkeiten gibt es auch Hoffnung, die mehr als nur ein Schimmer ist. Mit dem 51-jährigen Walter Kniest hat der Verein einen Jugendleiter gewonnen, dem es in den vergangenen Monaten dank harter Arbeit und „Klinkenputzen“ gelungen ist, die Mitgliederzahl der jugendlichen Fußballer von 82 auf 154 nahezu zu verdoppeln. Und er gibt sich mit diesem beeindruckenden Lohn seiner Bemühungen noch lange nicht zufrieden.

„Wir müssen ganz unten bei den Bambini und F- und E-Juniorern eine breite Basis schaffen und stabil werden. Die Früchte meiner Arbeit kann dann in einigen Jahren die Seniorenabteilung ernten“, sagt Kniest, der nach dem Motto verfährt: Ohne Fundament fällt jedes Haus zusammen. Freude bereiten den Verantwortlichen außerdem die anderen Abteilungen. „Leichtathletik, Badminton und die Kampfsportarten laufen bestens“, sagt Könner. Und die Zahl der Rollkunstläufer hat sich verdoppelt. Ungeachtet der rein sportlichen Dinge wird der Verein als nächste Maßnahme die Sanierung der Toiletten, Duschen und Umkleidekabinen in Angriff nehmen – Barrierefreiheit selbstverständlich inklusive.

Außerdem können sich Dietmar Hartenstein und seine Mitstreiter durchaus mit dem Gedanken anfreunden, mit dem Schmuckkästchen Gelderland-Stadion im Rücken die Leichtathletik und den Schulsport zu beleben. Fazit: Beim GSV Geldern gibt’s die eine oder andere Baustelle. Aber Resignation sieht anders aus.

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