Fußball GSV Geldern: Chronologie des Niedergangs

Geldern · Im Frühjahr 2018 mischte der GSV Geldern noch in der Spitzengruppe der Bezirksliga mit. Vier Jahre später hat der Verein keine Senioren-Mannschaft mehr. Abteilungsleiter Gerd Möthe sieht dennoch Chancen für die Zukunft.

 Gerd Möthe übernahm den GSV Geldern in Schieflage und hat das sinkende Schiff immer noch nicht verlassen.

Gerd Möthe übernahm den GSV Geldern in Schieflage und hat das sinkende Schiff immer noch nicht verlassen.

Foto: Heinz Spütz

Die Wahrheit liegt nicht nur auf dem Platz. Oftmals ist sie auch unbequem. Der Seniorenfußball beim GSV Geldern ist jedenfalls innerhalb von nur vier Jahren komplett den Bach runtergegangen. Als der Fußball-Ausschuss des Kreises Kleve/Geldern Anfang des Monats seine Ligen einteilte, warteten die Verantwortlichen um Holger Tripp und Gilbert Wehmen vergeblich auf eine Nachricht des Clubs vom Holländer See. Eigentlich hätte die Mannschaft in der Kreisliga B, Gruppe 2, einen Neuanfang wagen sollen. Aber da keine Mannschaft mehr vorhanden ist, steht der GSV Geldern schon vor dem Startschuss als erster Absteiger fest. Frühestens läuft in der Saison 2023/24 wieder ein Team für den Traditionsclub auf – dann in den Niederungen der Kreisliga C. Die Chronologie des Niedergangs:

3. Juni 2018: Das letzte Spiel unter Regie von Peter Streutgens, der als Trainer und Förderer den GSV Geldern von der Kreisliga B bis hinauf in die Bezirksliga geführt hatte, endet mit einem 4:4 beim Hülser SV. Die Mannschaft beendet die Saison als Tabellenfünfter. In Schlagdistanz zum TSV Wachtendonk-Wankum und zur SGE Bedburg-Hau, die mittlerweile in der Landesliga mitmischen.

4. Januar 2019: In der Gelderner Sporthalle am Bollwerk läuft gerade die Hallen-Kreismeisterschaft, als der Vorstand den GSV-Spielern mitteilt, dass die Mannschaft vorzeitig aus der Bezirksliga zurückgezogen wird. Diese hatte sich zuvor als abgeschlagener Tabellenletzter in die Winterpause verabschiedet. „Ich kann mich noch genau an diesen Tag erinnern. Ich war damals als Zuschauer in der Halle. Wenig später haben mich einige Gelderner Spieler gefragt, ob ich nicht vielleicht helfen kann“, sagt Gerd Möthe, der kurze Zeit später tatsächlich als Fußball-Abteilungsleiter das sinkende Schiff übernehmen sollte.

18. August 2019: Ausgerechnet am gefürchteten Koetherdyck in Sevelen startet der GSV Geldern mit einem 1:0 in die neue A-Liga-Saison. Ein zartes Pflänzchen Hoffnung samt Aufbruchstimmung keimt auf. Spielertrainer Erdi Ezer, der inzwischen für den A-Ligisten TSV Nieukerk am Ball ist, hat eine Mannschaft um sich geformt, die im Kreisliga-Oberhaus eine gute Rolle spielen soll. „Doch zu Beginn der Rückrunde kam Corona. Das war für uns der Anfang vom Ende. Viele Spieler haben in der langen Zwangspause nichts für ihre Fitness getan und den Spaß am Sport verloren“, so Möthe.

10. Oktober 2021: Die Kicker sind auf den Platz zurückgekehrt. Der GSV Geldern wagt in der Saison 21/22 noch einmal sein Glück. An jenem Tag gelingt mit einem 1:0 gegen Arminia Kapellen der vorläufig letzte Sieg in der Vereinsgeschichte.

14. Oktober 2021: Die armen Teufel aus Geldern gehen ausgerechnet am „Aermen Düwel“ in Nieukerk 0:10 baden.

24. Oktober 2021: Es folgt eine 0:5-Niederlage im Derby beim SV Veert. Gerd Möthe zieht die Reißleine und meldet die Mannschaft ab. Seitdem hat der GSV Geldern kein Meisterschaftsspiel mehr bestritten. Und wird es auch vorläufig nicht mehr tun.

15. Juli 2022: Der Fußball-Kreis Kleve-Geldern teilt mit, dass die Saison 2022/23 ohne Beteiligung des GSV Geldern über die Bühne geht.

Und jetzt? Steht der Traditionsverein vor dem endgültigen Aus? „Ganz klar nein“, sagt Gerd Möthe, der das sinkende Schiff, das er schon in Schieflage übernommen hatte, immer noch nicht verlassen hat. Der inzwischen 65-jährige Gelderner ist so etwas wie ein Tausendsassa in Sachen Fußball. Einst war er Stadionsprecher, Vorsitzender des Fördervereins und Mann für alle Fälle beim Deutschen Frauen-Meister FCR Duisburg, als dort noch die heutige Nationaltrainerin Martina Voss-Tecklenburg und Rekord-Torjägerin Inka Grings kickten. Vor wenigen Monaten hat er sich zum Geschäftsführer des Fußball-Kreises Kleve-Geldern wählen lassen. Und nebenbei ist er neuerdings auch noch Betreuer des A-Ligisten GW Vernum. Möthe: „Ich sorge dafür, dass Trainer Sascha Heigl die Sonntage etwas leichter fallen.“

Einen Lösungsansatz für den GSV Geldern hat er auch auf Lager: „Der Verein muss sich ganz gezielt um seine drei jüngsten Mannschaften kümmern und auf diese Weise sein angeschlagenes Image in der Stadt aufpolieren.“ Gerd Möthe geht mit gutem Beispiel voran. Der 65-Jährige trainiert die F-Junioren, damit der Traditionsverein vielleicht doch noch eine Zukunft hat.

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