Lokalsport : Golf anno dazumal

Beim "Golf History Cup" in Issum können sich die Freunde des Rasenspiels in die Zeit um 1900 zurückversetzen lassen. Sowohl Hickory-Schläger und Gutty-Bälle als auch die Kleidung entsprechen den Vorbildern von damals.

"Very british" ging es auf dem Golfplatz des Golfclubs Issum-Niederrhein zu. Britisch war auch das Wetter. Die 40 Teilnehmer des "Golf History Cup" mussten immer wieder Schutz vor Regenschauern suchen. Und sie waren gut zu erkennen. Weniger an den Regenschirmen, sondern anhand ihrer ungewöhnlichen Kleidung. Die Herren waren schick in Knickerbockern und Schlips, die Damen in Rock, Bluse und Hut unterwegs. Wer nicht das passende zum Anziehen dabei hatte, konnte sich am Stand von Ulrike Mattuscheck das entsprechende ausleihen.

Thilo Gies, Präsident des Golfclubs, war zum ersten Mal in seinem Leben mit Fliege auf dem Platz anzutreffen. "Ein vollkommen neues Erlebnis", nannte er das Spiel mit den historisch nachempfundenen Hickory-Schlägern und Gutty-Bällen. Während er zu Hause mit dem ungewöhnlichen Equipment schon einmal geputtet hatte, legte Turnierkollege Heinrich Wilhelm Janssen "einen Kaltstart" hin. "Das nutzt sowieso nichts", lautete seine Überzeugung, frei nach dem beliebten Golfspruch: "Ein schlechter Golftag ist besser als ein guter Arbeitstag." Auch Hans-Dietrich Schön verzichtete auf eine Kurzeinweisung und legte direkt los.

Zu Beginn verteilten die Veranstalter, der Golfclub Issum-Niederrhein, das Golfportal am Niederrhein und Golf Network, an jeden Spieler einen Materialsatz, bestehend aus fünf Schlägern in einer Tasche aus Leinen und Leder. Getragen wurde mit der Hand, nichts mit Caddy und hinterherziehen. Die handgearbeitete Ausrüstung aus St. Andrews entspricht dem Material, mit dem von 1870 bis 1899 Golf in Schottland gespielt wurde. Weil das Material ein anderes ist, wurden die Bahnen angepasst und verkürzt. Auf die neuen Abschläge wiesen Schilder mit "Ladies" und "Gentlemen" hin. Der Veranstalter bewies Liebe fürs Detail, denn auch in den Löchern steckten Nostalgie-Fähnchen aus Holz statt der üblichen Fahnen. Ob Nostalgie oder nicht, über einen Ball, der am Loch vorbei rollte, wurde sich genauso geärgert, wie bei einem normalen Turnier Immerhin ging es nicht nur um die Ehre, als Hauptpreis gab es einen Urlaub auf der spanischen Insel La Gomera zu gewinnen.

Für Erfrischung sorgte während des Turniers Willi Liesenberg. An Bord seines Golffahrzeugs hatte er Traubenzucker, Bonbons und Kekse. Und zu einem echten schottischen Golfspiel gehöre natürlich auch Whisky. So wurde Liesenberg nicht müde, Eistee mit Schuss anzupreisen. Außerdem führe er das einzige Handy bei sich, was während des Turniers erlaubt sei, sagte er stolz und präsentiert eine "Flüstertüte". Das Sprachrohr aus Messing war ebenfalls aus vergangenen Tagen, und passte in das Gesamtbild des historischen Turniers.

"Ich kann mich richtig hinein versetzen, wie das früher war", sagte Spielerin Sabine Neuhoff. Eigens für das Turnier hatte sich die 36-Jährige auch eine Knickerbocker mit Schottenmuster von ihrer Mutter geliehen. Das sei mal was ganz anderes, dennoch freue sie sich, wieder mit ihrer eigenen Ausrüstung zu spielen.

Ihr Golfpartner Wolfgang Zigrahn lobte die neue Herausforderung. "Das ist fantastisch. Ich komme mit den Schlägern besser zurecht, als mit meinen eigenen." Neuhoff hoffte währenddessen noch auf "einen Glücksschlag". Eventuell hatte sie dabei den Spruch im Ohr: "God bless your last Gutty-Ball."

(bimo)