Radsport : Gipfelstürmerin auf dem Rad

Ihren Urlaub nutzt die Issumerin Ute Claus gerne für Etappenrennen mit dem Moutainbike. Zuletzt nahm sie an der "Bike Trans Germany" teil. Über viele Höhenmeter ging es von Sonthofen nach Garmisch-Partenkirchen.

Von wegen entspannt zurücklehnen. Wenn Ute Claus Urlaub macht, dann tritt sie kräftig in die Pedale. Das muss sie auch, denn immerhin gilt es viele tausende Höhenmeter zu überwinden. Die Teilnahme an der "Bike Trans Germany" ist das Kontrastprogramm zu ihrer Heimat Issum am platten Niederrhein. Gemeinsam mit Nils Gieskes aus Labbeck bewältigte sie vier Tage lang handfeste Berg- und Talfahrten.

"Eigentlich komme ich aus dem Jogging-Bereich", sagt die 46-Jährige. Beim Wechsel zum Triathlon entdeckte sie, dass ihr Mountainbike fahren besser gefiel als Rennradfahren. Beim Fahrradkauf ließ sie sich von Gieskes beraten und seit zweieinhalb Jahren geht es mit dem Geländesportrad auch in Urlaub. Israel, Marokko, Syrien, alles schon bereist. Dann natürlich mit Gepäck, während es beim Etappenrennen wirklich um das sportliche Ereignis geht. Obwohl die Issumerin sagt, dass sie "piano" unterwegs ist, erreichte sie den 31. von insgesamt 74 Plätzen, Gieskes landete auf Platz 141 von 267. "Wir waren wirklich gut", sagte Claus über ihre Teilnahme bei der "Bike Trans Germany".

Dabei hielt die fast 300 Kilometer lange Strecke von Sonthofen bis nach Garmisch-Partenkirchen einige Herausforderungen bereit. Bereits die erste Etappe über 73,10 Kilometer von Sonthofen nach Pfronten führte über 2715 Höhenmeter. Der Streckenbelag bestand mehr als die Hälfte des Weges aus grobkörnigem Schotter, asphaltierte Wege waren klar in der Minderheit.

Dazu kamen "ruppige Abfahrten und fiese, kleine Rampen". Angst vor Verletzungen dürfe man nicht haben, sagt dann auch die 46-Jährige, die bei der Volksbank an der Niers als Kundenberaterin arbeitget. Wenn es zu brenzlig wird, dann ist sie sich auch nicht zu schade und schiebt. "Ich setze mich nicht unter Druck." Wenn sie schiebt, würden auch andere absteigen. "Denn man weiß nie, was ein Fahrer macht, der von oben kommt."

Trainiert wird zweimal in der Woche. Um am Niederrhein annährend die Bedingungen vorzufinden, die die Teilnehmer während der "Bike Trans Germany" erwarten, fährt Claus in den Tüschenwald bei Sonsbeck, "die einzigen Berge, die wir haben." Mit der Leidenschaft für den rasanten Sport über die Gipfel ist sie nicht alleine. Neben Gieskes hat sie in Issum noch zwei und in Kerken einen Mitstreiter gewonnen. Eindeutig sind die Frauen beim sportlichen Gelände-Radfahren unterrepräsentiert. Unter den fast 800 Teilnehmern der "Bike Trans Germany" waren nur zehn Prozent Frauen.

Vorneweg fuhr übrigens kein Geringerer als der amtierende Mountainbike-Marathon-Weltmeister Christoph Sauser, der sich auch bei diesem Wettbewerb an die Spitze des Feldes setzte. "Die Profis wechseln je nach Streckenbelag die Bereifung, wir haben nur ein Fahrrad dabei", nennt sie die Unterschiede. Trotzdem sitzen alle Radfahrer bei der Pastaparty zusammen, "Starallüren" gebe es in der Sportart nicht. Für die "Bike Trans Germany" hatten sich aber auch Ute Claus und Nils Gieskes Hilfe geholt. Gieskes' Vater fuhr die Etappe mit dem Auto mit, um die beiden Geländesportradfahrer jeden Morgen zum Start zu fahren. "Das Hotel ist manchmal zehn Kilometer entfernt gewesen, und so hätten wir bereits morgens unsere ersten Höhenmeter gehabt", sagt die Issumerin, die sich dankbar über den Fahrdienst zeigte.. Gut war auch der private Abholservice am vierten und letzten Tag, der mit viel Regen und Kälte einer Schlammschlacht gleichkam. Kalt und frierend wurde das Ziel erreicht, bevor die Fahrt ins warme Hotel mit dem Auto anstand. "Im Nachhinein ist es immer superschön", sagt die 46-Jährige. Auch wenn ihr beim Sport Wind und Wetter nichts auszumachen scheinen, zur Arbeit fährt sie nur mit dem Rad, wenn es nicht regnet. "Da bin ich dann eine Schönwetterfahrerin", wie sie gerne zugibt.

(bimo)