Geldern: Tischtennis-Länderspiel viel zu teuer.

Tischtennis : Eugen Brück und die Länderspiel-Posse

Der TTC Geldern-Veert hätte gerne die deutsche Tischtennis-Auswahl der Frauen präsentiert. Doch dann trudelte der Auflagen-Katalog ein.

Die Lockvogel-Mail klang viel versprechend. „Von diesen Länderspielen können Sie als Verein direkt profitieren.“ Hört sich schon einmal gut an. „Werden Sie Gastgeber für die Schützlinge von Jie Schöpp und tragen Sie zu einer erfolgreichen Europameisterschaft bei.“ Da lässt sich doch kein Sportfreund zweimal bitten. Dachte sich auch Eugen Brück, Vorsitzender des Tischtennis-Clubs (TTC) Blau-Weiß Geldern-Veert, zumal die elektronische Post einen seriösen Absender hatte: Westdeutscher Tischtennis-Verband.

Gesagt, getan: Der erfahrene Funktionär, der in der Vergangenheit schon einige sportliche Großveranstaltungen erfolgreich auf die Beine gestellt hat, wollte den vielen Tischtennis-Freunden im Gelderland einmal wieder einen Leckerbissen servieren. Und bewarb sich kurzerhand um die Ausrichtung des EM-Qualifikationsspiels der deutschen Frauen-Nationalmannschaft, das am Dienstag, 20. November, über die Bühne gehen soll.

Wenige Tage später staunte der 75-Jährige nicht schlecht. In seinem Briefkasten fand er einen großen Umschlag vor. Inhalt: Ein umfangreicher Forderungskatalog mit der Überschrift „Checkliste für Durchführer“. Absender: Eine „Tischtennis-Marketing GmbH“ mit Sitz im hessischen Karben, die offenkundig für den Deutschen Tischtennis-Bund (DTTB) internationale Spiele organisiert. Eugen Brück verstand die Welt nicht mehr, als er sich die Auflagen durchlas, die der Gastgeber einer solchen Veranstaltung erfüllen muss. „Ich habe schon nach wenigen Zeilen nur noch mit dem Kopf geschüttelt“, sagt der Gelderner, der unter anderem in seiner Funktion als Vorsitzender des Stadtsportverbandes schon viel erlebt hat.

„Länderspiel, nein danke“: Eugen Brück hat auf die Organisation verzichtet, nachdem er die „Checkliste für Durchführer“ durchgelesen hatte. Foto: Klatt
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Müsliriegel und spezielles Mineralwasser zum Training hätten sich ja noch mit einem Augenzwinkern verschmerzen lassen. Aber jetzt kommt’s: Der TTC Geldern-Veert hätte einer großen Delegation von insgesamt 28 Personen eine Hotelübernachtung spendieren müssen. Weiteres Beispiel aus dem Auflagen-ABC: Ein separater Presseraum samt Internetanschluss. „Ich habe das Ganze einmal grob überschlagen. Und bin schließlich bei rund 15000 Euro gelandet. Das kann sich natürlich kein Amateurverein leisten“, sagt Brück. Die Summe ist in der Tat fast schon unverschämt, zumal ein Länderspiel der deutschen Frauen gegen das Tischtennis-Mutterland Luxemburg nun wirklich nur Enthusiasten der Sportart hinter dem Ofen hervorlocken dürfte.

Eugen Brück macht jedenfalls noch eine andere Rechnung auf: „Seit der Jahrtausendwende hat der Deutsche Tischtennis-Bund jährlich jeweils rund 10000 Mitglieder verloren. Diesem Trend steuert man nicht unbedingt entgegen, wenn man besondere Spiele an ein externes Unternehmen vergibt.“

Der Tischtennis-Firma in Hessen hat der TTC-Vorsitzende einen freundlichen Brief geschrieben. Mit dem kleinen Hinweis darauf, dass er die Spielerinnen und Spieler seines Vereins zum Saisonstart mit Müsliriegeln beglücken wird. Das Geld ist gut angelegt.

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