1. NRW
  2. Städte
  3. Geldern
  4. Sport Geldern und Kevelaer

Fußball: Zahl der Altherren-Teams im Kreis Kleve ist gesunken

Fußball : Oldies schwelgen in Erinnerungen

Früher war es üblich, dass ein Verein mindestens ein Altherren-Team hatte, in denen Spieler, die ihre aktive Laufbahn beendet hatten, weiter kicken konnten. Ein Mentalitäts- und Freizeitwandel hat das erheblich verändert.

Wenn heutzutage ein Fußballer seine aktive Laufbahn beendet, heißt das noch lange nicht, die Fußballschuhe an den Nagel zu hängen. Schließlich gibt es noch in vielen Vereinen die Altherren-Abteilungen. Auch dort geht es auf dem Platz mitunter engagiert zur Sache. Vor allem im vergangenen Jahrhundert boomte der Sport der Senioren-Kicker.

Die erste Altherren-Mannschaft des SV Walbeck, die 1959 gegründet worden war, führte über Jahrzehnte Statistik über die sportlichen Aktivitäten. So wurden im Spieljahr 1984 insgesamt 52 Paarungen ausgetragen. 27 Siege, 13 Remis und 13 Niederlagen waren eine sehenswerte Bilanz.

Der volle Spielplan führte mitunter auch zu skurrilen Verhaltensweisen der Oldies. An einem Karnevalssamstag fuhren die Walbecker zunächst mit dem Narrenschiff durchs Dorf, anschließend traf man sich auf der Platzanlage am Bergsteg, wo dann das samstägliche Spiel ausgetragen wurde.

Der Samstagnachmittag war auf alle Fälle für die Alten Herren fest verplant. Obligatorisch ging es nach dem Spiel gemeinsam mit dem Gegner auf ein Bier ins Vereinslokal. Eine Flasche wurde ausgeknobelt, schließlich musste Geld in die Teamkasse für die jährliche Tour. Kameradschaft wurde groß geschrieben. So gestaltete sich die dritte Halbzeit schon mal etwas länger.

Auch außerhalb des Spielfeldes waren die Alten Herren immer aktiv. Ob es nun der jährliche Wandertag oder der Karnevalsabend war, an Ideen mangelte es nie. Anfang der 1980er Jahre gründete sich in Walbeck die zweite Oldies-Mannschaft. Highlight des Jahres war das Aufeinandertreffen der beiden Walbecker Teams.

Den Rekord an Altherren-Teams hält aber die Marienstadt Kevelaer, wie Rolf Sturme sagt. „Zu den besten Zeiten gab es beim Kevelaerer SV fünf Altherren-Teams. Die Kicker, die Altsenioren, die Altfußballer, die Ü-40 und die Mumien. Davon übrig geblieben sind nur noch die Alt-Senioren, die heute noch einen Spieltrieb durchführen“, sagt Sturme, der selbst immer noch die Fußballschuhe schnürt. „Nach und nach fehlte der Nachwuchs und ein verändertes Freizeitverhalten stellte sich ein. Blieb man noch vor Jahren nach den Spielen mit dem Gegner auf ein Bier zusammen, verabschiedet sich heute zunehmend die jüngere Generation nach dem Spiel und eilt davon.“ Doch so ganz am Ende ist der Altherren-Fußball noch nicht. So treffen sich die Kevelaerer neben dem Spielbetrieb auch zum Kick in der Halle in Weeze oder Donnerstags bei Scholten.

Antreiber und Sprachrohr ist dabei immer noch Horst „Pille“ Gecks, der es sich nicht nehmen läßt, auch die Oldies immer noch mal zu belehren und zu korrigieren. Momentan erholt er sich von einer Herz-Operation. An dieser Stelle die besten Genesungswünsche.

In anderen Vereinen, wie bei der DJK Twisteden, läuft der Altherren-Betrieb auch noch. „Wir haben noch einen Stamm von rund neun Spielern, verstärken uns aber aus der Senioren-Abteilung und können so rund 25 Partien im Jahr absolvieren“, sagt Michael Gecks, der auch Fußball-Obmann bei der DJK ist. Zunehmend finden die Begegnungen aber auch in der Woche statt, weil viele Spieler den Samstag dafür nicht mehr opfern wollen. Viele andere Mannschaften – Viktoria Winnekendonk, Union Wetten oder GSV Geldern – mussten inzwischen die Segel streichen oder können aus Personalnot nur noch sporadisch am Spielbetrieb teilnehmen. Auch beim SV Walbeck, wo die beiden Altherren-Teams im Jahr 2000 fusionierten, ist der Spieltrieb nahezu zum Erliegen gekommen. Nur ein kleines Ü-30-Team nimmt noch ein einem Kleinfeldturnier teil, das vom Fußballverband Niederrhein organisiert wird.

Dennoch hält die Altherren-Abteilung des SV Walbeck, die rund 70 Mitglieder zählt, fest zusammen. Der Wandertag und die jährlich Tour stehen nach wie vor fest auf dem Programm, auch mehrere Kegel-Nachmittage im Jahr. Vielleicht kommen bald wieder bessere Zeiten und die nachfolgende Generation verspürt wieder Lust, auch nach der aktiven Laufbahn weiter Fußball zu spielen. Dann könnten die Walbecker ihren Spielbetrieb ganz schnell wieder hochfahren.