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Fußball: Jiha Yoo geht seinen Weg beim SV Straelen unaufhaltsam

Fußball-Regionalliga : Jiha Yoo geht seinen Weg beim SV Straelen unaufhaltsam

Der 22-Jährige hat sich beim SVS etabliert. Am Samstag empfängt er mit seiner Mannschaft den FC Wegberg-Beeck. Es gibt ein Wiedersehen mit Kevin Weggen und Aram Abdelkarim.

Erst kam er nicht, dann spielte er nicht und nun ist er aus der Mannschaft nicht mehr wegzudenken. Die Rede ist von Jiha Yoo, den der Fußball-Regionalligist SV Straelen zu Saisonbeginn vom Oberligisten Teutonia St. Tönis verpflichtet hatte.

Der 22-jährige Innenverteidiger wuchs als Einzelkind in der südkoreanischen Hauptstadt Seoul auf. Den Spaß am Fußball hatte er bereits recht früh für sich entdeckt. Und ab dem zehnten Lebensjahr stand für ihn fest, später einmal Fußballprofi zu werden. Er war 13 Jahre alt, als seine Eltern, die den gleichen Arbeitgeber hatten, aus beruflichen Gründen nach Tokio umzogen. Im Speckgürtel der Mega-City schloss er sich für sechs Jahre der Fußball-Akademie von Yokohama F. Marinos, einer der erfolgreichsten Fußballvereine Japans, an.

Während dieser Zeit lernte er, fließend japanisch zu sprechen. Die High-School hatte er erfolgreich absolviert. Er war nun 18 Jahre alt, als er wieder in sein Heimatland zurückkehrte und ein Angebot aus der „K-League“ vom Erstligisten „Pohang Steelers“ erhielt.

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„Da habe ich aber kein Spiel gemacht, sondern immer nur in der zweiten Mannschaft gespielt“, sagt er. Doch der junge Koreaner wollte Karriere machen und suchte die Herausforderung. „In Korea kommt man nur mit Beziehungen weiter, aber ich hatte davon gehört, dass in Deutschland eher die Leistung zählt, um aufsteigen zu können.“

Im Sommer 2020 stellte ein Berater den Kontakt zum Oberliga-Aufsteiger Teutonia St. Tönis her. Jiha Yoo ließ sich auf eine Reise in ein Fußball-Abenteuer ein. Die uneingeschränkte Zustimmung seiner Eltern hatte er. In einem völlig neuen Lebenskreis wurde Holger Krebs, Sportlicher Leiter im Verein, zu seiner Bezugsperson, der ihm half, Orientierung zu finden. Jiha Yoo wurde auf Anhieb Stammspieler. Corona sorgte für ein abruptes Ende und Ende 2020 flog er zurück zu seinen Eltern. In Seoul hielt er sich so gut es ging fit, arbeitete vornehmlich an seiner Athletik, bis ihn in seiner koreanischen Heimat ein Angebot aus dem 9000 Kilometer entfernten Straelen erreichte.

„Natürlich war ich begeistert. Und ich glaube, Holger Krebs hat da mitgemischt.“ Das Angebot nahm er an, doch zum Trainingsauftakt Anfang Juli war er nicht da. „Wegen der Pandemie war es sehr schwer, ein Visum zu bekommen“, sagt der 22-Jährige. Mit mehr als sechs Wochen Verspätung, Ende August, trudelte er zur ersten Trainingseinheit an der Römerstraße an – ohne Spielberechtigung vom koreanischen Fußball-Verband. Nach sechs Wochen überschlugen sich dann die Ereignisse. Freitagmorgen, 1. Oktober: Spielberechtigung trifft ein. Freitagnachmittag: Ole Päffgen verletzt sich beim Training – nur noch Adli Lachheb als Innerverteidiger da. Freitag nach dem Training: Jiha Yoo wird für die Startelf nominiert. Samstagnachmittag: Jiha Yoo glänzt bei seinem Debüt-Spiel gegen den SV Lippstadt und läuft bis heute mit der Anfangsformation in der Regionalliga auf.

Mit den japanischen Teamkollegen Toshiaki Miyamoto und Kanta Ishii bildet er eine Wohngemeinschaft, in der, ähnlich wie auf dem Platz, die Rollen klar verteilt sind: Kanta ist der Koch und Spezialist für Pasta- und Reisgerichte, für den Abwasch und die Waschmaschine ist Jiha Yoo zuständig. Toshiaki ist die „Putzfrau der WG“ – Einkäufe werden gemeinsam erledigt.

In seiner Freizeit studiert Jiha Yoo an der Fernuniversität Sport-Management oder arbeitet im Fitness-Center an seiner physischen Stärke. Sein Wunsch ist es, vielleicht einmal in der Zweiten Liga spielen zu können, ein vertragliche Bindung an den SV Straelen über diese Saison hinaus ist für ihn ebenfalls gut vorstellbar. Wenn der 22-Jährige am Samstag mit seiner Mannschaft auf den FC Wegberg-Beeck mit den Ex-Straelener Spielern Kevin Weggen und Aram Abdelkarim trifft, wird er um die Bedeutung dieses prestigeträchtigen Spiels nicht wissen. Ungeachtet der Brisanz, die in dieser Partie steckt, mag er Spiele, in denen es ordentlich zur Sache geht.