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Fußball: Aram Abdelkarim ist der Edeltechniker des SV Straelen

Fußball : Aram Abdelkarim spielt die Gegner schwindelig

Seit der Saison 2017/18 kickt der 26-Jährige für den Regionalligisten SV Straelen. Er hat dem Team schon so manchen Punkt gerettet. Ein Bänderriss verhinderte vor fünf Jahren den Sprung in den Profikader von Fortuna Düsseldorf.

Aram Abdelkarim ist der Mann für die genialen Momente beim Fußball-Regionalligisten SV Straelen. Drei Tore in zwölf Spielen klingt zunächst nicht gerade spektakulär für einen offensiven Mittelfeldspieler, doch mit jedem Treffer erzielte er den Ausgleich zum späteren Endstand.

Geboren wurde er 1994 in der irakischen Großstadt Dohuk, die in der autonomen Region Kurdistan liegt. Zwei Jahre später verließen seine Eltern zu Fuß das krisengeschüttelte Land, um ihren Kindern ein besseres Leben in Europa zu ermöglichen. Über die Türkei und Griechenland kamen sie in Göttingen an. Anschließend ging es nach Mönchengladbach, wo Verwandte wohnten.

Fußball spielte Aram Abdelkarim beim 1. FC Mönchengladbach. Schon als A-Jugendlicher wurde er in die erste Mannschaft hochgezogen. Sein damaliger Trainer ist heute sein Sportlicher Leiter beim SV Straelen, Stephan Houben. Sich eventuell der großen Borussia anzuschließen, hatte der 26-Jährige nie im Sinn. Ihm ging es in seinem Verein gut. Er hatte dort Freunde, sein vertrautes Umfeld und genoss hohe Popularität bei den Fans. „Ich habe es einfach laufen lassen und keine Gedanken an eine mögliche Profi-Karriere verschwendet. Vielleicht hat mir dazu auch der Ehrgeiz gefehlt“, so Abdelkarim.

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In der Landesliga sorgte er schon für positive Schlagzeilen. Als 20-Jähriger wurde er dann von Fortuna Düsseldorf verpflichtet. Dort spielte er in der U 23 in der Regionalliga.“ „Erst da habe ich erfahren, dass Düsseldorf mich schon in der Jugend haben wollte, aber mein Verein die Angebote nicht an mich weitergeleitet hat“, sagt er. Schon im ersten Jahr setzte er sich durch und wurde Stammspieler. In der Vorbereitung auf seine zweite Saison bescheinigte ihm sein Düsseldorfer Trainer Taskin Aksoy, dass er das Potenzial habe, einen Profivertrag zu bekommen. „In dem Jahr habe ich mich richtig reingehängt und meine beste Vorbereitung gespielt. Wir waren mit der Mannschaft bei einem Turnier in Südkorea. Im letzten Spiel ist mir das Innenband im Knie gerissen“, erinnert er sich und spricht von einer schmerzlichen Verletzung im doppelten Sinne. Zum einen, weil die Verletzung tatsächlich sehr schmerzhaft war. Und zum anderen, weil Aksoy einige Monate später die Profi-Mannschaft übernahm und er ihn sicher mitgenommen hätte. „Er war mein Förderer und ich gehörte zu seinen Lieblingsspieler, aber wegen der Verletzung hat es nicht hingehauen“, sagt Abdelkarim.

Er kämpfte sich wieder ins U-23-Team zurück, hatte aber ständig Schmerzen. Diese wurden von Vereinsseite anders interpretiert, die Wege trennten sich. Etwa zum gleichen Zeitpunkt gab es ein Riesenkrach mit dem traditionell und konservativ eingestellten Oberhaupt der Familie, seinem Vater. Dieser verordnete ihm eine „Zeit der Besinnung“ und schickte ihn mit einem One-Way-Ticket zu einem Bruder nach Schweden. Dort musste Aram Abdelkarim im Betrieb seines Onkels arbeiten, spielte aber parallel dazu in der zweiten schwedischen Liga für IFK Berga. Unter dem Vorwand, er wolle nur das Champions-League-Spiel zwischen dem FC Barcelona gegen Borussia Mönchengladbach sehen und deshalb nach Deutschland fliegen, gelang ihm im Dezember 2016 „die Flucht“ aus Schweden.

Nach einer Episode bei Wattenscheid 09 führte Stephan Houben, der als damaliger Trainer mit dem SV Straelen gerade den Aufstieg in die Oberliga geschafft hatte, ein intensives Gespräch mit Abdelkarims Vater. Zur Saison 2017/18 wechselte der Flügelflitzer an die Römerstraße. „Eigentlich wollte ich nicht in die Oberliga, aber ich stand zu sehr unter dem Einfluss meines Vaters und da hatte ich nicht mehr die freie Wahl.“ Aktuell spielt er eine sehr gute Saison und scheint so fit wie nie zuvor zu sein. Sein Wechsel zum SVS hat sich bislang bezahlt gemacht – für ihn und den Verein.