Sportschießen: Freude über gemeinsame Erfolge

Sportschießen: Freude über gemeinsame Erfolge

Die Zwillinge Anna und Franka Janshen sind 16 Jahre jung. Zuhause sind sie in Wetten. Ihre sportliche Heimat haben sie bei der SSG Kevelaer. Heim- und Landestrainer Rudi Joosten hat die Geschwister an die nationale Spitze geführt.

Für einen Zwilling ist es nicht ungewöhnlich, viele Gemeinsamkeiten zu haben. Erst recht dann, wenn es sich um eineiige Zwillinge handelt. So verwundert es nicht, dass Anna und Franka Janshen aus der Kevelaerer Ortschaft Wetten in der Schieß-Sport-Gemeinschaft (SSG) Kevelaer das Sportschießen als gemeinsames Hobby teilen. Doch der sportliche Erfolg, den die erst 16-Jährigen im Gleichklang an den Tag legen und der sie im nächsten Jahr in die Junioren-Nationalmannschaft führt, ist in Deutschland einmalig.

Seit mehr als zwei Jahren sind der Name Janshen und SSG Kevelaer in den Siegerlisten des Sportschießens feste Größen. Doch wer sicher sein will, wer auf dem Siegerpodest stand, musste genau hinsehen. Das liegt nicht nur daran, dass sich Anna und Franka Janshen zum Verwechseln ähnlich sehen. Die beiden wechseln sich nämlich auch schon mal gerne auf dem Siegerpodest ab. Und diesen Weg werden sie auch weiterhin gemeinsam gehen.

So zum Beispiel in der anstehenden zweiten Runde der Ausscheidungswettkämpfe zur Teilnahme an den Europameisterschaften Anfang 2018 im ungarischen Györ. Für die drei Startplätze können sich noch neun Juniorinnen qualifizieren, zu denen Anna und Franka gehören. Anna hat noch gute Erinnerungen an die EM Anfang 2017, bei der sie mit der Mannschaft den Titel und im Einzel Bronze gewann.

Überhaupt war das zu Ende gehende Sportjahr für die Wettenerinnen mit Erfolgen gespickt. Gemeinsamer Höhepunkt waren die Deutschen Jugend-Meisterschaften im Sommer in München, als sie gleich dreimal gemeinsam mit ihrer Vereinskollegin Alison Bollen auf dem Siegerpodest standen, um die Mannschaftsmedaillen in Empfang zu nehmen.

Anna hat sportlich mit dem Gewinn der Vize-Weltmeisterschaft im thüringischen Suhl und der Silbermedaille beim Qualifikationsturnier in Baku (Aserbaidschan) für die Jugendolympiade 2018 in Buenos Aires auch international für Furore gesorgt. Dafür wurde sie auch mit dem Eintrag ins Goldene Buch der Stadt Kevelaer geehrt und traf jüngst den Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier, der im Rahmen einer Fernsehaufzeichnung in der Kevelaerer Basilika zu Gast war.

Dennoch bleiben die Schwestern in der gemeinsamen Freude über den Erfolg der anderen vereint. Vielleicht ist dies auch ein Grund mit dafür, dass die Schülerinnen trotz ihrer Erfolge die Bodenhaftung behalten haben. "Andere heben bei so viel Rummel um ihre Person schon mal ab. Aber Anna und Franka sind immer noch die fröhlichen und hilfsbereiten Teenager, die sie vorher waren", sagt Trainer Rudi Joosten.

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Joosten darf sich mit Recht als "Vater des Erfolges" bezeichnen, auch wenn er solche Attribute gar nicht gerne hört. Als Heim- und Landestrainer kennt er das Erfolgspärchen seit mehr als sechs Jahren und hat sie vom ersten Trainingsschuss bis zu den heutigen Erfolgen behutsam und kontinuierlich aufgebaut. Dabei stimmt er die Anforderungen individuell auf die Gaesdonker Schülerinnen ab, um Schule und Training unter einen Hut zu bringen.

Trotz des gleichermaßen großen Trainingsfleißes ist den Geschistern das Talent zweifelsohne vor 16 Jahren mit in die Wiege gelegt worden. Bereits Vater Lambert Janshen war ein guter Sportschütze, und Bruder Simon wurde ebenfalls Deutscher Schülermeister und ist heute Sportleiter der SSG Kevelaer.

Schulisch steht für die Janhsen-Zwillinge im kommenden Jahr der Wechsel in die Oberstufe an. Und auch sportlich warten auf die erst am Anfang ihrer sportlichen Karriere stehenden Schwestern weiterhin gemeinsame Ziele. Auf dem sportlichen Wunschzettel unter dem Weihnachtsbaum standen bei beiden neben der Qualifikation für die Europa- und Weltmeisterschaften auch der Einstieg in die Bundesligamannschaft Luftgewehr der SSG Kevelaer.

Hier können beide für die Mannschaft eine Unterstützung und Verstärkung sein. Für die Teilnahme an der Bundesliga in diesem Jahr waren sie laut Deutschem Schützenbund (DSB) noch zu jung, was zu allgemeinem Unverständnis in der Fachwelt führte. Dies umso mehr, als Anna aus Sicht des DSB aber nicht zu jung war, um als jüngste Teilnehmerin bei den Europameisterschaften für den Verband international an den Start zu gehen.

Anna und Franka Janshen machen sich darüber nicht unnötig einen Kopf. Sie konzentrieren sich vielmehr auf das, was sie besonders gut können. Mit dem Luftgewehr im Anschlag die Zielscheibe anzuvisieren und möglichst häufig in deren Zentrum zu treffen.

(RP)