Handball : "Es denkt niemand an den Aufstieg"

Der neue Trainer hat die Handballer des TV Issum überraschend an die Tabellenspitze der Landesliga geführt. Der 53-jährige Tönisvorster bleibt trotz der imponierenden Erfolgsserie seiner Mannschaft auf dem Teppich. Am Sonntag geht's wieder los.

issum Zehn Siege, nur eine Niederlage - die Handballer des TV Issum haben sich überraschend als Tabellenführer der Landesliga, Gruppe 3, in die Winterpause verabschiedet. Auch der neue Trainer Tom Strack hatte im Vorfeld nicht mit einer solch beeindruckenden Bilanz gerechnet.

Vor dem Start hatten Sie ihrer neuen Mannschaft eine schwere Saison vorausgesagt. Der fünfte Platz aus der Vorsaison sei kaum zu wiederholen. Weshalb waren Sie damals eher skeptisch, und wie beurteilen Sie die Situation jetzt?

Strack Für mich war diese Gruppe Neuland. Ich konnte die gegnerischen Teams nur schwer einschätzen. Dazu kamen die Weggänge und Verletzungen in Issum - also eine insgesamt recht problematische Personalsituation. Inzwischen sollten wir uns sicherlich auch andere Ziele stecken können, auch wenn dabei niemand von uns an den Aufstieg denkt. Wir wollen weiter einfach den Moment genießen, Spaß am Handballspiel haben und hoffen, dass die Personaldecke nicht noch dünner wird. Dann können wir vielleicht so lange wie möglich oben mitmischen.

Wie sehr überrascht Sie selbst die Tatsache, dass Ihre Mannschaft aktuell die Landesliga-Tabelle anführt und bislang nur gegen den punktgleichen Verfolger Dinslaken verloren hat?

Strack Davon bin ich extrem überrascht, und das gilt nicht nur für mich, sondern auch für die Spieler. Aber Platz eins ist zum jetzigen Zeitpunkt nur eine Momentaufnahme. Wir wissen, dass der Schuss ganz schnell wieder nach hinten losgehen kann. Wir sind sicherlich kein Meisterschaftsfavorit, auch wenn einige Konkurrenten uns diesen Stempel jetzt gerne aufdrücken. Unser Problem ist schlichtweg, dass aktuell der Nachwuchs fehlt, um dauerhaft oben mitspielen zu können. Auch wenn wir zurzeit einen attraktiven Handball spielen, würden wir jeden Spieler, der zu uns kommen möchte, mit offenen Armen empfangen.

Die personelle Situation ist in der Tat nicht berauschend. Besonders die Torhüterposition bereitet Kopfzerbrechen. Sind Alternativen zu Jens Holsteg in Sicht?

Strack Jens hat momentan tatsächlich das Pech, dass er in jedem Spiel 60 Minuten durchhalten und seine Leistung zeigen muss. Lars Götting war zwar wieder fit, musste aber aus beruflichen Gründen zumindest vorübergehend nach Süddeutschland ziehen. Ich bin froh, dass unsere Torhüter, die ihre sportliche Laufbahn eigentlich schon beendet hatten, ihr Wort halten und im Notfall einspringen. Aber leider haben wir zurzeit nur einen festen Spieler auf dieser Position. Vielleicht möchte ja ein Keeper zu uns wechseln.

Wie sieht es mit den angeschlagenen und verletzten Spielern aus?

Strack Christoph Leenings und Niklas Kluge sind auf dem Wege der Besserung, brauchen aber noch ein wenig Zeit. Tobias Nießen wird mit seinem Kreuzbandriss eher längere Zeit ausfallen. Immerhin ist in Markus Mölders ein ehemaliger Issumer in der Winterpause aus Friedrichsfeld zu uns zurückgekehrt. Wie ich schon gesagt habe, dürfen gerne noch weitere Spieler kommen. Ich würde mich beispielsweise über Talente freuen, die sich bei uns profilieren wollen.

Was trauen Sie Ihrer Mannschaft in diesem Jahr zu?

Strack Meiner Mannschaft ist noch viel zuzutrauen, trotz dünner Personaldecke. Sie hat viel Ehrgeiz auf dem Spielfeld und gibt sich nie auf, auch bei Rückständen nicht. Insofern können wir uns berechtigte Hoffnungen auf einen Platz unter den ersten Drei machen. Wenn alles glatt läuft und sich vor allem niemand mehr verletzt, kann sogar die Tabellenführung verteidigt werden. Aber davon gehe ich nicht aus. Favorit ist und bleibt für mich der MTV Dinslaken II, der spielerisch in meinen Augen das stärkste Team der Liga stellt.

Am Sonntag geht's mit dem Gastspiel beim Tabellenvierten HC TV Rhede wieder los. Ihre Prognose ?

Strack Ich sehe uns nicht in der Favoritenrolle. In Rhede hängen die Trauben sehr hoch. Einerseits liegen uns Sonntagabendspiele überhaupt nicht. Und Rhede stellt eine robuste Mannschaft, die zu Recht oben mitspielt. Dieser Gegner kommt aus einer stabilen Abwehr heraus mit Druck nach vorne. Die Defensivreihe müssen wir zunächst einmal knacken. Selbstverständlich reisen wir aber nicht dorthin, um die Punkte im Münsterland zu lassen. Ich vertraue auf unsere Tugenden: Ehrgeiz und Kampfstärke bis zum Schlusspfiff.

DAS GESPRÄCH FÜHRTE STEFAN MÜLDERS

(stemu)
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