Reiten Erfolgserlebnis hoch zu Ross

Bewegungserziehung am Pferd, so heißt das Angebot beim RV "Marschall Vorwärts" Aldekerk, das Antje Kulms seit eineinhalb Monaten leitet. Kinder ab drei Jahren sollen Spaß und Kontakt zum Tier haben.

Angst hat Leander schon lange nicht mehr. Sicher steht er auf dem Rücken von "Lady", während das Pferd ruhig seine Runden dreht. Der Neunjährige wird dabei von seiner Mutter genau beobachtet, denn Antje Kulms leitet die Voltigiergruppe beim Reitverein "Marschall Vorwärts" Aldekerk.

Als nächstes schwingt sich Pia (8) auf den Pferderücken. Nach einigen klassischen Übungen folgt eine eher ungewöhnliche Aktion: Die fünfjährige Mona wirft ihrer Schwester einen weichen Ball zu, den diese im Ritt fangen muss. Der erste Versuch geht noch daneben, dann aber hat Pia den Ball sicher gefangen.

Spielerische Übungen

Zu diesem Zeitpunkt fallen die Unterschiede zum klassischen Voltigieren, dem akrobatischen Turnen zu Pferd, auf. Tatsächlich geht Antja Kulms in ihren Übungsstunden darüber hinaus. "Es ist kein Sportvoltigieren", erklärt die 44-Jährige, vielmehr handele es sich um Bewegungserziehung am Pferd — bereits für die Kleinsten ab drei Jahren geeignet. "Die Kinder sollen Spaß und Kontakt mit dem Tier haben. Ich möchte ihnen zunächst Vertrauen in das Pferd und dessen Bewegungen geben."

Daher sind gerade für die jüngeren Teilnehmer die Übungen recht spielerisch aufgebaut, denn sie sollen langsam herangeführt werden. Oft sind Bälle, Ringe oder Tücher im Einsatz.

"Es handelt sich um eine Mischung aus klassischem Voltigieren und therapeutischem Reiten", sagt Kulms und erläutert die "Nebeneffekte" ihrer Arbeit: "Motorik und Sensorik der Kinder werden gestärkt und das Sprachzentrum angeregt." Dies mache sich vor allem bemerkbar, sobald die Kinder vom Pferd herunter sind: "Dann fangen sie sofort an zu quasseln", erzählt Antje Kulms lachend. So erinnere sie sich an Fälle, wo selbst "autistische Kinder auf dem Pferd richtig aufgeblüht sind".

Für die kleinen Voltigierer stellt sich aber noch ein weiterer positiver Aspekt ein: die Stärkung des Selbstbewusstseins. "Wenn sie zum ersten Mal auf den Pferderücken stehen können, ist das ein Erfolgserlebnis", sagt Kulms. Hinzu komme, dass die wenigsten Eltern dies können. "Und etwas zu schaffen, was Mama und Papa nicht können, ist immer toll."

Die Kinder lernen aber auch das "Drumherum" des Reitsports kennen. So legt Antje Kulms gerne mal eine Putzstunde ein. "Dabei sollen die Kinder das Pferd pflegen und den Reitstall kennen lernen." So werde der Kontakt zwischen Mensch und Tier weiter gestärkt.

Neue Gruppe für Jungen

Vier Gruppen gibt es derzeit beim Reitverein, eine weitere soll demnächst dazukommen: nur für Jungs. "Eine solche Gruppe hatte ich bereits, und das Arbeiten hat mir sehr viel Spaß gemacht", sagt Kulms. Jungen fordern ganz andere Übungen, "bei ihnen kommt mehr die Abenteuerlust durch. Sie wollen Ritter und Indianer sein."

(RP)
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