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Reitsport: Eine Turnstunde auf Josefs Rücken

Reitsport : Eine Turnstunde auf Josefs Rücken

Die Gewinner der RP-Aktion Louisa Auler und Finn Reidenbach verbringen einen Nachmittag mit Voltigierpferd Josef. Möglich machen das die Trainerinnen Jutta Knopp und Michaela Verweyen vom Reit- und Zuchtverein Ziethen Issum.

Hinstellen, Arme ausbreiten, Finger strecken und lächeln — das klappt schon ganz gut. Und das, obwohl der Untergrund unter Louisa Auler bedenklich wackelt. Sie hat gemeinsam mit Finn Reidenbach bei der RP-Aktion teilgenommen und ein Probetraining im Voltigieren beim Reit-, Fahr- und Zuchtverein Ziethen Issum gewonnen.

Wenn Trainerin Michaela Verweyen versucht, in Kurzform zu erklären, was Voltigieren ist, sagt sie: "Turnen auf dem Pferd." Aber eigentlich geht es dabei um mehr als nur gymnastische Übungen auf einem Pferderücken. "Es geht darum, mit dem Partner Pferd etwas zusammen zu machen", erklärt die Trainerin. Auch wenn der Spaß dabei nicht zu kurz kommen darf, steht der Respekt im Vordergrund. Es kommt beim Voltigieren auf die innere Einstellung an. "Wenn ich kein Engagement zeige und keine Körperspannung habe, dann wird es schwer, dann funktionieren auch die Übungen nicht", verrät Verweyen.

Engagement ist bei den beiden RP-Gewinnern bis unter die Haarspitzen vorhanden. Aber bevor es für sie auf das echte Pferd geht, stehen erst einmal Trockenübungen auf dem Programm. Für das Aufwärmtraining spielen die Kinder eine Runde Fangen. In der Zwischenzeit holt Michaela Verweyen das Holzpferd aus dem Verschlag. Um mit Schwung auf den Rücken des Holzrosses zu landen, wird noch ein kleines Trampolin davorgestellt. Statt eines Sattels liegt auf dem Pferderücken eine Konstruktion mit zwei Haltegriffen.

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Die Trainerin zeigt, wie die Kinder möglichst elegant aufs Pferd kommen. Dann beginnen die eigentlichen Übungen: Vom Sitz in den Vierfüßlerstand, ein Bein ausstrecken, wieder zurück in den Sitz und den Pferderücken möglichst elegant wieder verlassen. "Und lächeln", ermahnt die Trainerin ihre Schützlinge, denn bei Turnieren gibt es Zuschauer.

Aber soweit sind Louisa und Finn noch lange nicht. "Man muss sich hocharbeiten", sagt die Trainerin. "Anfänger können nicht direkt im Galopp anfangen." Deswegen ist die erste Station auch das Holzpferd. Zwischendurch blickt Finn immer wieder sehnsüchtig zu Josef, dem geduldigen, 16-Jahre alten Voltigier-Pferd. Diejenigen, die schon länger dabei sind, sitzen bereits auf dessen Rücken und machen ihre Übungen, teilweise zu zweit. "Es hat ganz viel mit Vertrauen zu tun", sagt Michaela Verweyen, Vertrauen zum Partner und zum Pferd.

Endlich dürfen auch Louisa und Finn auf den Rücken von Josef klettern. Louisa ist bereits in der ersten Runde besonders mutig, geht auf die Knie und streckt ein Bein aus. Angst hat sie keine. Als nächstes ist Finn an der Reihe. Im Spiegel, der an der Wand der Reithalle montiert ist, kann er beobachten, wie er seine Arme ausstreckt. "Das ist anders als beim Reiten", erklärt die Trainerin, die den freihändigen Finn an der Seite des Pferdes begleitet. Beim Reiten wird das Pferd vom Reiter mit den Zügeln gelenkt. Während des Voltigierens wird das Pferd von jemand anderem an der Longe geführt. "Voltigieren ist auch Loslassen. Das kostet Überwindung." Nach anderthalb Runden ist der langsame Ritt für Finn vorbei und der nächste dran.

Angst hat er keine gehabt, sagt der elfjährige Issumer nach seiner ersten Runde auf dem Pferderücken. "Nur kurz beim Runterspringen, und dann habe ich es doch gemacht", sagt er. Denn nicht nur während der Übungen, sondern auch beim Auf- und Absteigen ist das Pferd in Bewegung. "Ein besseres Körpergefühl", verspricht Michaela Verweyen denen, die das Voltigieren auf Dauer als Sport für sich entdecken. "Es ist für alle Sinne etwas." Nach anderthalb Stunden ist für die zwölfjährige Louisa klar: Spaß hat es gemacht, aber Reiten bleibt ihr Lieblingssport. Finn dagegen will wiederkommen, das ist für den Issumer beschlossene Sache.

Dass Pferdesport im Allgemeinen und Voltigieren im Besonderen eher mädchenlastig ist, stört ihn überhaupt nicht. "Mir egal", sagt er ganz cool. Mit Pferd Josef hat er einen geduldigen Kumpel an seiner Seite. "Ganz ruhig und nett" beschreibt er die Qualitäten des Voltigierpferdes. Gemeinsam werden sie als Team arbeiten, Finn obenauf, die Arme weit ausgebreitet, die Finger von sich gestreckt, Josef als treuer Träger. "Perfekt", wird die Trainerin dann sagen, und Finn lächeln.

Alle, die mehr über das Voltigieren wissen wollen, sind zum Turnier der Issumer am 1. Juni eingeladen.

(bimo)