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Fußball: Ein Multitalent beendet seine Karriere

Fußball : Ein Multitalent beendet seine Karriere

Karl-Heinz van de Locht war Fußball-Spieler, Trainer, Schiri und übernahm Vereins- und Verbandsfunktionen. Nun geht er in den Ruhestand und blickt zurück.

Wohl kaum einer kann von sich behaupten, ein derart buntes Fußball-Leben verbracht zu haben wie der Nieukerker Karl-Heinz van de Locht. Die Jüngsten kennen den Nieukerker vor allem als Staffelleiter aus den Kreisligen B und C. Nach Jahrzehnten als Mitglied des Fußballausschusses des Kreises Kleve-Geldern tritt Karl-Heinz van de Locht nun ab.

 Karl-Heinz van de Locht bei einem seiner letzten Auftritte als Schiedsrichter: 1986 bei einem Hallenturnier in der Gelderner Bollwerk-Halle mit den Mannschaften von Gelria Geldern und vom SV Straelen.
Karl-Heinz van de Locht bei einem seiner letzten Auftritte als Schiedsrichter: 1986 bei einem Hallenturnier in der Gelderner Bollwerk-Halle mit den Mannschaften von Gelria Geldern und vom SV Straelen. Foto: Amerell

Er will sich nur noch als Fan um den Fußball kümmern. Dem Alter nach wäre es längst an der Zeit, sich nicht mehr um Formalitäten im Fußballverband Niederrhein (FVN) zu kümmern. Im nächsten Jahr wird van de Locht 80 Jahre alt. "Ich hatte schon vor wenigen Jahren angekündigt, dass ich für eine weitere Amtszeit nicht mehr zur Verfügung stehen werde", sagt van de Locht. "Hätte ich mich noch einmal wählen lassen, wäre ich mit 82 Jahren aus dem Dienst gegangen. Das wollte ich nicht." Mit dem Saisonbeginn endete seine 43 Jahre alte Dienstzeit als Staffelleiter - mit einer kleinen Einschränkung: "Ich habe den Kollegen in der Sommerzeit noch ein wenig unter die Arme gegriffen. Ich weiß gar nicht, wieviele Turniere ich noch zum Start dieser Saison genehmigt habe", sagt van de Locht. Es scheint, als käme er vom Fußball irgendwie nicht los.

Was nachzuvollziehen ist. Als kleiner Junge begann seine Karriere als Fußballer. So genau weiß er nicht mehr, wann sein Dasein als Fußballer begann. Fest steht: Mehr als 60 Jahre Vereinszugehörigkeit sind es ganz sicher. Van de Locht lernte das Fußballspiel bei der SV Nieukerk, die 1910 gegründet wurde und 1972 mit TuRa Nieukerk zum TSV Nieukerk fusionierte. Heute gehört Karl-Heinz van de Locht, genauso wie sein Bruder Günther, zu den Ehrenmitgliedern des TSV Nieukerk.

 Karl-Heinz van de Locht (r.) mit seinem Bruder Günther beim Endturnier des Diebels-Offensiv-Pokals 2012 in Kellen. Beide sind auch Ehrenmitglieder des TSV Nieukerk.
Karl-Heinz van de Locht (r.) mit seinem Bruder Günther beim Endturnier des Diebels-Offensiv-Pokals 2012 in Kellen. Beide sind auch Ehrenmitglieder des TSV Nieukerk. Foto: Büren

Die Fusion von SV und TuRa gestaltete Karl-Heinz van de Locht als SV-Vorstandsmitglied mit. "Damals wohnte ich noch - wegen des Berufs im Stahlwerk - in Krefeld. Jede Woche bin ich dienstags zu den Fusionsverhandlungen nach Nieukerk gefahren. Ich hatte mich kurz darauf aus dem Vorstand zurückgezogen", erinnert sich der 79-Jährige. Dennoch: Insgesamt 14 Jahre lang war er auch Fußballobmann, sowohl im alten als auch im neuen Verein. Zum Teil überschnitt sich diese Zeit auch mit seiner Tätigkeit als Jugendtrainer, die rund 25 Jahre dauerte.

Während der Arbeit in der Vereins- und Abteilungsführung hatte Karl-Heinz van de Locht einen weiteren Bereich des Fußballs kennengelernt. 1965 begann seine Karriere als Schiedsrichter. Nicht unbedingt ganz freiwillig, wie van de Locht gesteht: "Da ich als Fußballer kein Kind von Traurigkeit war, hat man mir sozusagen als Strafe nahegelegt, mich auch mal mit dem Fußball aus Sicht des Unparteiischen zu befassen." Als Schiedsrichter pfiff van de Locht Partien bis hinauf in die Landesliga. Zu seinem Gespann gehörten die Linienrichter Jakob Jeuken und Bruno Waerder, der noch heute auf Kreisebene Spiele pfeift. Als Linienrichter war van de Locht sogar in der Regionalliga, bis zur Gründung der 2. Bundesliga die zweithöchste Spielklasse, aktiv.

Ein Geheimnis seines Erfolges als Schiedsrichter plaudert Karl-Heinz van de Locht mit einer Mischung aus Stolz und Scham aus: "Die besten Schiris sind eigentlich jene, die die kleinen fiesen Tricks der Fußballer kennen." 1985 beendete er seine Schiedsrichter-Karriere. Mehr oder weniger zeitgleich wechselte er auch den Beruf. Van de Locht folgte seinem Bruder Günther in den Dienst der Gemeinde Nieukerk und übernahm das Amt des Hallenwartes in der Vogteihalle, während Günther für die Sportplätze in Aldekerk und Nieukerk zuständig war. Inzwischen war Karl-Heinz van de Locht längst auch als Staffelleiter im Fußballkreis Kleve/Geldern tätig. Peter Hekermann, der damalige Vorsitzende des Kreis-Fußballausschusses, fragte, ob van de Locht sich nicht vorstellen könne, Albert Hömberg zu vertreten. "Und aus der Vertretung ist dann eine Dauerbeschäftigung geworden", blickt er zurück.

Von 1973 an kümmerte er sich als Staffelleiter um die Kreisligen B und C, die damals noch 2. und 3. Kreisklasse hießen. Außerdem war van de Locht für unzählige Turniergenehmigungen zuständig und organisierte den Offensiv-Pokal, der in diesem Jahr seine Auferstehung feiert, mit. "Organisieren" ist damit eigentlich auch zu kurz gegriffen. Der 79-Jährige führte zudem die Statistiken für das Turnier im Laufe der Saison, und auch für den Dienst am Zapfhahn am Turniertag war er sich nicht zu schade.

Stolz ist Karl-Heinz van de Locht vor allem auf seine Büroausstattung. "700 Euro habe ich darin investiert - ohne FVN-Zuschuss", wie er mit einem Augenzwinkern sagt. Der Stolz beruht darauf, dass er wegen seiner Arbeit als Staffelleiter noch einmal die Arme hochkrempelte und sich erstmals in seinem Leben mit der Themenwelt "Computer und Internet" befasste. "Hätte mich Richard Janßen, der auch zum Fußballausschuss gehört, nicht mit viel Geduld an die Hand genommen, dann hätte mein Dasein als Staffelleiter Jahre früher geendet", blickt van de Locht zurück.

Nun könnte er seinen Computer einmotten, wenn er nicht doch noch ab und zu gebraucht würde. Die meiste Zeit wird der Pensionär mit seinem Bruder - beide sind im Übrigen auch Ehrenmitglieder des TV Aldekerk - in der Vogteihalle verbringen und Handball schauen. Auch die jährlichen Reisen nach Kärnten wird es weiterhin geben. Und vielleicht besucht er auch noch das eine oder andere Fußballspiel mehr als zuvor.

Als Höhepunkt konnte er über den Verband 2006 nämlich Spiele der Fußball-WM in Deutschland erleben. "Das war echt klasse", sagt er noch zehn Jahre später.

Im August wurde Karl-Heinz van de Locht vom Fußballkreis Kleve/Geldern verabschiedet. Seine Arbeit als Staffelleiter in den südlichen B- und C-Kreisligen macht nun Ralf Rösen. "Wenn Ralf Hilfe brauchen sollte, weiß er ja, wo er mich findet", sagt van de Locht.

(RP)