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Ein Leben lang im Einsatz für den SV Straelen

Aus den Vereinen : Ein Leben für die Kinder und den Sport

Adele Hellmann und ihr Ehemann Jakob blicken zufrieden auf 55 Jahre ehrenamtliche Arbeit beim SV Straelen zurück.

Ehrenamtliche Arbeit wird zu Recht als Kleister der Gesellschaft bezeichnet. Und von diesem Klebstoff hat Adele Hellmann, eine echte „Stroelse“, in 55 Jahren mehr als reichlich angerührt. Das, was sie geleistet hat, geht weit über das hinaus, was man unter „Freizeitaktivität“ auslegen könnte.

Sie kann sich noch gut an die Anfänge erinnern. Damals, 1962, als sie mit ihrer Tochter Ursula mit dem Bus nach Geldern zum Schwimmbad fuhr, um ihr das Schwimmen beizubringen. Das hatte Hans Dietze, mittlerweile Ehrenvorsitzender des SV Straelen, gesehen und sie angesprochen: „Entweder du ziehst den Badeanzug an, oder du bleibst zu Hause“, mahnte er sie. Dietze forderte sie auf, sich für den Verein zu engagieren.

Gesagt, getan. Von nun an fuhr sie mit dem „Krefelder“, so hieß die Buslinie damals, regelmäßig bis 1969 mit 30 bis 40 Straelener Kindern zum Hallenbad nach Geldern und brachte ihnen zusammen mit Bademeister Ferdi Selhorst das Schwimmen bei. Dass ihr Mann Jakob Busfahrer bei der NIAG war und ab und zu „eine kleine Sonderfahrt“ einstreuen konnte, war alles andere als nachteilig. Die Stadt Straelen erhielt 1969 ein eigenes Schwimmbad – die Busausflüge gehörten der Vergangenheit an.

Adele Hellmann wurde 1935 in Venlo geboren. Ihre Eltern waren gebürtige Straelener, ihr Vater hatte damals in Venlo Arbeit als Anstreicher gefunden. Unmittelbar vor Kriegsbeginn wurde es für die Deutschen „ungemütlich“ in Holland. Die Hellmanns schlichen in einer Nacht- und Nebelaktion über die Grenze zurück nach Straelen. Sie lernte ihren Jakob kennen. Beide heirateten vor 64 Jahren. 1956 kam Tochter Ursula auf die Welt. Adele und Jakob Hellmann haben zwei Enkel, zwei angeheiratete Enkel und vier Urenkel.

Die gelernte Schuhverkäuferin wurde anlässlich ihres 80. Geburtstags für ihre langjährige und verdienstvolle Tätigkeit als Ehrenmitglied des SV Straelen gewürdigt – eine Auszeichnung, die der Verein in seiner 100-Jährigen Geschichte erst vier Mitgliedern verliehen hat.

Als die amerikanische Fitness-Ikone Jane Fonda 1982 ihr erstes Aerobic-Video veröffentlichte, war das für Straelens Fitness-Königin Adele Hellmann ein alter Hut. Bereits acht Jahre vorher hatte sie sich den eigenen Plattenspieler unter den Arm geklemmt, war damit zur Sporthalle der Grundschule gezogen und hatte Langspielplatten von James Last, den Egerländern oder Marschmusik aufgelegt, um als Vorturnerin ordentlich Schwung in die Ü45-Gymnastikgruppe zu kriegen. „Einen Tag vorher hat mir meine Frau immer die Übungen vorgeturnt, die sie am nächsten Tag mit der Gruppe machen wollte“, schmunzelt Ehemann Jakob.

Vorstandsarbeit, Leiterin der Schwimmabteilung, Gymnastikgruppe und ab 1980 noch Wassergymnastik – aber ein wesentlicher Meilenstein fehlt noch. Seit dem Jahr 1968 fuhr das Ehepaar zusammen mit Kindern aus der Gemeinde in die Ferien. „Der Bus war immer voll. Die ersten drei Jahre war ich mit den Kindern alleine unterwegs. Danach ist mein Mann immer mitgefahren.“ „Wir haben den Urlaub immer so gelegt, dass wir den Kindern die Ferienfahrt ermöglichen konnten. Die erste Fahrt ging in die Eifel zur Steinbachtalsperre“, erinnert sich Jakob Hellmann. „Es werden wohl um die 20 Fahrten gewesen sein. Und nie ist was passiert.“

Jährliche Fahrradtouren im Sommer und Abschlussessen zur Weihnachtszeit organisierte die rüstige Rentnerin zur Stärkung des sozialen Zusammenhaltes. Nun, nach 55 Jahren ehrenamtlicher Tätigkeit, hat sich Adele Hellmann nach reiflicher Überlegung für den Ruhestand entschieden. Den Gruppen hält sie weiterhin die Treue – als „normale“ Kursteilnehmerin in und nicht vor der Gruppe.

Warum macht man das alles? Adele Hellmann zögert lange mit der Antwort: „Ja, warum macht man das? Ich glaube, man macht es aus Spaß an den Kindern und aus Liebe zu den Kindern.“ Ehemann Jakob sieht es ähnlich. „Was hatten wir denn früher als Kinder? Nichts. Da war es doch schön, den Kindern etwas bieten zu können.“

Und was hat man davon? „Viel, sehr viel. Wir möchten keine Sekunde missen. Es ist doch ein herrliches Gefühl, durch Straelen zu laufen und von den Kindern von damals noch immer als Onkel Jakob und Tante Adele angesprochen zu werden.“