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Lokalsport: Ein Handballer für die schönen Tore

Lokalsport : Ein Handballer für die schönen Tore

Christoph Kleinelützum ist aus der Oberliga-Mannschaft des TV Aldekerk nicht wegzudenken. Der 30 Jahre alte Rückraumlinke kam vor etwas mehr als zehn Jahren von der Turnerschaft Grefrath in die Vogteihalle.

Christoph Kleinelützum gehört zu den Handballern, die von der Tribüne aus relativ schmal wirken. Der Rückraumspieler, der auf der linken, der Königsposition im Handball seinen Stammplatz besitzt, hat aus der Ferne betrachtet keine körperlich einschüchternde Wucht. Man kann sich vorstellen, dass die Torhüter denken, mit so einem werden sie locker fertig. Aber dann ist er plötzlich ganz nah am Kreis, ganz groß und ganz breit. Und wenn ihm danach ist, dann macht er ein Tor nach dem anderen.

Das vergisst man leicht, weil er nicht der Typ ist, der sich einem direkt einprägt. Er ist eher ein Typ, den man unterschätzt. Von Grefrath, wo er sich als Jugendlicher die Grundlagen für den Handballsport antrainierte, wechselte er vor elf Jahren zum TV Aldekerk. Trainer Frank Fünders wollte ihn damals unbedingt für die erste Mannschaft haben. Und weil er so viele Tore erzielte, bekam er schnell die großen Schlagzeilen. "Ich bin beim ATV aber auch sehr schnell aufgenommen worden", sagt er.

Man kann sich denken, wie stolz damals der Vater Helmut war, der ihm immer Mut gemacht hat, zum Aldekerker Oberligisten zu wechseln. Wie die Mutter Gerda ihn tröstete, wenn er mal einen schlechten Tag erwischte. Er spricht von seinen Eltern so, als hätten die ihn immer unterstützt und ihm Mut gemacht, er spricht von ihnen voller Zuneigung. Wenn man ihn reden hört, und sein offenes Gesicht über dem durchtrainierten Sportlerkörper sieht, kann man sich gut vorstellen, wie er nach den Spielen zufrieden heimgefahren ist.

Sein immens großer Fleiß hat ihm in Aldekerk stets geholfen, auch wenn er mal schlecht spielte. Es gibt allerdings nicht viele Spiele, in denen er in den vergangenen elf Jahren so richtig schlecht gespielt hat. Und wenn er doch mal schlecht war, hat er immerhin gekämpft. Wem etwas daran lag, dass der ATV in den Meisterschaftsrunden immer einen guten Tabellenplatz erreichte, oder wenigstens ziemlich weit nach oben kam, der musste auf die Tore von Christoph Kleinelützum hoffen, der an guten Tagen die Mannschaft manchmal ganz alleine trug. Derzeit unternimmt er alles, um nach seiner Operation an der Wurfhand und der sich daran anschließenden mehrwöchigen Pause an seine Form vor der Verletzung anknüpfen zu können.

1693 Meisterschaftstore erzielte er in zehn Jahren, beinahe wäre der Halblinke der Aldekerker sogar Torschützenkönig der Oberliga geworden, es fehlten ihm nur drei Treffer. Er hat mit dem Team zweimal den Aufstieg in die Regionalliga beziehungsweise 3. Liga geschafft, er war der beste Torschütze, den der ATV hatte, und er hat in zehn Jahren insgesamt 264 Siebenmeter verwandelt.

Es gab Momente, da hatten die Zuschauer in der Vogteihalle das Gefühl, dieser Kerl kann sogar fliegen. Wenn er beispielsweise aus dem linken Rückraum an den gegnerischen Abwehrspielern der Oberliga vorbeilief, als wären sie gar keine Oberligaspieler. Wie er dann traf, trickste oder den Ball uneigennützig zum besser positionierten Mitspieler passte.

Was der 30-jährige Christoph Kleinelützum außerdem ist: ein Kumpel, der bislang kein Training schwänzte, ein Teamspieler, der oft ein bisschen mehr als die meisten anderen macht, im Training ein Beißer, der seinen Platz in der Mannschaft verteidigt — und ein überaus netter, junger Mann. Wenn er gewollt hätte, dann wäre er wahrscheinlich noch mehr geworden. Anfragen gab es immer wieder. Doch die intakte Kameradschaft in der Aldekerker Mannschaft standen stets gegen einen Wechsel.

Im Übrigen haben seine Eltern bei ihm noch was gut: Sie waren fast in jedem Meisterschaftsspiel in den vergangenen elf Jahren in der Halle und haben über alle Treffer Buch geführt. Das darf man zum Schluss wohl verraten.

(hem)