1. NRW
  2. Städte
  3. Geldern
  4. Sport Geldern und Kevelaer

Fußball: Ein Bezirksliga-Finale mit zwei Gänsehaut-Momenten

Fußball : Ein Bezirksliga-Finale mit zwei Gänsehaut-Momenten

Auf das Saisonfinale in der Bezirksliga am letzten Mai-Wochenende freute ich mich wie Bolle. Warum? Weil völlig offen war, wer aufsteigen würde. Dass es letztlich die Sportfreunde Broekhuysen waren, freute mich sehr.

Zwei besondere Momente anderer Art erlebte ich sprichwörtlich hautnah mit. Der SV Veert gastierte beim SV Vrasselt und wollte die Erfolgsserie der Rückrunde und den Abschied von Trainer Gunnar Gierschner mit einem weiteren Sieg krönen. Bis kurz vor Schluss sah es so aus, als würde Veert verlieren. Doch dann wechselte sich Gierschner in seinem letzten Spiel selbst ein und traf zum umjubelten Ausgleich. Und dann? Ja dann nahm er nochmal Anlauf, schoss den Siegtreffer, drehte nach rechts ab und packte sich ungläubig an die Stirn. Das dauerte nur Millisekunden, da das komplette Team ihn sofort unter einem Spielerhaufen begrub. Und während dieser immer größer wurde, und ich meinen Augen nicht traute, was da gerade abging, beschlich mich eine Gänsehaut, die ich so nur ganz selten bekomme. Als Gierschner nassgeschwitzt und mit rotem Kopf zum Interview bereit war, stand ihm die Freude nur so ins Gesicht geschrieben. Ich glaube, mir auch. Schöner kann ein Abschied kaum sein.

Einen Tag später erlebte ich dann die andere Form eines Gänsehaut-Moments. Der SV Straelen II hatte das Spitzenspiel gegen Praest gewonnen, die Meisterschaft aber nur knapp verpasst. Das rückte für mich schnell in den Hintergrund. Denn Coach Rainer Filla hatte kurz vorher verkündet, als Trainer aufzuhören. Ausgerechnet Filla, der für so manchen Spieler eine Vaterfigur verkörperte. Viele Jahre lang war er leidenschaftlicher Coach beim SV Straelen. Seit der Kindheit fließt grün-gelbes Blut durch seine Adern. Wie schwer ihm der Entschluss gefallen ist, bemerkte ich bei unserem traditionellen Abpfiffgespräch auf der Bank vor den Kabinen. Sonst hatte Filla immer schnell Worte gefunden, um ein Spiel zu resümieren - an diesem Tag nicht. Während seine Jungs ausgelassen feierten, stützte er seine Arme auf die Knie, legte seinen Kopf in beide Hände, starrte ins Leere und machte in diesem Moment auch keinen Hehl daraus, wie er empfand. Das hat mich schwer beeindruckt.

Zurück in der Redaktion hämmerte ich die Zeilen nur so runter. Erst als ich meine Feierabend-Zigarette auf dem Redaktionsbalkon inhalierte, wurde mir bewusst (und da bin ich ganz ehrlich), dass ich zwei ganz besondere und für mich unvergessliche Momente miterlebt hatte.

CHRISTIAN CADEL

(cad)